Ben Bernanke bloggt die Weltgeschichte neu
Bennie and the Blogs

Selbstverteidigung oder Legendenbildung? Noch ist nicht klar, warum das Blog des ehemaligen US-Notenbankers aufgesetzt wurde. Bisher beschäftigt er sich vor allem mit der Vergangenheit – womöglich auch bald mit Baseball.
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San FranciscoBen Bernanke, ehemaliger Fed-Chef und Mister „Quantitative Easing“ – der superlockereren Geldpolitik – ist zurück. Seit Montag bloggt er für seinen neuen Arbeitgeber, das Brookings Institute. Hier ist er untergekommen, nachdem Janet Yellen ihn Anfang 2014 an der Spitze der größten Notenbank der Welt abgelöst hat.

Was hat er uns zu sagen nach vierzehn abgeklärten Monaten außerhalb der Notenbank, wo jedes seiner Worte, wie er selbst diagnostiziert, unter dem Mikroskop seziert wurde? Nun, er sagt uns genau das, was er vorher auch gesagt hat. Nur diesmal hat es mehr den Charakter einer Rechtfertigung. In seinem ersten Eintrag beschreibt er, warum die Zinsen auf der Welt so niedrig sein müssen und warum die Notenbank Fed eigentlich keinen Einfluss oder gar Schuld daran hatte.

Sie sei einfach zu unbedeutend und könne ohnehin nicht dauerhaft gegen die Märkte ankämpfen. Merke: Bitte werft mir später nicht vor, ich hätte es verbockt. Das waren die „Marktkräfte“, denen wir gefolgt sind. Dass dabei die Altersversorgung von Millionen Menschen auf dem Weg zum Kollaps sind, das sei nicht seine Schuld, sondern unausweichlich gewesen.

Sein zweiter Blogeintrag folgte zum Thema: Warum die Zinsen auf der Welt so niedrig sind. Diesmal gräbt er eine zwei Jahre alte Diskussion aus, die Larry Summers, sein großer Gegner bei der Wahl zum Fed-Chef, 2013 angestoßen hatte. Summers versuchte mit der Theorie der „sekulären Stagnation“, einem Langfristtrend schwachen Wachstums basierend auf fehlender Nachfrage, staatliche Infrastrukturinvestitionen als praktikable Alternative zur ungehemmten Geldvermehrung ins Spiel zu bringen.

Bernanke folgert, was er auch 2013 gefolgert hat: Das funktioniert nicht. Und er fügt noch eines hinzu: Ein Ausweg sei es, mit überschüssigen Dollar - die ja nun wie Konfetti in der Welt umherfliegen - einfach im Ausland zu investieren. Der ungehemmte Aufkauf von Aktien, Firmen und Immobilien im Ausland würde den Dollar schwächen und damit US-Exporte ankurbeln.

Man darf schon gespannt sein auf den nächsten Blogeintrag, vielleicht dann zum Thema: Warum die Zinsen so niedrig sind.

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  • Grünspan und Helikopter-Bernie können eigentlich nur ernsthaft über ihre finanztechnischen Missetaten berichten.
    Alan G. hat erfolgreich den amerikanischen Mittelstand enteignet und gibt heute sogar zu, dass alles, was er gemacht hat, für die Katz war.
    Sein Nachfolger hat die unheilvolle Mission seines Vorgängers erfolgreich fortgeführt.
    Alles was die beiden vernichtet haben, wird erfolgreich weiterhin von ihren Nachfolgern praktiziert, sodass nicht wenige Leute die Abschaffung der Zentralbanken weltweit fordern.
    Für Europa wäre die Abschaffung der Falschgeld-Druckerei EZB ein wahrer Segen.

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