Behavioral Finance analysiert das Verhalten der Investoren auf den Finanzmärkten
Anleger laufen steigenden Kursen nach

Die Aktienkurse treten mehr oder weniger auf der Stelle, Aktienfonds beklagen Mittelabflüsse und neue Börsengänge entwickeln sich nur schleppend. Haben die Anleger etwa das Interesse am Aktienmarkt verloren?

pga FRANKFURT/M. „Alle warten nach der Talfahrt zwischen 2000 und 2003 und der anschließenden leichten Kurserholung auf Bestätigungen, dass das zweite Halbjahr für Aktien tatsächlich gut wird“, erklärt dazu Joachim Goldberg. „Erst dann wollen sie wieder investieren.“ Als Leiter des psychologisch orientierten Analysehauses Cognitrend beobachtet und analysiert er das Verhalten der Anleger auf den Finanzmärkten. Wenn jedoch ein Investor auf den anderen warte und keiner den ersten Schritt wage, passiere nichts, begründet Goldberg den aktuellen Seitwärtstrend am Aktienmarkt.

Wissenschaftliche Forschungen zum Anlegerverhalten, auch Behavioral Finance genannt, haben gezeigt, dass Menschen Beweise brauchen, um sich für bestimmte Handlungen zu motivieren. Die Behavioral Finance verbindet dabei psychologische mit ökonomischen Erkenntnissen. Sie geht davon aus, dass sich Investoren bei der Geldanlage von Gefühlen und Stimmungen leiten lassen. So hat diese noch junge Forschungsrichtung beispielsweise einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und der Risikobereitschaft der Anleger herausgefunden – frei nach dem Motto: Werden die Röcke kürzer, steigen die Käufe. Außerdem überschätzen sich viele Anleger laut Behavioral Finance und investieren dadurch zu riskant. Oder sie bevorzugen Aktien, die nur einen einstelligen Euro-Betrag kosten und meiden vermeintlich teurere Papieren wie Puma oder Porsche. Dabei sagt der Preis einer Aktie rein gar nichts über deren Kurspotenzial aus.

„Derzeit fehlen spannende Nachrichten, auf die gehandelt werden müsste“, sagt Professor Dirk Schiereck, der sich an der European Business School mit Behavioral Finance beschäftigt. Dadurch bewegten sich die Aktienkurse kaum, der Aktienmarkt werde wegen seiner geringen Schwankungen für Anleger uninteressant und das Geschäft liege darnieder. Allein die aktuell guten Quartalszahlen der Unternehmen eignen sich laut Goldberg nicht als Grund für Anleger, den Aktienmarkt mit frischem Geld zu versorgen. Schließlich meldeten die Unternehmen bereits seit Jahresanfang gute Ergebnisse und Prognosen, so dass sich die Investoren mittlerweile an diese wiederkehrenden positiven Nachrichten gewöhnt hätten.

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