Bayer, BASF und Degussa veröffentlichen Zahlen
Chemie-Aktien stehen vor Rückschlägen

Berichtssaison bei den großen deutschen Chemieunternehmen: Vergangene Woche legte Celanese Quartalszahlen vor. Ab Mittwoch folgen Bayer, BASF und Degussa. Das Ergebnis, vor allem aber der positive Ausblick von Celanese überzeugten den Markt. Die Aktie legte deutlich zu.

FRANKFURT/M. Weil aber einige Chemietitel seit März bereits um rund 50 % (BASF, Celanese, Degussa) bzw. sogar 100 % (Bayer) zugelegt haben, von den Quartalszahlen dagegen wenig positive Überraschungen erwartet werden, sind Experten skeptisch, was die weitere Entwicklung der Aktien anbelangt. "Wir raten momentan nicht, den Sektor überzugewichten", sagt Analyst Ulle Woerner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Die Zahlen bergen einiges an Enttäuschungspotenzial", erwartet Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Nach einem starken ersten Quartal hätten die Chemieunternehmen im zweiten Jahresabschnitt drei Probleme: "Alle börsennotierten deutschen Chemieunternehmen sind auf der Umsatzebene negativ vom starken Euro und dem hohen Ölpreis betroffen", sagt Analyst Bernd Schnarr von der WGZ-Bank. Dazu kommt die schwache Nachfrage, die sich an den Absatzzahlen bemerkbar machen wird. Nachdem viele Kunden im ersten Quartal ihre Läger aufgefüllt hatten und den Chemiefirmen so zu erfreulichen Ergebnissen verhalfen, warten die Abnehmer ab mit weiteren Bestellungen.

"Die große Frage lautet: Kommt es zur globalen Erholung der Konjunktur?", sagt Woerner. Sobald es handfeste Zeichen für einen Wirtschaftsaufschwung gebe, müssten die Abnehmer ordern. Ansonsten bliebe das Bestellvolumen niedrig. Das würde es es den Chemieunternehmen schwer machen, den höheren Ölpreis über höhere eigene Preise auf die Abnehmer abzuwälzen. "Kostensenkungen sind keine Dauerlösung", sagt Woerner.

Laut Schnarr würden Chemieunternehmen und ihre Aktien, die zu den Frühzyklikern bzw. konjunktursensiblen Werten zählen, gleich dreifach vom Konjunkturaufschwung profitieren: "Erstens würden Kunden die Läger auffüllen, zweitens wegen der höheren Nachfrage nach ihren Endprodukten mehr Grundchemieprodukte bestellen, und drittens würde die Auslastung der Produktionsanlagen steigen." "Anleger, die jetzt Chemieaktien kaufen, setzen auf den baldigen Wirtschaftsaufschwung", sagt Woerner.

Unter den Einzelwerten gelten die Sympathien der Mehrheit der Analysten klar BASF und Celanese. Beim Weltmarktführer BASF loben sie die gesunde Bilanz, die attraktive Dividendenrendite von rund 3,5 % und die starke Finanzlage, die es der "Badischen Anilin- und Soda-Fabrik" ermögliche, zuzukaufen. Celanese gilt wegen der vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung von rund 1,2 Mrd. Euro als Übernahmekandidat, gefällt den Experten aber auch wegen des im Branchenvergleich niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn. Vor der Bayer-Aktie warnen viele Experten, da noch immer Schadensersatzklagen wegen Lipobay und HIV-verseuchten Blutkonserven drohen. Bei Degussa liegen die Verkaufsempfehlungen vor allem an der Aktionärsstruktur. Die "Deutsche Gold- & Silber- Scheide-Anstalt" wird von der RAG übernommen. Dadurch werden bald über 40 % der Anteile, die jetzt noch Eon hält, an der Börse veräußert werden - mit zu erwartendem Druck auf den Aktienkurs.

Langfristig engagierten Anlegern rät Analyst Schnarr, die Europäische Union im Auge zu behalten: "Das Reach-Programm zur Klassifizierung von Chemikalien und Erfassung deren Risikopotenzials könnte die Unternehmen Milliarden Euro kosten, wenn entsprechende Bestimmungen 2006 oder 2007 kommen."

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