Beliebte Finanzierungsquelle auch für Unternehmen
Wandelanleihen profitieren von der Unsicherheit an den Börsen

Mit dem Kauf einer Wandelanleihe erwirbt der Anleger das Recht, den Schuldschein am Ende der Laufzeit zu einem von Beginn an festgelegten Preis in eine festgelegte Anzahl von Aktien des Emittenten zu wandeln. Für Anleger kommt es beim Einstieg allerdings auf den richtigen Zeitpunkt an.

HB DÜSSELDORF. Mit seiner brillanten Idee brachte es James Hill zum Millionär. Der findige Eisenbahnunternehmer lieh sich Ende des 19. Jahrhunderts Geld von Siedlern und baute ihnen dafür die Eisenbahn von den Great Lakes bis zum Pazifik. Wahlweise sieben Prozent Zinsen oder Aktien seiner Firma St. Paul & Pacific Railway zahlte er den Farmern. Mit dieser Finanzierung der Trassen waren die ersten Wandelanleihen geboren und der Wilde Westen ein Stück gezähmt.

Bis heute sind Wandelanleihen eine beliebte Finanzierungsquelle für Unternehmen geblieben. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben europäische Firmen Wandler über insgesamt 4,6 Mrd. Euro aufgelegt, erst vergangene Woche hat die Schweizer Versicherung Swiss Life einen Wandler über 317 Mill. Euro platziert. „Und die Anleger reißen den Emittenten die Papiere aus den Händen“, sagt Armin Weißenegger, Analyst für Wandelanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), denn sie wüssten derzeit nicht, ob sie auf steigende Kurse hoffen oder an fallende Kurse glauben sollen. „Zwar werden die Aktienkurse weiter steigen, die Gefahr von Rückschlägen wird aber größer“, sagt Kurt Fisch, Portfoliomanager für Wandelanleihen in der Schweiz. Und auch am Bondmarkt drohten Kursverluste, wenn die Zinsen wie erwartet steigen. „Deshalb spricht das Umfeld für Wandelanleihen, mit denen Investoren die Hoffnung auf steigende Aktienkurse mit der Sicherheit einer festverzinslichen Anlage verbinden“, sagt Weißenegger.

Mit dem Kauf einer Wandelanleihe erwirbt der Anleger das Recht, den Schuldschein am Ende der Laufzeit zu einem von Beginn an festgelegten Preis in eine festgelegte Anzahl von Aktien des Emittenten zu wandeln. Der Tausch lohnt allerdings nur, wenn der Kurs der Aktie zum Zeitpunkt der Wandlung über dem festgelegten Wandlungspreis notiert. Ist der Kurs hingegen niedriger, kassiert der Anleger zumindest die jährlichen Zinsen sowie den Nennwert der Anleihe bei Fälligkeit. Für sein Umtauschrecht nimmt der Käufer eine im Vergleich zu Anleihen gleicher Laufzeit und gleicher Bonität niedrigere Verzinsung in Kauf. Der Abschlag beträgt meist ein bis zwei Prozentpunkte. Gleichzeitig zahlt der Anleger für die Abfederung des Börsenrisikos eine Art Versicherungsprämie – die Wandlungsprämie. Sie beschreibt den Aufpreis gegenüber dem Direkterwerb der Aktie an der Börse.

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