Bob Doll im Interview
„Politik ist immer schmutzig“

Im Schuldenstreit der USA werde die Politik die größte Katastrophe verhindern, glaubt Bob Doll. Im Interview mit Rolf Benders rät der Chefstratege von Blackrock gerade jetzt zum Kauf von Aktien.
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New YorkHerr Doll, die USA steuern auf einen Zahlungsausfall zu, und die Märkte sind überraschend ruhig. Wie kann man sich das erklären?
Weil die Märkte die Antwort wissen. Es wird keinen Zahlungsausfall geben! Die Geschichte lehrt, dass Politiker sich noch immer um fünf vor zwölf geeinigt haben. Manchmal wurde es auch kurz nach zwölf, aber sie haben die Katastrophe immer verhindert.

Aber der Stand der endlosen Diskussionen in Washington spricht eine andere Sprache, oder?
Politik ist immer schmutzig. Sie geht nie den geraden Weg, aber am Ende kommt eine Lösung heraus, die zumindest das Schlimmste verhindert.

Wie wird die Lösung in Washington aussehen?
Im Detail kann das niemand sagen. Aber es scheint so, als würde das Schuldenlimit erhöht, eine echte Sanierung des Haushalts jedoch verschoben. Das heißt, es wird keinen Zahlungsausfall geben, aber das Risiko einer Herabstufung der USA von "AAA" auf "AA" bleibt.

Rechnen Sie damit, dass Ihre Kunden sich bei einer Herabstufung im großen Stil von US-Staatsanleihen trennen?
Im Moment werden genau darüber Gespräche geführt. Die Einstellung der großen Mehrheit der Kunden ist: "Wir wissen seit langem, dass US-Staatsanleihen in Wirklichkeit nur noch mit 'AA' einzustufen sind. Warum sollen wir sie verkaufen?"

Das heißt, im Fall des Falles passiert nichts?

Damit kein Missverständnis aufkommt: Wenn die US-Bonität herabgestuft wird, werden das sehr unangenehme Tage an den Märkten. Ich will kein rosarotes Bild malen. Was ich sagen will, ist, dass jetzt schon Gespräche laufen, um die Folgen abzumildern. Wie im Fall Griechenland haben die Märkte Zeit, sich auf eine mögliche Herabstufung der USA einzustellen.

Welche Auswirkungen hat die Debatte auf das ohnehin schon schwache Wachstum in den USA?
Der exzessive Fokus auf das Thema Schuldenlimit war sicher nicht positiv. Das ist nicht das Umfeld, in dem Firmen und Privatleute investieren oder Geld für Konsum ausgeben.

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Kommentare zu " Bob Doll im Interview: „Politik ist immer schmutzig“"

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  • So schnell geht das nicht mit der US Pleite.
    Sollte das passieren wuerde das globale Finanzsystem wanken,einschliesslich Europa.
    Investoren werden also nicht unnoetig Panik machen.
    Die Politik wird fuer ihren "Schuldenzirkus" hoffentlich bezahlen.Wie wird sich in 15 Monaten am 1. Dienstag im November 2012.
    Bei schlechter Wirtschaftssituation bezahlt der aktuelle Praesident zuerst ,naemlich mit der Abwahl.
    Die USA muss ihre Probleme langfristig loesen.Hierzu fehlt jedoch der politische Wille.
    Wenn man nur den politischen Gegner schaedigen will,wird nichts erreicht.
    So sieht es jedoch jetzt im Land aus.
    Ein schwacher Praesident und ein schwacher Sprecher im Haus stellen sich auf den Wahlkampf ein.
    Bis Januar 2013 wird also nicht mehr viel im Kongress passieren,ausser dass sich beide Kontrahenten bis aufs Messer bekaempfen.
    Durch die Nominierungswahlkaempfe bei den Reps wird dieser Prozess noch weiter angeheitzt.
    Wer dann gegen Obama antritt,steht noch in den Sternen.Das ist den US Waehlern auch ziemlich egal.
    Hauptsache ist ,dass irgendwann wieder die Kasse stimmt.
    Das wird aber noch etwas dauern.

  • ....langsames Wachstum....Aktien kaufen...
    Ja wie dumm muss man denn sein um das zu glauben und zu tun ????

  • Die USA finanzieren 40% des Haushaltes auf Pump und haben
    kein Geschäftsmodell (außer shoppen). 25 Jahre auf Kredit gelebt, jetzt ist Feierabend. Glückwunsch zur Staatspleite.
    Es wird allerhöchste Zeit. Neustart von Null, wie in Europa.
    Und das ist gut so.

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