Börse
Gewalt in Südafrika verschreckt Investoren

Die Johannesburger Börse (JSE) hat nach dem Erklimmen eines Allzeithochs in der vergangenen Woche vor dem Hintergrund der ausländerfeindlichen Gewalttätigkeiten in den Schwarzensiedlungen nachgegeben. Nach Ausschreitungen in den Großstädten Johannesburg, Durban und Kapstadt fielen die Aktien- und Devisenkurse

HB KAPSTADT. „Zwar tendierte der Aktienmarkt wegen der gedrückten Lage an den Weltmärkten generell etwas schwächer, doch wurde die Lage bei uns wegen der blutigen Ausschreitungen zweifellos verstärkt“, sagte Dave Gracey von Nedbank Capitals in Johannesburg. Am Freitag wurden Ausschreitungen auch aus den Großstädten Durban und Kapstadt gemeldet.

Auch der Rand, der zunächst noch von der Erwartung einer Leitzinserhöhung um 50 Basispunkte auf zwölf Prozent profitiert hatte, notierte nach der Veröffentlichung der schrecklichen Gewaltbilder aus Johannesburg auf den Titelseiten großer internationaler Blätter deutlich schwächer. Er verlor allein am Dienstag und Mittwoch rund zwei Prozent zum Dollar und mehr als drei Prozent zum Euro. Der Druck auf die südafrikanische Währung hielt bis zum Wochenende an. „Die Bilder hatten ganz bestimmt eine Wirkung“, sagte Paul Kamp von Standard Chartered in London. Ausländische Anleger sind für einen Gutteil des Handels mit der südafrikanischen Devise verantwortlich, die zu den fünf am stärksten gehandelten Schwellenmarktwährungen zählt.

Verantwortlich für den Aufschwung der Börse zu Wochenbeginn waren zunächst die höheren Metallpreise gewesen, insbesondere für Platin und Gold. Beide notieren nach ihrem Rückschlag Anfang April inzwischen wieder über 2 000 Dollar beziehungsweise 900 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Besonders stark stiegen dabei die Platintitel, die von dem zuletzt auf 2 150 Dollar geschnellten Preis des weißen Edelmetalls profitierten – das war der höchste Stand in über zwei Monaten.

Zudem prophezeien die Edelmetallexperten von Johnson Matthey in London, dass der Platinpreis wegen der stark gefallen Produktion aus Südafrika in diesem Jahr ein Aufwärtspotenzial von 15 Prozent hat und bis auf 2 500 Dollar pro Unze steigen kann. Seinen bisherigen Höchststand hatte Platin im März nach den katastrophalen Stromausfällen in Südafrikas Minen erreicht. Sein Preis war damals auf 2 290 Dollar gestiegen, dann aber fast ebenso schnell wieder um über 20 Prozent gefallen.

Zu den Gewinnern dieser Entwicklung dürften alle drei großen südafrikanischen Platinproduzenten – Angloplat, Impala und Lonmin – zählen. Leichte Zugewinne verzeichneten auch die Goldtitel, die wegen hoher Kosten bislang kaum vom Fleck kamen. Die Goldkonzerne vom Kap profitieren davon, dass der Preis des gelben Metalls in Dollar berechnet wird – und der hat seit Jahresbeginn zur südafrikanischen Währung fast 20 Prozent an Wert gewonnen.

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