Beratungsgspräche zum Thema Geldanlage
Beraten und verkauft

Ich habe geerbt! 100 000 Euro. Und jetzt? Ein neues Auto, eine Kreuzfahrt? Oder an die Rente denken? Vielleicht doch besser anlegen. Ich lasse mir Termine geben. Bei Düsseldorfer Banken. Citi, Deutsche, Dresdner, Postbank. Die Geldinstitute müssen es schließlich wissen, legen die Deutschen doch jährlich 160 Milliarden Euro auf die hohe Kante, meist über die Hausbank.

DÜSSELDORF. Aber ich bin gewarnt, habe die Berichte von den Tausenden Fällen von Falschberatung nach dem Platzen der Spekulationsblase vor Augen und die Mahnungen der Verbraucherschützer im Ohr. Auch heute noch seien die Portfolios der Sparer oft nur ein Sammelsurium von Produkten, die gar nicht zu den Bedürfnissen der Kunden passten, klagen Experten. Mal schauen, welche Ergebnisse mein Selbstversuch bringt.

Kaffee oder Wasser? Die erste Frage bei der Citibank. Dann ist der Berater schnell beim Thema Altersvorsorge. Gesetzliche Rentenansprüche bis jetzt 700 Euro, dazu noch etwa 500 Euro private Rente, rechnet er vor. „Sie können froh sein, wenn es bis zu ihrem Rentenantritt bei diesen 1 200 Euro bleibt“, sagt der Berater und schaut mich eindringlich an. „Die Rentenlücke wird immer größer.“

» So arbeitet ein guter Finanzberater

Nicht nur die Rentenlücke. Von der Erbschaft bleibt mir auch nicht alles: die Erbschaftsteuer. Pluspunkt für den Berater. Er denkt daran. Dann wirft er einen Blick auf mein Erspartes: überwiegend festverzinsliche Anleihen, dazu ein weltweit investierender Fonds und ein Japanfonds, beide mit Bestnoten der Ratinghäuser. Der Berater warnt schon wieder: „Sie wissen, im nächsten Jahr wird der Freibetrag auf Zinseinkünfte noch mal halbiert“, sagt er. „Ihre Rentenpapiere sind fast alle betroffen.“ Außerdem: „Sie können ruhig mehr Risiko fahren.“ Woher weiß er das? Von mir nicht. „Die Risikobereitschaft der Kunden wird in 80 Prozent der Fälle nicht richtig erfragt“, sagt Finanzgutachter Dietmar Vogelsang aus Bad Homburg. „Landet ein Fall vor Gericht, ist das oft der entscheidende Punkt.“

Für den Risikoappetit bietet der Berater das „Citibank-Express-Zertifikat“ an. Das sei praktisch genauso sicher, bringe aber mehr Rendite. „Wie wahrscheinlich ist es, dass der Aktienmarkt in einem Jahr um mehr als 9,5 Prozent sinkt“, fragt der Berater, meint es wohl rhetorisch, und skizziert einen Chart. Ich habe keine Ahnung. „Ich sage es Ihnen, die Wahrscheinlichkeit ist minimal.“ Deswegen das Expresszertifikat.

Aha. Es garantiert mir sieben Prozent Rendite und den Einsatz, wenn das Kursbarometer Eurostoxx 50 in einem Jahr gestiegen ist oder nicht mehr als zehn Prozent verloren hat. Geht die Wette nicht auf, wird das Ganze bis zu vier Mal wiederholt. Jedesmal gibt es dann sieben Prozent Rendite oben drauf. Das klingt gut. Trotzdem brummt mir der Kopf. „Zertifikate sind jetzt der Renner. Viele Produkte sind so kompliziert, dass der Kunde keine Ahnung hat, was er überhaupt gekauft hat“, sagt Experte Vogelsang.

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