Beteiligungsanbieter müssen ihre Produkte bewerten lassen
Börse Düsseldorf startet Handel mit geschlossenen Fonds

Nicht jeder ist mit seinem Anteil an einem geschlossenen Fonds auf Dauer glücklich. Doch die Anteile zu verkaufen, ist schwierig. Die Fonds firmieren in den meisten Fällen als Kommanditgesellschaften (KG), und ein KG-Anteil lässt sich nicht handeln wie eine Aktie, was auch den Vertrieb der Beteiligungen behindert.

DÜSSELDORF. Es gibt immer wieder Ansätze, einen Markt für gebrauchte Anteile aufzuziehen. Immerhin wird das Volumen der platzierten Fondsanteile auf 100 Mrd. bis 200 Mrd. Euro geschätzt. Der jüngste Vorstoß, Gefox genannt, kommt von der Börse Düsseldorf. Gefox steht für Geschlossene Fonds Exchange. Gehandelt werden können über eine Internet-Plattform der Düsseldorfer Börse (www.gefox.de) die gesamte Palette von Immobilien- über Schiffs- bis zu Windenergiefonds, sofern der Emittent des Fonds sein Produkt hat listen lassen. Darüber hinaus muss der Anbieter einem unabhängigen Analysten vierteljährlich Daten zur Bewertung der Fonds zur Verfügung stellen. Die Analysen kommen vorerst von der Berliner Fondsope Analyse GmbH, die an der Entwicklung des Handelssystems beteiligt war. Allerdings hat sich die Börse nicht exklusiv an Fondscope gebunden. Wer Fonds analysieren wolle, werde durch die Börse geprüft, sagte Börsenvorstand Dirk Elberskirch.

Der Informationsbereich der Plattform wird sofort, der Handelsbereich im Frühjahr 2004 freigeschaltet. Am Handel teilnehmen können Initiatoren, Makler und Privatpersonen nach Zulassung durch die Börse. Verkäufer müssen das Eigentum an einem Fonds nachweisen. Gehandelt wird nach dem Auktionsprinzip. Verkaufsangebote würden voraussichtlich mindestens einen Monat im System stehen bleiben, sagte Elberskirch. Über die Maximaldauer sei noch nicht entscheiden. Die Kurse sollen regelmäßig veröffentlicht werden. Für das Listing zahlen die Initiatoren eine nach dem Eigenkapitalvolumen gestaffelte einmalige Gebühr (mindestens 15 000 Euro) und eine laufende Gebühr je Jahr (mindestens 10 000 Euro). Wird ein Handel abgeschlossen, zahlt der Verkäufer drei Prozent des Preises, nicht des Nominalwertes der Beteiligung, als Gebühr an die Börse.Um Fonds fit für Gefox zu machen, wird ihnen - wie Wertpapieren – eine Indentifikationsnummer (ISIN) zugeteilt.

Analysekapazität ist noch begrenzt

Die Gesellschaftsverträge müssen unter anderem folgende Mindestanforderungen genügen: Die Anteile müssen jederzeit ohne die Zustimmung anderer übertragbar sein. Es darf keine Vorkaufsrechte geben, und das Treuhandkapital muss jederzeit erhöht werden können. Weil viele in der Vergangenheit aufgelegte Fonds diese Anforderungen nicht erfüllen, wird die Zahl der handelbaren Fonds nur langsam steigen – auch weil die Analysekapazitäten von Fondscope im ersten Jahr auf etwa 25 Fonds begrenzt seien, sagte Fondscope-Geschäftsführer Florian Schoeller.

Insofern tritt Gefox nicht sofort in Konkurrenz mit dem von der Hamburger Börse und DAI Zweitmarkt GmbH betriebenen Handel von gebrauchten Fondsanteilen. Denn dort wird auch mit vor vielen Jahren aufgelegten Fonds gehandelt. Ein wesentlicher Unterschied: Die Hamburger Handelsplattform (www.dai-zweitmarkt.de) bietet keine Bewertung. Das Listing erfolgt über den Makler DAI oder durch den Initiator. Listing-Voraussetzungen sind nach den Worten von Thomas Ledermann, Geschäftsführer der Börse Hamburg, etwa die Vorlage des Verkaufsprospekts und von Rechenschaftsberichten. Bei DAI zahlen Käufer und Verkäufer je 2,5 Prozent des Preises, mindestens 250 Euro.

Der Hamburger Zweitmarkt entstand 1998. DAI-Geschäftsführer Alex Gadeberg gibt für 2002 ein Umsatzvolumen von etwas über zehn Mill. Euro nominelles Eigenkapital an. Da die meisten Beteiligungen unter 100 Prozent gehandelt werden, ist der tatsächliche Umsatz geringer. In diesem Jahr seien 15 Mill. bis 20 Mill. Euro geplant und würden auch erreicht. „Wir sind nahe an schwarzen Zahlen“, sagt Gadeberg. Im Gespräch lassen aber sowohl Ledermann als auch Gadeberg durchblicken, dass die Erwartungen ursprünglich höher waren. Zusätzliches Geschäft soll der Ausbau des Schiffsfonds-Segments bringen.

Beide Plattform-Anbieter bewegen sich auf einem Markt, auf dem die Initiatoren der Fondsbeteiligungen zum Teil selbst Fondsverkäufe vermitteln und einige auch so genannte Zweitmarktfonds aufgelegt haben. Zudem wird kolportiert, dass Menschen aus dem Umfeld der Anbieter auch so manches Schnäppchen gemacht haben, weil Verkaufswillige von viel zu geringen Anteilswerten ausgegangen sind. Insofern bringt die Bewertung der Anteile einen Fortschritt an Transparenz. Zudem kann eine regelmäßige Bewertung von Anteilen helfen, den Markt von unseriösen Angeboten zu säubern. Wer schlechte Noten fürchten muss, wird seine Fonds nicht bei Gefox listen lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%