Banken machen Regressforderungen gegen Anteilseigner geltend
Anleger müssen bei einzelnen Falk-Fonds Geld nachschießen

Nach dem Insolvenz-Antrag des größten deutschen Anbieters für geschlossene Immobilienfonds, Falk Capital, beginnt jetzt das Tauziehen um die Sanierung einzelner von der Gruppe betreuter Fonds. So sollen die Gesellschafter des Falk Fonds 60 heute auf einer Versammlung in München darüber abstimmen, ob sie noch einmal fünf Prozent ihres Kapitaleinsatzes nachschießen, um Zins- und Tilgungspflichten gegenüber den Banken erfüllen zu können. Das Treffen ist nur der Auftakt einer Serie von Gesellschafter-Versammlungen weiterer Fonds, in denen es stets um deren finanzielle Rettung geht.

HB DÜSSELDORF. Falk Capital hatte am vergangenen Dienstag Insolvenzantrag gestellt. Das bedeutet aber nicht, dass auch sämtliche von der Falk Gruppe betreuten Immobilienfonds in Schieflage geraten sind. Sie sind eigene Gesellschaften, bei denen sich die wirtschaftliche Lage je nach Vermietung der verwalteten Objekte unterschiedlich darstellt. Auch die mit der Bewirtschaftung betreute Falk Asset Management ist nicht betroffen.

Die von der Falk Gruppe betreuten Objekte hatten im Umfeld eines schwachen Immobilienmarkts nicht mehr die erhofften Mieteinnahmen erbracht. In einem Teil der Fonds übersteigen jetzt die Zins- und Tilgungsforderungen der Banken die Mieteinnahmen. Falk Capital aber hat den Anlegern bestimmte Mieteinnahmen garantiert und konnte die entsprechenden Summen nicht mehr aufbringen.

Für Anleger stellt sich die Lage jetzt reichlich verworren dar. Je nach Rechtsform des Fonds haften sie mal mit ihrem eingesetzten Kapital, in anderen Fällen jedoch auch mit ihrem gesamten Vermögen. Sie können sogar Glück haben und ihr Fonds wirft auch heute noch Gewinne ab. „Wichtig ist, dass sich Anleger überhaupt erst mal ein Bild Rechtsform und die wirtschaftliche Lage ihres Fonds machen“, sagt Stefan Loipfinger vom Informationsdienst Fondstelegramm.

Ein begrenztes Risiko tragen Anleger, deren Fonds in Form einer Kommanditgesellschaft (KG) gegründet wurde. Sollte er Verluste erwirtschaften, dann ist für Anleger im schlimmsten Fall der Einsatz verloren. Es gibt allerdings keine Nachschusspflicht. Die meisten jüngeren Falk Fonds sind KGs.

Deutlich gefährlicher ist die Situation bei Fonds in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Dazu gehört etwa die Hälfte der gut 50 noch bewirtschafteten Fonds. Hier haften Anleger im Ernstfall mit ihrem gesamten persönlichen Vermögen. Nach Auskunft von Geschäftsführer Helmut Falk sind das sämtliche Fonds bis zum Fonds 48, sowie die Nummern 60, 61, 63 und 69.

Beim Fonds 60 etwa, der das Gebäude im Berliner Wohngebiet „Am Steinberg“ verwaltet, standen bereits 2002 den Einnahmen von 7,3 Mill. Euro Ausgaben von mehr als acht Mill. Euro gegenüber. Dort dürfte den Anlegern kaum etwas anderes übrig bleiben als nachzuzahlen. Andernfalls würden die Gläubigerbanken sie direkt in Haftung nehmen. Im Fall des ebenfalls unterfinanzierten Fonds 42 hat die Commerzbank bereits Regressforderungen in einem Schreiben an die Anleger geltend gemacht. Eines davon liegt der Kanzlei Mattil in München vor, die die Interessen einer Reihe von Falk-Anlegern vertritt.

Ein Sonderfall ist der Zinsfonds, der gegen Ende gegründet wurde, um neues Geld einzusammeln. Er ist zwar auch eine GbR, doch dort sind die Investoren Gläubiger statt Anteilseigner. Deshalb müssen die Anleger nach Ansicht von Rechtsanwalt Michael Leipold voraussichtlich nichts nachschießen. Hier bestehen häufig auch gute Chancen, Regressansprüche gegenüber den Beratern geltend zu machen. Die Anlage wurde häufig als so sicher wie ein Sparbuch angepriesen. In jedem Fall sollten Anleger zu den Versammlungen persönlich hingehen, empfehlen Anlegerschützer.

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