Beginn einer größeren Streichwelle
Dividenden im freien Fall

Anleger müssen sich auf drastische Kürzungen der Dividenden gefasst machen. Mit Blick auf die nächsten 18 Monate deuten Dividenden-Terminkontrakte die stärksten Rückgänge seit mindestens zehn Jahren an. Bereits in diesem Jahr waren die Ausschüttungen im Deutschen Aktienindex um 20 Prozent gesunken. Doch das dürfte angesichts dramatischer Gewinnrückgänge erst der Anfang gewesen sein.

DÜSSELDORF. So signalisiert der Eurostoxx 50 Index Dividend Futures - ein Index, mit dem Investoren auf die Höhe der künftigen Auszahlungen spekulieren können - im Jahresvergleich 29 Prozent niedrigere Dividenden für das laufende Jahr in Europa. 2010 erreichen die Einschnitte demnach sogar 32 Prozent.

"Es gibt weiterhin eine ganze Reihe Unternehmen, die eine Dividendenkürzung als den einfachsten Weg für eine verbesserte Finanzlage ansehen", sagte Bob Parker von der Vermögensverwaltung Credit Suisse Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er erwarte weitere und stärkere Kürzungen bei den Ausschüttungen. Die Unternehmen täten alles, um ihre freien Mittelzuflüsse zu verbessern, so Parker.

2008 waren bei den 30 Konzernen des Deutschen Aktienindex (Dax) die Nettogewinne um 35 Prozent eingebrochen. Dennoch senkten die Firmen ihre Ausschüttungen nur um ein Fünftel. Sie erhöhten damit ihre Ausschüttungsquote auf gut 45 Prozent und damit über das historische Mittel hinaus. Dividenden orientieren sich üblicherweise am Konzerngewinn des abgelaufenen Jahres. Mit einer recht üppigen Ausschüttungspolitik in diesem Frühjahr versuchten die Firmen, die bei vielen Investoren beliebte Dividendenkontinuität zu wahren. Vor allem amerikanische (Pensions-) Fonds achten darauf, um ihrerseits regelmäßige Ausschüttungen einplanen und realisieren zu können.

Heftiger Einbruch in den USA

Doch angesichts des sich fortsetzenden Ertragseinbruchs können die Unternehmen nun keine Rücksichten mehr nehmen. Firmen wie der britische Bergbaukonzern Anglo American verdeutlichen die Misere: Nach guten Geschäften im ersten Halbjahr 2008 zahlte das Unternehmen anfangs noch Dividende. Doch als im dritten und vierten Quartal angesichts der weltweiten Nachfrageschwäche Aufträge und Profite wegbrachen, strich der Konzern die Abschlussdividende. Anglo-American-Aktionäre gehen zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg leer aus.

Nach Angaben des britischen Finanzinformationsanbieters Markit gibt es europaweit die stärksten Einschnitte in den Branchen Banken, Automobil, Versicherungen und Haushaltsgüter. Hingegen dürfen Anleger von Öl- und Gasfirmen weiterhin mit moderaten Steigerungsraten rechnen.

Seite 1:

Dividenden im freien Fall

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%