Börse
Düstere Aussichten für den Nikkei

Der japanische Aktienmarkt hat zuletzt zugelegt. Experten hoffen auf radikale Schritte am Geldmarkt. Auch die Erleichterung darüber, dass die Schäden aus der Dubai-Krise offenbar gering sind, stützt die Kurse. Und trotzudem: Die langfristige Perspektive für den Nikkei ist düster.
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TOKIO. Der japanische Aktienindex Nikkei stieg gestern den zweiten Tag in Folge. Kurstreiber war unter anderem die Nachricht von einer plötzlich anberaumten Sitzung der japanischen Notenbank, die Hoffnung auf extreme Schritte am Geldmarkt machte. Vor allem die Anteilsscheine von Wertpapierhäusern wie Nomura oder Daiwa schlossen mit höheren Notierungen, weil die Anleger auf eine bessere Lage hoffen - und die Broker hohe Eigenbestände an Aktien horten.

Auch ansonsten verbesserte sich die Stimmung nach einer sehr düsteren Vorwoche wieder. Vor allem die Erleichterung über geringe Schäden aus der Dubai-Krise stützte die Kurse. Es sieht bisher so aus, als seien japanische Banken von den Zahlungsschwierigkeiten im Golf-Emirat nur wenig belastet. Der Nikkei-Index der 225 wichtigsten Werte schloss daher gestern 2,4 Prozent höher bei 9572 Yen. "Die Verkäufe in der vergangenen Woche waren übertrieben, wir sehen hier ein Stück weit auch eine Korrektur", sagt Naoki Kamiyama, Chefstratege bei der Deutschen Securities in Tokio.

Starke Abhängigkeit Japans von der Entwicklung in den USA

Doch der Aufwärtstrend werde vermutlich nicht von Dauer bleiben, warnt Kamiyama. Haupttreiber für die Aktien in Tokio sei weiterhin die Entwicklung der Realwirtschaft in den USA, so Kamiyama. Zwar spiele auch der starke Anstieg der Landeswährung Yen eine Rolle - er verringert die Gewinne der Exporteure. "Doch es ist eher so, dass sowohl die Dollarschwäche als auch der Pessimismus der Märkte die gleiche Ursache haben", glaubt Kamiyama. Beides sei von einer fortgesetzten fundamentalen Schwäche der USA ausgelöst. "Wir werden erst dann wieder einen Anstieg des Nikkei und ein Nachgeben des Yen sehen, wenn die US-Notenbank Fed den Leitzins anhebt", so Kamiyama.

Ein wahrscheinlicher Auslöser für eine Zinserhöhung in den USA sei eine Besserung der Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt. Bis dahin könne es jedoch noch eine ganze Weile dauern - möglicherweise tief ins nächste Jahr hinein. Kamiyama wäre nicht erstaunt, wenn die Nikkei-Schwäche zusammen mit der Yen-Stärke noch bis kommenden Sommer anhält. Bis Jahresende 2009 sieht Kamiyama den Nikkei im Bereich von 9600 oder 9700 Yen - also nur geringfügig über dem derzeitigen Wert. Der breiter gefasste Topix-Index der Börse Tokio könnte Ende Dezember bei 860 Punkten notieren.

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