Bert Flossbach im Interview „Eine Zinswende wäre tödlich“

Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben, sagt Bert Flossbach. Sonst würden viele Staaten pleitegehen. Warum der Vermögensverwalter Aktien für eine halbe Milliarde Euro verkauft hat – und trotzdem an Aktien glaubt.
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Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: „Das Schlimmste wäre, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem verloren geht.“ Quelle: Valéry Kloubert für Handelsblatt

Bert Flossbach, Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch: „Das Schlimmste wäre, wenn das Vertrauen in unser Geldsystem verloren geht.“

(Foto: Valéry Kloubert für Handelsblatt)

Herr Flossbach, Sie haben in den vergangenen Wochen Aktien verkauft. Warum?
Bert Flossbach: Ich habe einige Aktien verkauft, die gut gelaufen waren. Ein Beispiel wäre Kellog, die Aktie war in den vergangenen zwölf Monaten von rund 50 Dollar auf 66 Dollar gestiegen.

Dafür, dass Sie von Gewinnmitnahmen sprechen, ist die Aktienquote innerhalb kurzer Zeit sehr deutlich gesunken.

Die Aktienquote ist von 84 Prozent auf ungefähr 70 Prozent gefallen. Das war im August, als wir Höchststände an den US-Börsen hatten. Im Moment liegt die Aktienquote schon wieder etwas höher.

Bei der Größe Ihres Fonds kommen durch die Verkäufe einige Millionen zusammen…

… ungefähr eine halbe Milliarde Euro.

Steckt dahinter vielleicht, dass Sie einen Kursrutsch an den Märkten erwarten?

Nein, das hat spezifisch mit einzelnen Aktien zu tun. Uns wäre es ganz recht, wenn es eine Korrektur gäbe, um günstig kaufen zu können. Aber ich rechne nicht damit. Sonst würde ich die Aktienquote noch weiter nach unten fahren. Abgesehen davon: Nur den Gesamtmarkt anzuschauen, ist eine Unsitte. Aktien bewegen sich nie alle in dieselbe Richtung; höchstens dann, wenn man einheitliche Faktoren hat, die den Markt komplett beherrschen. So etwas ist nur sehr selten der Fall.

Ein alles beherrschender Faktor fiele mir schon ein: das billige Geld der Notenbanken. Wenn es davon weniger gäbe, wäre der Entzug für die Märkte schmerzhaft.

Die Entwicklung an den Aktienmärkten ist sicherlich sehr stark von der Geldpolitik abhängig. Viel Liquidität und niedrige Zinsen sind gut für Aktien. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Da sehe ich keine Gefahr.

Finden Sie denn noch genügend günstige Aktien?

Die Gewinnrendite von Aktien im Vergleich zur Rendite von Unternehmensanleihen auf dem US-Markt ist so hoch wie nie in den vergangenen 20 Jahren. Sofern diese Situation noch länger anhält, ist es auch gerechtfertigt, dass man Aktien eine höhere Bewertung zubilligt. Das heißt nicht, dass wir gar keine Anleihen kaufen. Vereinzelt ergeben sich auf dem Bondmarkt gute Gelegenheiten.

Welche zum Beispiel?

Nehmen Sie Apple. Die Anleihe kam im Mai mit einem Kupon von 2,4 Prozent und einer Laufzeit von zehn Jahren auf den Markt. Das Verhältnis von Chance zu Risiken war katastrophal. Ich frage mich, welche Leute das gekauft haben. Der Kurs fiel dann auch innerhalb kurzer Zeit um zehn Prozent. Jetzt sieht die Welt anders aus: Die Rendite ist auf 3,7 Prozent gestiegen – schon wieder halbwegs attraktiv.

