Börse Athen
Nur noch Zocker setzen auf die Wende

Alle an der Börse in Athen notierten Unternehmen schreiben rote Zahlen. Aber: Die Kurse sind so weit gefallen, dass sie fast schon wieder zum Einstieg locken. Warum Zocker auf ihre Kosten kommen könnten.
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AthenDie Athener Börse verzeichnet einen traurigen Rekord: Erstmals, seit vor 50 Jahren an der Akropolis mit der statistischen Erfassung von Wertpapiergeschäften begonnen worden ist, melden die 265 börsennotierten Unternehmen unter dem Strich rote Zahlen. Für das Jahr 2010 ergibt sich nach Berechnungen des Athener Brokerhauses Pegasus ein addierter Verlust von 2,9 Milliarden Euro – gegenüber einem Gewinn von 3,6 Milliarden Euro im Vorjahr.

Die Schuldenkrise des Landes hinterlässt auch in den Börsencharts tiefrote Spuren. Der Athener Leitindex Athex notiert in der Nähe eines 15-Jahres-Tiefs. Geht es noch weiter bergab? Oder ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, griechische Aktien ins Depot zu nehmen?

Es gibt Tage an der Athener Börse, da keimt Hoffnung. Manchmal blitzt sogar so etwas wie Euphorie auf. Wenn etwa, wie neulich, die Nachricht von einem neuen Rettungspaket für Griechenland die Runde macht. Dann kann der Athener Leitindex binnen weniger Stunden um fünf oder sechs Prozent nach oben schießen. Aber meist bricht die Rally schon am nächsten Tag wieder in sich zusammen.

Im Grunde kennen die Börsenkurse seit Oktober 2007 nur eine Richtung: Es geht bergab, unterbrochen nur von einer kurzen Erholungsphase zwischen März und Oktober 2009. Allein in der vergangenen Woche büßte der Leitindex 6,1 Prozent ein. „Es ist deprimierend“, sagt ein Börsenhändler an der Akropolis.

Genauso deprimierend wie die tiefe Rezession, in der das hochverschuldete Land steckt. Das rigide Sparprogramm der Regierung würgt die Wirtschaft ab. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou zwackt den Unternehmen die ohnehin schmalen Gewinne durch die Steuer ab. Nach einem Minus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,5 Prozent 2010 wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr erneut um 3,8 Prozent schrumpfen, wie EU und Internationaler Währungsfonds prognostizieren.

Erst 2012 soll Griechenland mit einem Plus von 0,6 Prozent auf den Wachstumspfad zurückkehren. Ein Miniaufschwung – aber wird ihn die Börse möglicherweise vorwegnehmen? Das könnte sich bereits in den nächsten Tagen entscheiden: Bis Ende Juni will die EU ein neues Rettungspaket schnüren, das die Griechen bis 2014 vom Kapitalmarkt unabhängig machen könnte. Ebenfalls bis Ende des Monats soll das Athener Parlament ein Sanierungsprogramm verabschieden, das unter anderem Privatisierungen von rund 50 Milliarden Euro bis 2015 vorsieht.

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