Banken empfehlen Zykliker
Dax-Ausblick: Heiße Phase der Quartalszahlen

In der kommenden Woche dürfte sich die insgesamt freundliche Tendenz am deutschen Aktienmarkt fortsetzen. Die Gewinnmitnahmen der vergangenen Tage scheinen ausgelaufen zu sein, so dass jetzt wieder investiert wird.

vwd/rtr FRANKFURT. Dabei sollte der Trend der vergangenen Wochen die Aktien weiter stützen: Umschichtungen aus den sehr gut gelaufenen Staatsanleihen in ausgewählte Aktien. „Zumindest bis Mitte Juli wird der Dax seinen Aufwärtstrend fortsetzen“, sagt ein Frankfurter Investmentbanker. Viele institutionelle Anleger müssten noch ihre Aktienbestände anpassen, um von dem erwarteten Aufschwung im zweiten Halbjahr zu profitieren.

"Markt hat nur Verschnaufpause eingelegt"

„Der Markt hat in den vergangenen Tagen lediglich eine Verschnaufpause hingelegt“, sagt Thomas Jökel, Fondsmanager bei Union Investment. Ein negativer Trend sei damit nicht eingeläutet worden. Die Investoren hätten Luft geholt, um wieder freundlicheren Zeiten entgegen zu blicken. Dabei stünden zyklische Werte weiterhin im Fokus der Anleger, sagt Jökel. Die Banken sollten besonders deutlich von einer konjunkturellen Verbesserung profitieren. Bei den Versicherern sei dagegen noch großes Aufholpotenzial zu erkennen. Aber auch die klassischen Zykliker wie Maschinenbau-, Stahl- und Automobilwerte dürften weiterhin interessant bleiben. Gerade diese Sektoren sollten mittelfristig von der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Verbesserung im zweiten Halbjahr gestützt werden, meint der Fondsmanager.

Zwar stehe die anlaufende Berichtssaison gesamtwirtschaftlich gesehen unter keinem günstigen Stern, geben die Analysten der Bankgesellschaft Berlin zu bedenken. Ertragsenttäuschungen mit negativen Einflüssen auf die Aktienkurse dürften also nicht überraschen. Allerdings könnten die Ausblicke der Unternehmen auf das zweite Halbjahr einiges wettmachen. Hier rechnen die Analysten aufgrund der jüngsten Erholung des Dollar, der Besserungstendenzen bei den konjunkturellen Stimmungsindikatoren und der sich abzeichnenden Konjunkturverbesserung in den USA und Japan mit eher positiven Überraschungen.

Volker Borghoff ist anderer Meinung: „Die Erwartungen sind einfach zu hoch. So sind im Eurostoxx50 Gewinnsteigerungen von 35 Prozent für 2003 eingepreist. Das ist nach unserer Einschätzung kaum zu erreichen“, sagte der Aktienstratege bei HSBC Trinkaus & Burkhardt am Freitag. „Das Problem werden indes weniger die Zahlen zum zweiten Quartal als die wegen der schwachen Konjunktur verhaltenen Ausblicke sein“, fügte er hinzu.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) könnte in der nächsten Woche leicht fünf Prozent an Wert verlieren, schätzt Borghoff. Für die kommenden drei Monate beziffert er das Rückschlagspotenzial auf 20 bis 30 Prozent. „Selten war ich mir so sicher wie dieses Mal“, bekräftigte er seine pessimistische Prognose. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seit dem März-Tief mehr als 1000 Punkte auf 3285 Zähler gewonnen.

„Als Hinweis auf ein Anspringen des Welthandels kann unter anderem der starke Anstieg deutscher Exporte im Mai gewertet werden“, sagen die Experten der Bankgesellschaft. Auch die sich abzeichnenden Besserungstendenzen im Technologiesektor dürften sich in den Unternehmensausblicken positiv niederschlagen. Aufgrund der positiven Ertragsaussichten und der im Vergleich zu den Rentenmärkten überwiegend günstigen Bewertungsrelationen für Aktien sei daher nicht mit einem tieferen Sommerloch zu rechnen.

Analyst: Seitwärtsbewegung ist wahrscheinlichstes Szenario

Für Albert Keuch, technischer Analyst bei Helaba Trust, ist eine Seitwärtsbewegung im Dax das wahrscheinlichste Szenario für die kommende Woche. Dabei dürfte der Leitindex zwischen 3 250 und 3 350 Punkten schwanken. „Insgesamt befindet sich der Dax mitten in einer Konsolidierungsphase“, sagt Keuch. Die Anleger scheinen nach der guten Performance jetzt eine Verschnaufpause einzulegen. Positiv sei allerdings, dass dabei der Aufwärtstrend seit März 2003 bei rund 3 250 Zählern offenbar verteidigt werden könne.

Auch die 50-Tage-Linie, die aktuell knapp unter 3.100 Punkten verlaufe, biete nach unten einen gewissen Schutz. Somit sei ein nachhaltiges Abrutschen des Dax kaum zu erwarten. „Mittelfristig ist eher davon auszugehen, dass die positiven Trendaspekte Bestand haben“, fasst Keuch seine Erwartungen zusammen.

Die Berichtssaison kommt langsam in ihre heiße Phase. So veröffentlichen in der kommenden Woche große US-Technologiekonzerne und SAP ihre Geschäftszahlen. Zum Wochenbeginn warten zuvor jedoch die US-Banken Citigroup und Bank of America mit Quartalszahlen auf. Dienstag berichten dann Südzucker, Philips, Motorola und Intel über ihren Geschäftsverlauf. Zur Wochenmitte stehen die Daten von Rhön-Klinikum, Samsung, Ford und ASML auf dem Programm. Der Donnerstag steht dann im Zeichen von SAP, Microsoft, General Motors (GM) und Nokia. Der US-Mobilfunkkonzern Ericsson wird zum Wochenschluss seine Geschäftszahlen bekannt geben.

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