Banken: Der Markt kommt 2004 in Gang – Investoren wollen ihr Geld aber nur in bekannte Namen stecken
Firmen denken wieder an Börsengänge

Nach langer Durststrecke kommt der Markt für Börsengänge nach Ansicht von Investmentbankern im nächsten Jahr wieder in Schwung. Zehn Börsengänge hält Hans Jörg Schüttler, geschäftsführender Direktor von Morgan Stanley in Frankfurt, 2004 für möglich.

FRANKFURT/M. Er traut dem Markt ein Emissionsvolumen von 10 Mrd. bis 15 Mrd. Euro zu. Dieses Volumen resultiert allerdings nicht allein aus Börsengängen (Initial Public Offering, IPO); darin enthalten sind auch Kapitalerhöhungen oder Privatisierungen. Kandidaten kommen seiner Ansicht nach aus den Branchen Finanzdienstleister, Pharma, Technologie, Automobil und Biotech.

Andere Fachleute pflichten bei: „Das Emissionsklima wird besser, vor allem der Dax hat mit seiner Entwicklung im vergangenen halben Jahr hier sehr viel dafür getan“, sagt Stefan Sessler von der ING BHF Bank. Bereits seit dem Frühsommer berichten Investmentbanker, dass Firmen wieder bei den Banken nach Kapitalmaßnahmen nachfragen.

Tatsächlich hat die Entwicklung des deutschen Leitindexes mit über 60 % in der Spitze dazu beigetragen, dass in den zuletzt völlig leblosen IPO-Markt wieder Phantasie gekommen ist. Im laufenden Jahr ist allerdings kaum mehr mit einer spürbaren Belebung zu rechnen. Bestenfalls einige wenige Kleinst-Emissionen könne es noch geben, vergleichbar mit der von Erotic Media im vergangenen November, schätzen Experten. Der Mini-Börsengang mit einem Volumen von lediglich 3 Mill. Euro war der bisher letzte am deutschen Aktienmarkt. Bei den Großbanken selbst stoßen solche Emissionen jedoch wegen des geringen Volumens auf Desinteresse.

Realistischer ist hingegen, dass es im laufenden Jahr gar keinen Börsengang gibt. Damit würden die Investmentbanker hier zu Lande eine Situation erleben, wie es sie nach dem zweiten Weltkrieg nur in den Jahren 1950, 1963 und 1968 gab. Die Talfahrt der letzten drei Jahre würde so ihren unrühmlichen Tiefpunkt erreichen. Bereits im vergangenen Jahr war das Emissionsvolumen gegenüber 2001 um 90 % auf für die Branche kaum erwähnenswerte 226 Mill. Euro gesunken.

Fundamentale Unterstützung erhalten die Investmentbanker durch eine Umfrage der PR-Agentur Golin Harris. Die befragte 80 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in der Vergangenheit als IPO-Kandidaten galten, nach ihren künftigen Plänen. 33 Unternehmen antworteten, zehn wollten keine detaillierten Angaben machen. Dennoch ergibt sich ein relativ eindeutiges Bild: Rund ein Sechstel will bereits 2004 an die Börse gehen, der Rest plant ein IPO für die Jahre 2005/2006.

Hinter diesen Zahlen zeigt sich auch ein grundsätzliches Problem: Wer den Anfang macht, kann sich zwar eines hohen Medieninteresses gewiss sein; das Unternehmen muss jedoch auch bereit sein, einen Preisabschlag hinzunehmen. „Viele Unternehmen stehen in den Startlöchern, wollen aber nicht den Eisbrecher spielen“, sagt Jürgen Parr von Golin Harris. Vor diesem Hintergrund rechnen Investmentbanker auch anfangs eher mit einem sensiblen Abtasten des Markts durch kleinere und mittlere Emissionen.

Das Anforderungsprofil für die Kandidaten ist indes klar vorgegeben: Da Investoren künftig nicht mehr bei Unternehmen einsteigen werden, die sie nicht kennen und die sie nicht über einen gewissen Zeitraum intensiv beobachten konnten, dürften es Startups schwer haben. Gefragt sind vor allem bekannte Namen. „Zukünftig müssen die Unternehmen die Investoren viel früher in den Emissionsprozess einbinden, damit ein IPO erfolgreich verläuft“, fordert Sessler.

Bis es allerdings wieder zu Emissionen kommt, wie sie London mit dem IPO von Yell (Volumen: 1,63 Mrd. Euro) und Tokio mit Seiko Epson (810 Mill. Euro) und NEC Electronics Corp. (1,02 Mrd. Euro) erlebt haben, kann es allerdings noch dauern. Emissionen vom Schlage einer Deutschen Bahn, Bertelsmann oder T-Mobile, die stets genannt werden, sind nach Expertenmeinung frühestens 2005 zu erwarten.

So unklar der Termin ist, so klar ist hingegen für 92 % der von Golin Harris befragten Unternehmen, wo sie sich listen lassen: An der Deutschen Börse in Frankfurt. „Das negative Image des eingestellten Neuen Markts hat dem Börsenplatz Frankfurt offensichtlich keinen nachhaltigen Schaden zugefügt“, sagt Parr.

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