Bilanz des Börsen-Crash
25 Prozent Minus – und dem Dax droht weiteres Übel

Der schwarze August ist zu Ende, der Dax hat sich von seinen Tiefs etwas erholt. Doch die fundamentalen Probleme wiegen weiter schwer. Wer den Kurssturz als Delle inmitten des Aufschwungs abtut, lügt sich in die Tasche.
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Düsseldorf25 Prozent Verlust im Dax signalisieren einen ausgeprägten Bärenmarkt. Nach solch einer Talfahrt ist zu viel Vertrauen zerstört, als dass milliardenschwere Investment- und Pensionsfonds ihre defensive Haltung allzu schnell aufgeben werden. Daran ändert auch die Aktienrally vom Mittwoch nichts. Solch abrupte Kurssprünge ohne harte Nachrichten sind typisch in jeder großen Talfahrt.

Wer frühzeitig ausgestiegen ist, dürfte erst einmal abwarten. Denn in der Vergangenheit gelang es den Börsen zuverlässig, konjunkturelle Abschwünge frühzeitig vorherzusagen, noch ehe die ersten Unternehmen vor einem Abschwung warnten. Zuletzt vollbrachten die Märkte dieses Kunststück Anfang 2008. Damals brummte die Wirtschaft, und die Firmen hatten gerade Rekordgewinne eingefahren. Doch die Börsen stürzten angesichts sinkender Stimmungsindikatoren der Wirtschaft ab und nahmen so den schwersten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegsgeschichte vorweg.

Die jetzige Schwäche am Aktienmarkt ist auf viele schwere Probleme zurückzuführen, die sich gegenseitig verstärken und in nächster Zeit nicht verschwinden dürften. Die Schuldenkrise in Europa und den USA dämpft die Stimmung der Verbraucher und Unternehmen, und Anleger befürchten weniger Konsum und geringere Investitionen. Deshalb sinken die Frühindikatoren: Die Märkte erwarten, dass sich die Konjunktur abkühlt - die Kurse fallen.

Daraus ergibt sich zunächst eine positive Nachricht: Angesichts der immer noch sprudelnden Firmengewinne in beinahe allen Branchen sind deutsche Aktien extrem niedrig bewertet. Derzeit bezahlen die Anleger die Anteilsscheine der 30 Dax-Unternehmen nur noch mit so wenig Geld, wie die Firmen durchschnittlich in neun Jahren netto verdienen. Das ist ein Abschlag von 40 Prozent im Vergleich zum historischen Mittel seit 1985. Anders gesagt: Wären Aktien wie im langjährigen Durchschnitt bewertet, dann stünde der Dax nicht bei 5700, sondern bei über 8000 Punkten. Auf diesem Niveau wären die Aktien angesichts der starken Firmengewinne keineswegs überteuert.

Aber derartige Bewertungen beruhen auf den erwarteten Gewinnen in den nächsten zwölf Monaten. Die Fachanalysten berufen sich dabei auf die tatsächlichen Ergebnisse der Firmen, deren Aufträge und deren Erwartungen. Den Prognosen liegt zugrunde, dass die Dax-Konzerne ihre Gewinne in diesem Jahr um gut sechs und im nächsten Jahr um weitere zehn Prozent steigern werden. Damit unterstellt die Zunft den Unternehmen ein moderates Wachstum, also keineswegs ein so hohes Tempo wie in Boomzeiten. Das heißt: Entpuppen sich die Rezessionsszenarien der vielen Pessimisten als falsch und schwenkt die Wirtschaft nach einer kleinen Delle im nächsten Jahr wieder auf moderaten Wachstumskurs, dann wären Aktien derzeit spottbillig.

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Kommentare zu " Bilanz des Börsen-Crash: 25 Prozent Minus – und dem Dax droht weiteres Übel"

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  • Also bei den fast brutalen einbrüchen an den Börsen kann man davon ausgehen, dass der Wurm im Gebälk ist. Ich meine schon, dass Shorten im Moment bestens angebracht ist.

    Wenn die dolce-Viata Staaten endlich vor die €-Tür gesetzt wurden, kann man wohl gut ins Long gehen.

  • Jetzt in Sachwerte investieren. Aktien sind doch wohl sicherer als Staatsanleihen. US Aktien sind extrem überbewertet, unsere Deutschen sind fair bewertet und chinesische extrem unterbewertet.

  • Wenn Herr Sommer so schlau wäre, wie er tut, müsste er keine Artikel fürs Handelsblatt schreiben.

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