Banken lagen 2004 mit ihrer Renditeprognose weit daneben
Anleihen: Analysten befürchten Zinssprung

Die Angst vor steigenden Zinsen sorgt für Nervosität unter den Analysten. Die bei der großen Kapitalmarktumfrage des Handelsblatts befragten 32 in- und ausländischen Institute erwarten im nächsten Jahr einen Zinssprung auf 4,34 Prozent. Das wäre eine Erhöhung um knapp einen drei Viertel Prozentpunkt.

HB FRANKFURT. Insgesamt 30 Banken gehen davon aus, dass zehnjährige Bundesanleihen Ende 2005 deutlich über vier Prozent rentieren. Lediglich ABN Amro und das Schweizer Bankhaus Pictet weichen mit 3,50 bzw. 3,60 Prozent erwarteter Rendite deutlich davon ab. Allerdings hatten die Banken bereits für das zu Ende gehende Jahr einen massiven Zinsanstieg vorhergesagt. Die reale Entwicklung sah jedoch anders aus. Die prognostizierte Erhöhung auf durchschnittlich 4,82 Prozent trat nicht ein. Im Gegenteil: Mit aktuell 3,67 Prozent steht die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen in der Nähe des historischen Tiefstandes von 3,47 Prozent Mitte vergangenen Jahres. Alle befragten Institute hatten die Zinsen 2004 über vier Prozent gesehen. Die Bären unter den Banken – immerhin 13 – rechneten sogar mit einem Anstieg auf mehr als fünf Prozent. Besonders das Bankhaus Merck Finck (5,50 Prozent) war über das Ziel hinausgeschossen.

Doch der Fehlschlag im vergangenen Jahr hat keine Auswirkungen auf die aktuelle Prognose. Der grundsätzliche Trend zeigt erneut eindeutig nach oben. Mit der BW-Bank, der DZ Bank und der ING BHF-Bank gibt es gleich drei Vertreter, die die zehnjährige Bundesanleihe Ende 2005 bei 4,80 Prozent erwarten. Die DZ Bank geht davon aus, dass bis zum Frühjahr 2005 „die Bewertungen bei Langläufern am Rentenmarkt auf einem hohen Niveau verharren“. Im weiteren Verlauf wird dann mit einer Korrektur gerechnet. Erste Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie weitere Renditeanstiege in den USA sollen die Zehnjahreszinsen klettern lassen.

Die ING BHF-Bank kann sich im Jahresverlauf Leitzinserhöhungen im Euroraum von einem halben Prozentpunkt auf 2,50 Prozent vorstellen. Das spiegele der Markt noch nicht in der aktuellen Zinshöhe wider, so dass dies „durchaus Druck auf die Anleiherenditen“ auslösen könnte. Außerdem führe die steigende Staatsverschuldung zu einem größeren Bondangebot, was den Rentenmarkt ebenfalls belaste.

Dagegen sieht ABN Amro den Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen sogar leicht auf 3,50 Prozent fallen. Dreh- und Angelpunkt in der Argumentation der Volkswirte ist ein weiterhin starker Euro, der das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum bremse und voraussichtlich auch die Inflation in Schach halte.

Nach Ansicht der WestLB erhöht sich mit einem weiteren Anstieg der Dividendenrendite die Wahrscheinlichkeit für eine Neuausrichtung der Wertpapierinvestments durch die Anleger. „Diversifikation als Strategie zur Risikominderung“ werde eines der zentralen Themen im kommenden Jahr sein. Unter dem Verdacht einer spekulativen Blase stünden nicht nur Unternehmensanleihen, sondern auch die klassischen Staatsanleihemärkte. Die Renditen im Euro-Raum würden infolge von Kapitalzuflüssen und geringerem Inflationsdruck weniger stark steigen als in den USA, sagt die Weberbank. Allerdings stellen mögliche terroristische Anschläge ein großes Risiko für die Prognosen dar, wie M.M. Warburg ergänzt.

Für Diskussionsstoff sorgt auch das Verhältnis des Dollars zum Yen. Die Dekabank erwartet, dass die „japanische Zentralbank eine (leichte) Aufwertung gegenüber dem Dollar zulässt“. Dies gelte um so mehr, je stärker die japanische Konjunktur sich im Laufe des nächsten Jahres aus dem Deflationsumfeld „herauskämpfen kann“. Der Yen hat im laufenden Jahr weniger stark zum Dollar aufgewertet als der Euro, analysiert die die Landesbank Baden- Württemberg (LBBW). Der Überschuss Japans im Handel mit den USA spreche für eine weitere Aufwertung der japanischen Valuta, die toleriert werden sollte, wenn sie moderat ausfalle. Falls der an den Dollar gebundene chinesische Yuan freigegeben wird, erwarten die Landesbanker, dass der Yen zusätzlich an Kraft gewinnt. Dieses Jahr landeten die Banken mit ihrer Prognose von 105 Yen Ende 2004 einen Treffer.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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