Besonders in den USA haben Konzerne nicht genug Geld beiseite gelegt, um die Verpflichtungen zu bezahlen
Pensionslasten zehren an Gewinnen

Seit ein paar Tagen wühlt sich die US-Wertpapieraufsicht SEC durch die Rechnungslegung von General Motors, Ford, Delphi, Navistar und Northwest Airlines, um zu prüfen, ob die Firmen ihre Pensionslasten zu rosig dargestellt haben. Damit rührt sie an ein Thema, das Anleger im Tagesgeschäft gerne übersehen: Die Pensionsverpflichtungen großer Konzerne sind eine potenzielle Zeitbombe.

DÜSSELDORF. Mit den seitwärts tendierenden Aktienmärkten und niedrigen Zinsen tun sich dabei in den USA ebenso wie in Europa neue Lücken auf – die bereitgestellten Mittel reichen nicht, um allen künftigen Verpflichtungen gerecht zu werden.

„Die Pensionsverpflichtungen der Konzerne sind Altlasten, die bei unseren Investitionsentscheidungen mit Sicherheit eine Rolle spielen“, sagt Fondsmanager Tim Albrecht von der Fondsgesellschaft DWS. Zu Zeiten, als die Konzerne ihren Mitarbeitern noch feste Betriebsrenten zusicherten, haben sich dort riesige Verpflichtungen aufgetürmt. Häufig werden diese Pensionslasten noch schöngerechnet, indem für angesammelte Vermögen in den Fonds eine unrealistisch hohe Rendite angesetzt wird. Gleichzeitig werden künftige Verpflichtungen durch einen hohen Abzinsungsfaktor klein gerechnet.

Realistisch kalkuliert, werden in den USA zum Jahresende 340 der 500 im breit gefassten S&P-500-Index vertretenen börsennotierten Unternehmen einen Teil ihrer Pensionsverpflichtungen nicht gedeckt haben, schätzt die Investmentbank Credit Suisse. „Damit sind die Deckungslücken der im Index vertretenen Firmen noch größer geworden“, sagt Wertpapieranalyst David Zion von Credit Suisse. Die in Pensionsfonds angesammelten Bestände haben mit der Zunahme der Verpflichtungen nicht Schritt gehalten. Zion schätzt, dass die Unterdeckung der Pensionsverpflichtungen US-amerikanischer Unternehmen von 172 Milliarden Dollar Ende 2003 auf 254 Milliarden Dollar gestiegen ist.

Allein bei General Motors sei die Deckungslücke seit vergangenem Jahr um 6,7 Mrd. Dollar auf 15,4 Mrd. Dollar angestiegen. Auch bei Ford, IBM, General Electric, den Telefongesellschaften Verizon und SBC sowie Boeing, Lockheed Martin und Lucent hat sich nach Berechnungen von Credit Suisse die Situation dramatisch verschlechtert. Bei vielen Unternehmen überschreiten die Pensionsverpflichtungen den gegenwärtigen Marktwert um ein Vielfaches. Als Reaktion leisten die Firmen immer mehr Sonderzahlungen. In diesem Jahr dürften die Mitglieder des S&P 500 etwa 74 Mrd. Dollar in ihre Pensionsfonds zuschießen, schätzt Zion. Geld, das die Gewinne schmälert und damit auch den Anlegern verloren geht.

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