Bedeutung von so genannten „Secondaries“ im Beteiligungsmarkt nimmt deutlich zu
Finanzinvestoren machen mehr Geschäfte untereinander

Spektakuläre Börsengänge wie der des Pay-TV-Anbieters Premiere sind nach wie vor der Traum einer jeden Beteiligungsgesellschaft. Doch die Realität sieht für die meisten Finanzinvestoren weniger schillernd aus.

FRANKFURT/M. In jüngster Zeit wandern immer mehr Unternehmen von einem Private-Equity-Haus zum nächsten, im Fachjargon werden diese Transaktionen mit „Secondaries“ bezeichnet (siehe „Secondaries in Deutschland“). Nach einer Untersuchung der Schweizer Beratungsgesellschaft SCM Strategic Capital Management lag ihr Anteil bei den Transaktionen über 400 Mill. Euro im vergangenen Jahr schon bei 29,2 Prozent, 2002 betrug er 18 Prozent. „Im laufenden Jahr werden wir einen weiteren Zuwachs erleben“, sagt Beteiligungsexperte Stefan Hepp von der SCM.

Es gebe mehrere Gründe, warum der Markt für „gebrauchte Firmenportfolien“ aufblühe, sagt Hepp. Finanzinvestoren, die etwa fünf Jahre an einem Unternehmen beteiligt sind, wollten häufig die nächste Entwicklungsphase nicht mehr finanzieren und ihre erzielte Rendite ins Trockene bringen. Solche neuen Aufgaben könnten der Gang ins Ausland oder der Kauf eines Wettbewerbers sein. Diese Aufgabe übernehme dann der zweite Finanzinvestor. Außerdem haben sich nach Ansicht von Hepp die Konditionen für die Fremdfinanzierung der Transaktionen stark verbessert. Normalerweise würden bei Private-Equity-Geschäften rund 60 bis 70 Prozent über Fremdmittel abgedeckt. Der Käufer könne Zinsvorteile realisieren und die Mittel in die Restrukturierung der Firma stecken.

Finanzinvestoren sind eine immer stärker werdende Kraft im Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) geworden. Sie sammeln von institutionellen Adressen wie Pensionsfonds und Stiftungen ihre Mittel ein, kaufen Unternehmen und restrukturieren sie. Durch den Weiterverkauf nach einigen Jahren wollen sie eine Eigenkapitalverzinsung erzielen, die über der Rendite an den Börsen liegt.

Allerdings sind die „Secondaries“ in der Branche nicht unumstritten. Einige Experten sind unsicher, ob sich beim Handel unter Finanzinvestoren noch hohe Renditen erzielen lassen. „Bei ’Secondaries’ liegt die Herausforderung darin, das zusätzliche Wertsteigerungspotential bei den Portfoliounternehmen richtig einzuschätzen“, sagt Wolfgang Fink, Managing Director bei der Investmentbank Goldman Sachs. Üblicherweise sei die Transparenz der veräußerten Unternehmen hoch, weil die Finanzinvestoren das Zahlenwerk durchleuchtet und aufbereitet haben. „Ohne zusätzliche Ideen kann es aber sein, dass die Rendite auf entsprechende Investments sinkt“, warnt Fink. „Die Frage, die sich für Beteiligungsgesellschaften stellt, ist, wie sie ihren Investoren erklären, dass diese Investitionen großen Wert schaffen können. Gewisse Private-Equity-Häuser stehen ’Secondaries’ noch mit Skepsis gegenüber.“

Trotzdem glaubt Fink, dass „Secondaries“ weiterhin eine große Rolle im Beteiligungsmarkt spielen werden. „Trotz des gelungenen Debüts von Premiere steht die Börse als Exit-Kanal momentan nur wenigen Finanzinvestoren offen.“ Das liege in erster Linie daran, dass viele Unternehmen in den Beteiligungsportfolios zu klein seien, um sie zu attraktiven Börsentiteln zu machen.

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