Banken bündeln Aktien, Anleihen und Rohstoffe
Investoren setzen auf mehrere Anlageklassen gleichzeitig

Anleger können mit einem einzigen Produkt in Aktien, Anleihen und Rohstoffe investieren und zudem das Risiko streuen. Banken bieten verstärkt entsprechende Zertifikate an.

BERLIN. „Mit Aktien, Anleihen und Rohstoffen geht es niemals gleichzeitig nach unten“, sagt Bernd Ehmke von der Bankgesellschaft Berlin. Zudem senkten Anleger mit den Kombiprodukten ihre Transaktionskosten, weil sie sonst Aktien-, Anleihe- und Rohstoffindizes einzeln kaufen müssten. „Diese Zertifikate sind deshalb vor allem für Anleger mit kleineren Depots geeignet, damit sie nicht so oft umschichten müssen“, sagt Jörg Kukies von Goldman Sachs in Frankfurt. Und Bodo Gauer, Derivateexperte bei der DZ Bank in Frankfurt, ergänzt: „Auf der Suche nach der perfekten Risikostreuung sind Rohstoffe eine attraktive Alternative, die immer noch nicht sehr bekannt ist.“

Die neuartigen Papiere unterscheiden sich in der Ausgestaltung allerdings erheblich. So hatte die DZ Bank Aktien- und Rentenprodukte anfangs mit dem Immobilienmarkt kombiniert. Im „Bestinvest Index Tracker Zertifikat“ der DZ Bank (ISIN: DE000DZ557L3) kombiniert die Bank nun Indizes auf die Aktien- und Anleihenmärkte mit einem Rohstoffindex.

Das Interessante für den Anleger ist dabei, dass erst am Ende der Laufzeit über die Auszahlung entschieden wird: So gewichtet die DZ Bank die Anlageklasse mit der besten Durchschnittsperformance am stärksten – mit 60 Prozent. Die zweitbeste und die schwächste gehen mit 30 und zehn Prozent in die Berechnung des Rückzahlungswertes ein. Um die beste Anlageklasse zu ermitteln, errechnet die DZ Bank vierteljährlich die durchschnittliche Wertentwicklung der drei Teilindizes bis zum Ende der Laufzeit. Neben den Dividenden, die die Bank aus den Aktienindizes einbehält, dient diese Durchschnittsbildung zur Finanzierung des Zertifikats.

Damit ähnelt das DZ-Papier sehr stark dem „Rainbow-Zertifikat“ aus dem Hause Goldman Sachs, (ISIN: DE0003929014), das als eines der Zertifikate des Jahres 2004 ausgezeichnet worden ist. Unterschied für den Anleger: Die Auszahlungsgewichtung des Goldman-Papiers ist mit einem Verhältnis von 50:30:20 ungünstiger. Dafür gibt es das Zertifikat mit Kapitalgarantie.

Ganz ohne einen solchen Verteilungsschlüssel kommt das „Spitzenreiter-Zertifikat“ (ISIN: DE000LBB0UQ5) der Bankgesellschaft Berlin aus, das seit Mitte März auf dem Markt ist. „Die für den Anleger optimale Gewichtung kann doch nur lauten: 100:0:0“, sagt Bankgesellschaft-Experte Ehmke. So zieht das Institut ausschließlich den Index mit der besten Performance für die Berechnung des Rückzahlungsbetrages heran. „Wir setzen nur auf den Sieger“, sagt Ehmke.

Doch hat auch dieses Vorgehen seinen Preis: Neben der Durchschnittsberechnung zum Laufzeitende mussten die Berliner die Teilhabe an der Index-Entwicklung auf 90 Prozent reduzieren. Ein Beispiel: Bei einem Anfangsniveau von 1000 und einem durchschnittlichen Indexstand am Ende der Laufzeit im März 2011 von 1700 bekäme der Käufer des Zertifikates 1530 Euro ausbezahlt. „Nur die beste der Anlageformen zu nehmen, bedeutet für uns einen enormen Kostenfaktor“, erläutert Ehmke. „Für alle drei möglichen Szenarien müssen wir zur Absicherung entsprechende Optionen kaufen.“ Zwar seien diese wegen der niedrigen Volatilität preiswert, aber nicht preiswert genug, um eine 100-prozentige Partizipation darstellen zu können, sagt Ehmke.

Anleger müssen bei diesem Papier zudem einen zweiprozentigen Ausgabeaufschlag bezahlen, der sich erst im kommenden Jahr auf 50 Cent reduzieren soll. Berücksichtigt der Anleger diese Kosten, müsste der beste Index aus dem Korb bis zum Ende der Laufzeit um durchschnittlich 11,1 Prozent steigen, damit der Anleger zumindest sein eingesetztes Kapital zurückbekommt. Eine Rendite beschert das Zertifikat erst, wenn der beste Index stärker gestiegen ist. Allerdings sei das in der Vergangenheit immer der Fall gewesen, sagt Ehmke und verweist auf historische Renditen, die die Bankgesellschaft für mehr als 1500 Laufzeitperioden seit Januar 1992 berechnet hat. Den Berechnungen zufolge lag die Durchschnittsrendite des Papiers bei neun Prozent.

Bei Zahlen wie diesen ist es kein Wunder, dass sich derartige Papiere sehr gut verkauften, sagt Kukies von Goldman Sachs. Die meisten Banken bereiten deshalb Folgeprodukte vor. Dabei seien auch andere Kombinationsmöglichkeiten denkbar, sagt Kukies. „Neben Rohstoffen sind das vor allem Hedge-Fonds und Währungsprodukte.“

Quelle: Handelsblatt

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