Banksektor und Einzelhandel profitieren vom Kaufrausch
Südafrikas Börse eilt von Hoch zu Hoch

Die Johannesburger Börse (JSE) hat nach ihrem Gipfelsturm in der vergangenen Woche erst einmal Atem geschöpft. Gewinnmitnahmen und der starke Rand, der zu Wochenbeginn auf ein Viermonatshoch von 5,98 Rand je Dollar kletterte, ließen den JSE-Gesamtindex zuletzt stagnieren.

HB/wd JOHANNESBURG. Symptomatisch war das Abschneiden der Goldwerte: Trotz des jüngsten Anstiegs des gelben Metalls auf ein 16-Jahres-Hoch von 448 Dollar je Feinunze tendierten die Titel der Goldförderer vom Kap nur seitwärts. Der Grund: Wie die anderen Rohstoffproduzenten vom Kap, erhalten auch die Goldkonzerne Harmony, Gold Fields und Anglogold ihre Erlöse in Dollar, während sie für Löhne und Exploration mit dem binnen drei Jahren um 70 Prozent aufgewerteten Rand bezahlen.

Während die Bergbaukonzerne leiden, profitierten der Banksektor und der Einzelhandel vom Kaufrausch der südafrikanischen Verbraucher. Die vergleichsweise niedrigen Zinsen, der starke Rand und die auf ein Rekordtief von 3,7 Prozent gefallene Inflation bescheren Supermarktketten, Kleidungsläden und Hifi-Shops kräftige Gewinne. Auch der Bierbrauer SAB Miller meldete dank des gestiegenen Bierkonsums am Kap und höherer Erträge in den USA für das erste Halbjahr eine Verdoppelung des Reingewinns. Als Reaktion auf die positive Entwicklung plant SAB Miller in den nächsten fünf Jahren rund fünf Mrd. Dollar in den Ausbau bestehender Anlagen am Kap zu stecken.

Ebenfalls mit einem massiven Gewinnanstieg glänzte die diversifizierte Industriegruppe Barloworld. Zugute kam dem Unternehmen, das vor allem mit Baumaschinen wie Raupen handelt, der Erwerb der Autoverleihfirma Avis. Einen deutlichen Gewinnsprung meldete auch der Festnetzanbieter Telkom. Das Unternehmen konnte den Reingewinn in den sechs Monaten bis Ende September um zwei Drittel erhöhen. Entscheidenden Anteil daran hatte der Mehrheitsanteil am Mobilfunk-Anbieter Vodacom.

Nach Ansicht von Rudolph Vermeulen, einem Derivatexperten bei Global Trader, bleibt der Ausblick für die JSE trotz der hohen Zugewinne in diesem Jahr günstig. Er empfiehlt, wie die meisten anderen Fondsmanager am Kap, ein Überwechseln vom Rohstoffsektor zu den Bank- und Industriewerten. Unterstützung erhält er dabei von George Howard vom Finanzdienstleister Sanlam Investment Management (SIM). Howard hat für den Bank- und Industriesektor angesichts der erwarteten Gewinnsprünge ein Aufwärtspotenzial zwischen 15 und 30 Prozent errechnet. Im Gegensatz dazu würden die Bergbaukonzerne unter einer möglichen Abkühlung des Rohstoffbooms leiden, erwartet er.

Zusätzlich profitieren würden die Kurs an der JSE von einem schwächeren Rand. Inzwischen halten fast alle Analysten die Lokalwährung für stark überbewertet. Die meisten erwarten deshalb auch für 2005 eine Abwertung des Rands um mindestens 15 Prozent.

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