Banker werfen Firmen schlechtes Management vor
Chinas Anleger erhalten kaum Dividenden

Hongkonger Banker werfen den gelisteten Unternehmen in China „Geiz“ vor – so auch der Finanzexperte Dan Slater.

PEKING. Was haben der Hafenbetreiber China Merchants, die Brauerei Harbin und der Mobilfunkbetreiber China Mobile gemeinsam? Sie gehören zu den wenigen rund 1200 chinesischen börsennotierten Aktiengesellschaften, die nach ihrem Halbjahresbericht Ende August eine Dividende ausschütten wollen.

Hongkonger Banker werfen den gelisteten Unternehmen in China „Geiz“ vor – so auch der Finanzexperte Dan Slater. Er zählte Ende August lediglich 1,96% oder genau vierzehn Gesellschaften, die nach Vorlage ihrer Halbjahreszahlen eine Dividende ankündigten. Zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr waren es noch fast doppelt so viele. Zum Ende 2002 stieg die Zahl der ausschüttenden Firmen noch auf 60% an.

Slater hat Chinas Behörden im Verdacht, zu der mageren Bilanz aus Sicht der Anleger beizutragen: Da in China der Staat zwei Drittel der Anteile an börsennotierten Gesellschaften hält, hat dieser laut Slater strenge Vorkehrungen dagegen getroffen, damit „staatlicher Besitz“ – dazu zählen auch ausschüttbare Gewinne – in die Hände des privaten Börsenvolkes gelangt. So soll eine Dividendenauszahlung ein Unternehmen 4000 Euro kosten und einen Berg von Fragebögen und Anträgen mit sich ziehen.

Chinas Mini-Dividenden hat vor einem Jahr schon der Finanzexperte Sheldon Gao bei Dow Jones unter die Lupe genommen. Resultat: Während die jährliche Dividendenrendite im Dow Jones seit 1930 bei 4,3% liegt, beträgt sie in China nur magere 0,75%, „dramatisch weniger als im Rest der Welt“. Für Gao erklärt das auch, warum die Chinesen ihre Ersparnisse fast ausschließlich den Banken für niedrigste Zinsen überlassen.

Slater vermutet auch, dass viele Firmen nach der Ausschüttung von Dividenden im vergangenen Jahr enttäuscht waren, dass sie den Sinkflug ihrer Aktienpreise mit dem warmen Regen nicht bremsen konnten.

Gao und Slater verweisen auf die magere Gewinne vieler – staatlicher – gelisteter Unternehmen in China. „Die meisten börsennotierten Firmen sind staatseigene Unternehmen mit sehr begrenzter Fähigkeit im Management und geringer Profitabilität“, sagt Slater. Seine Kritik richtet sich gegen jene Gesellschaften, in denen ein großer Teil der Aktien in einer Hand konzentriert ist. „Bei der Hälfte jener Firmen, die Dividenden angekündigt haben, ist die Anteilsverteilung besonders hoch konzentriert“, stellt er fest. Die wenigen Akitonäre kassieren also ab, indem sie sich eine Dividende zahlen.

Gao bemerkt, dass chinesische Firmen bei der Häufigkeit der Auszahlungen – Dividendenausschütter gemessen an allen gelisteten Gesellschaften – im internationalen Vergleich mit über 44% im Mittelfeld liegen. Sie schneiden sogar besser ab als die Europäer. Die Dividenden müssten theoretisch auch deshalb höher ausfallen, weil die Mehrheit auf den chinesischen Kurszetteln Industrie-Unternehmen sind. Und die sind traditionell die besseren Dividendenzahler.

Gao erklärt die dennoch mageren Dividenden vor allem mit den hohen Bewertungen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 70 und mit den niedrigen Gewinnen. China, so scheint es, hat nicht seine besten Unternehmen an die Börsen gebracht, sondern überwiegend solche, die Kapital brauchen, um zu überleben. Doch wo die Dividenden fehlen, melden sich die Spekulanten zu Wort. Denn Kursgewinne bleiben so die einzige Möglichkeit, noch Geld zu verdienen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%