"Der ‚Point of no return‘ ist überschritten"
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  • .....und 2013 kommt dann das „Ermächtigungsgesetz“ ESM: Der Gouverneursrat, ein gesetztes und nicht demokratisch gewähltes Gremium, kann von nationalen Parlamenten und deren Rechtsnachfolgern jede Summe fordern, die er für erforderlich hält, um den europäischen Markt, sprich die internationale Finanzwirtschaft, zu subventionieren. Er ist über die Verwendung der Gelder niemandem Rechenschaft schuldig. Vorsorglich legt man eine Summe von 0,7 Bio. Euro als Obergrenze fest. IWF-Chefin Lagarde fragt düpiert, was das denn soll. Heute verhandelt man über eine Bankenunion und einen Bankenstützungsfonds und auch der Präside Mario Draghi fragt sich schon, was das denn soll: Er kann doch mit einer Null-Zins-Politik und einen Aufkauf jeder Staatsanleihe (er muß niemandem sagen, wieviel Schrottanleihen er schon gekauft hat), wenn der Markt sich nun doch mal sträuben sollte, eine uferlose Fremdfinanzierung auch der ehemaligen Schwachwährungsländer garantieren – Eurobonds ist doch bloß was für die Germans, denn die kaufen ja eine Bahnsteigkarte, wenn sie eine Revolution machen und dabei einen Bahnhof stürmen. Wer diese Politik, wie die politische Klasse in Germanien, noch immer mitmacht, weiss wohl nicht einmal, wie man den Begriff politische Verantwortung buchstabiert – Und der Wähler im Lande? Nun, der hat bei politischen Wahlen seit Weimar noch nie eine gute Hand gehabt. Ob das die AfD entscheidend ändern wird? Ich glaube es kaum, aber wenigstens für einen Neuanfang nach dem mit Sicherheit kommendem Crash sollte man sie unterstützen. So viel Dilettantismus kann nur schief gehen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Die wahre Geschichte der Währungsunion ist eine höchst politische Geschichte und geht so: 1988 will der Franzose Mitterrand der deutschen Einheit nur zustimmen, wenn Kohl auch dem Beitritt Deutschlands zur Währungsunion durchsetzt, denn Mitterand ist der Auffassung, daß man diesmal den Deutschen ihre Währung nehmen muß, um ihnen neuerliche Hegemonie-Pläne aus dem Kopf zu bringen. Die deutsche Außenpolitik hat nämlich bisher noch nicht verstanden, dem Ausland klar zu machen, daß das Land nach 1945 wieder zu einer zivilisierten politischen Kultur zurückkehren kann oder will. Die Franzosen haben dann auch weiterhin Nägel mit Köpfen gemacht: Eine Stimmverteilung im EZB-Rat nach der Höhe des Geldumlaufs, wie es angemessen wäre, hätte Deutschland einen Stimmanteil von 40% zugemessen. Die Franzosen setzten 12% durch. Die Dinge laufen dann auch gründlich schief: Nach einer Bewährungsphase von 3 Jahren nach Einführung der Gemeinschaftswährung fangen die PIIGS+F- Länder bzw. deren Politiker an, das Füllhorn auszuschütten, während Deutschland seit der 2003 begonnenen Agenda 2010 ihren Menschen Opfer abverlangt. Die Lohnstückkosten in Deutschland erhöhen sich von 2000 – 2012 um 10%, in den PIIGS+F – Staaten in der gleichen Zeit um 30-40%, ebenso verlaufen Sozialleistungen, bei der Produktivität ist der Verlauf genau umgekehrt. 1. Ergebnis: statt sich strukturell anzugleichen, wie in Maastricht gefordert, entwickelt sich die Währungsunion auseinander; 2. Ergebnis: die Wirtschaftsleistung Deutschlands steigt (Exportweltmeister), die der PIIGS+F-Staaten sinkt und der Importbedarf auf Pump steigt, in ähnlichen Dimensionen steigen auch deren Schulden. 2010 fängt Trichet an, die PIIGS+F-Staaten mit mehr als 200 Mrd. Euro zu unterstützen (SMP-Programm), was er wegen Art. 125 EU-Vertrag (No bail out) gar nicht darf, kurz darauf gründet man das europäische Stabilisierungsorgan ESFS, das Schrottanleihen aufkauft und deshalb inoffiziell Bad Bank heisst, und - Fortsetzung folgt sogleich

  • @Rechner
    Wollen Sie sich nicht endlich als Auftragsschreiber der Bundesregierung outen? Man merkt Ihren Beiträgen an, dass es nicht Ihre persönliche Meinung ist. Sie sind zu glatt, zu stromlinienförmig.

  • Es kommt wie es kommen muss!
    Mit dem Fall des Vertrauens wird auch die Währung fallen!

    Und das ist gut so!
    Geld ist TEUFELSZEUG!
    Macht Menschen zu assozialen Mördern!

  • @ Ecke

    "Natürlich das weiß doch jeder, aber wenn es keine Zinsen gibt ist Deutschland Pleite bzw seine Sparer und die Versorgungswerke. "

    Falsch!

    Wenn die Zinsen steigen ist Deutschland pleite, und dann werden die Sparer erst richtig zur Kasse gebeten!
    Bevor man sich auf das Geldbetrugssystem einlässt sollte man erst mal die Risiken und Nebenwirkungen studieren!

  • Enteignung der Masse ist seit jeher die Basis des Geldbetrussystemes, egal ob im Kapitalismus oder im Kommunismus!
    Wer aus diesem System raus will hat es schwer bzw. es ist fast unmöglich.
    Die Welt wird immer kleiner und es gibt immer weniger "weisse" Flecken auf der Landkarte!
    Der Dritte Weltkrieg ist wohl alternativlos!

  • Der Hinweis, daß eine „Null-Zins-Politik“ erforderlich ist, um die europäische Konjunktur nicht ins bodenlose fallen zu lassen, ist richtig. Er muß aber ergänzt werden um den Hinweis, daß die bisherigen Profiteure der Eurokrise, die vorher währungsschwachen PIIGS+F-Staaten, nur dann ihre Leistungsschwäche überwinden, wenn sie ihren Kreditbedarf reduzieren können. Das ist bei dieser Politik unmöglich, sodaß ein erwartbares Ergebnis, daß künftig sogar noch mehr als 15 von 17 Staaten der Währungsunion unter den Rettungsschirm müssen, nicht unwahrscheinlich ist - wahrlich, wir gehen finsteren Zeiten entgegen.
    Mit freundlichen Grüßen von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • ..Die "Größen" fürchten um ihre Profite und nehmen es billigend in kauf, dass die "Kleinen" enteignet werden.

  • "Die läppischen 219,5 Milliarden (190,5 sind noch übrig) wurden bloß zur Abwehr einer Marktstörung erworben, und das auch noch unter pari."

    220 Milliarden sind läppisch? In der kurzen Zeit?

    Das war doch nur der Anfang...

  • @aj1968

    Lassen Sie sich durch "latentes Blödgeschmarre interesierter Blödkreise" nicht irritieren.

    Bernankes Anleihenbullshit schwappt 2014-15 rüber, begleitet von einem munteren Derivatenhubkonzert.

    Bereits eine zweite italienische Bank schnappt in diesen Tagen schon mal, nach Absicherungsgeschäften mit der Deutchen B., 1 MRD Deriva-Luftblasen.

    Dass mit einer absehbar ausbrechenden Eurofinanz-/Bankenkrise Zinsen wackeln und Steuersätze nicht als sakrosankt gelten, ist selbst hiesigen CDU-Stammblödfuzzis verständlich.
    "Rot-Grün-Hell-Braun" klatscht so oder so bei der Eurorettung jeglich denkbaren Beifall.

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