Beobachter warnen vor überzogener "Wachstumsphantasie"
Mutige Börsenwette aufs Glücksspiel-Geschäft

Die Zeichen, dass Gerichte die staatlichen Wettmonopole in der EU bald zu Fall bringen könnten, verdichten sich. Private Wettanbieter, die sich in Deutschland bisher auf Marktnischen beschränken mussten, könnten dann aufs große Geschäft hoffen. An den Börsen wetten Anleger bereits seit Monaten auf diese Chance. Die Aktien vieler Wettunternehmen sind so schnell gestiegen wie einst die Boomwerte der New Economy. Warnungen vor überzogener „Wachstumsphantasie“ mehren sich.

HB DÜSSELDORF. Die Aktie des deutschen Lotto-Dienstleisters Fluxx.com ist in weniger als einem Jahr am Frankfurter Parketthandel von 2,31 Euro auf 10,70 Euro gestiegen. Mit einem Börsenwert von jetzt 119 Mill. Euro hat es der ehemalige Börsenzwerg Ende März sogar ins Kleinwertesegment SDax geschafft, wo sich so bekannte Namen wie der Baufinanzierer BHW oder der Autovermieter Sixt tummeln.

Der kleine deutsche Wettanbieter Sportwetten.de notiert bei 2,87 Euro, das Vierfache des Kurses von Dezember 2004. Noch rasanter verlief der Aufstieg des milliardenschweren österreichischen Wettkonzerns Betandwin. Er legte seit November um das Sechsfache auf heute 117,40 Euro zu.

Jochen Reichert, Analyst bei SES Research, macht für die Kurssprünge vor allem die Diskussion um das staatliche Sportwetten-Monopol verantwortlich. Vor einigen Tagen hatte das Bundesverfassungsgericht Versuchen der Länder, privaten Wettbüros die Vermittlung von Sportwetten zu verbieten, vorerst einen Riegel vorgeschoben. Bereits seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2003 ist fraglich, ob das Verbot privater Sportwetten europarechtlich Bestand hat. Experten erwarten für den Sommer die Öffnung des Marktes für private Buchmacher und Wettanbieter.

Vergangene Woche kündigte bereits der Deutsche Fußball-Bund (DFB) an, ein eigenes Wettangebot zu konzipieren, sobald die Marktöffnung legalisiert sei. Derzeit wird der deutsche Sportwettenmarkt auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt. Oddset setzt davon rund 450 Mill. Euro um. Auch die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland habe im Markt die Hoffnung auf wachsendes Wettgeschäft beflügelt, sagte Reichert.

Die Wett- und Spielmanipulationsaffäre um den Schiedsrichter Robert Hoyzer habe Anfang des Jahres den Blick der Anleger zusätzlich auf die boomende Wettbranche gelenkt. Die betrügerischen Wettgewinne in der Schiedsrichteraffäre waren über die Plattform des staatlichen Anbieters Oddset erzielt worden. Das habe die Diskussion um den Sinn staatlicher Wettmonopole angefacht.

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