Börse für Patente und Lizenzen
Der Preis für den Geist

Ideelle Werte als eigene Anlageklasse, geistiges Eigentum als großes Geschäft? Eine neue Börse in Chicago will schon bald Finanzprodukte auf Patente und Lizenzen anbieten. Das Potenzial ist enorm, allein in den USA liegt der Markt bei 300 bis 500 Milliarden US-Dollar.

BOCA RATON. „Eine neue Börse zu gründen, macht sehr viel Spaß“, sagt David Silverman, Chief Operating Officer der Intellectual Property Exchange International (IPX) mit Sitz in Chicago. Die erste offizielle Börse für Patente und Lizenzen, die aus geistigem Eigentum abgeleitet werden, will schon bald mit Finanzprodukten auf diese immateriellen Vermögenswerte an den Start gehen. „Das Potenzial für diese Anlageklasse ist riesig", sagt Christian Lederer von der Kanzlei Taylor Wessing in München.

„Derzeit ist die Nutzung patentierter Innovationen im Großen und Ganzen eher suboptimal“, kritisiert Peter Ratzer von Deloitte. Die neue Börse könnte hier Abhilfe schaffen, sagen Fachleute in aller Welt. Ein Grund für den auf Erfinder- und Unternehmensseite wenig optimalen Umgang mit Intellectual Property (IP) – also mit geistigem Eigentum – ist unter anderem darin zu sehen, dass Patente und Lizenzrechte eine zu geringe Fungibilität – also Handelbarkeit – aufweisen. „Rund 30 Prozent der bei den Ämtern eingereichten Patente sterben schlichtweg“, sagt Silverman.

Zu viele Unternehmen betrachten ihr geistiges Eigentum als rein juristische Angelegenheit, so dass viele Patente „verstauben“, ohne auf ihre Werthaltigkeit und ihr strategisches Potenzial überprüft worden zu sein. Bei den meisten Unternehmen ist eine allgemeine und umfassende IP-Strategie bis heute noch Mangelware. Dies auch, weil es bislang noch nicht gelungen ist, in Form von Patenten und Lizenzen abgesicherte immaterielle geistige Werte als eigene Anlageklasse auf Handelsplattformen und Börsen handelbar zu machen. Solche immateriellen Güter werden, wenn überhaupt, meist auf Auktionen versteigert oder aber im OTC-Geschäft (Freiverkehr) gehandelt.

„Wir wollen das ändern“, sagt Silverman. Als eine der schwierigsten Aufgaben bezeichnet er die Ermittlung des wahren Wertes von Patenten. Der Grund: Bilaterale Verhandlungen zwischen aktuellem und künftigem Besitzer von Patenten seien auf Auktionen und im OTC-Markt ineffizient und – durch Einbindung von Anwälten zur Klärung rechtlicher Fragen – in der Regel auch teuer.

Ein Vorteil der Institution Börse sei in deren funktionierendem Preisfindungsmechanismus zu sehen. An der Börse prallten Meinungen aller Marktteilnehmer aufeinander. So komme ein fairer Preis zustande, sagt Silverman, der mehr als ein Vierteljahrhundert in führenden Positionen bei der heute weltgrößten Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) aktiv war. Ein solcher Preisfindungsmechanismus sei in bilateralen Verhandlungen an OTC-Märkten und bei Auktionen nicht vorhanden.

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