Börse in Bewegung: Investoren unter Hochspannung

Börse in Bewegung
Investoren unter Hochspannung

Der Kurssturz der vergangenen Woche bietet Börsianern viele neue Chancen. Jetzt beginnt die Phase des Umschichtens. Das Konsensdenken der Vergangenheit geht bei den Experten zu Ende. Besonders die Bewertung von Versorgeraktien ist momenten heftig umstritten. Und es gibt Werte, bei denen man laut Analysten auf fallende Kurse setzen sollte. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

FRANKFURT. Viele Börsianer nutzen die aktuellen Marktturbulenzen, um sich an den internationalen Wertpapiermärkten neu zu positionieren. Was sich an den hohen Handelsumsätzen der Weltbörsen in der vergangenen Woche bereits abzeichnete, ist jetzt mit Reaktionen bedeutender Banken auch untermauert: In den Portfolios steht alles auf dem Prüfstand, jedoch gehen die einzelnen Häuser bei der Neuausrichtung teils völlig konträre Wege. Besonders unter Druck stehen die Werte, die sich in der Vergangenheit bei Anlegern großer Beliebtheit erfreuten.

Generell gilt jedoch: Der Aktienanteil in den Portfolios steigt wieder. „Wir haben europäische Aktien gerade auf übergewichten gestuft, während wir Anleihen auf neutral gestellt haben“, sagt Mislav Matejka von JP Morgan in London. Wie er verhalten sich viele Banken. Sie halten die jüngsten Kursverluste am Aktienmarkt für überzogen, bezeichnen viele Werte als „unterbewertet“ und „überverkauft“ und suchen deswegen gerade in diesem Umfeld nach interessanten Gelegenheiten.

Spürbar wird dies unter anderem am veränderten Branchenmix in vielen Portfolios. Bei JP Morgan hat man beispielsweise gestern Industriewerte auf „übergewichten“ nach oben gestuft, während die in den letzten Jahren so beliebten Versorger auf „untergewichten“ gesetzt wurden. Industrieaktien zeigten allein im vergangenen Jahr nach den Finanzwerten die schlechteste Kursentwicklung von allen Branchen und haben schon deswegen Nachholpotenzial, so die Begründung. Versorger haben sich dagegen im historischen Vergleich in den letzten Jahren übermäßig gut entwickelt und gelten bei den JP- Morgan-Experten deswegen als überteuert.

Ein weiterer Aspekt der jüngsten Kursturbulenzen ist aber auch, dass das Konsensdenken der Vergangenheit bei den Experten ein Ende hat. Das zeigt sich an der Einschätzung der Citi-Experten zu den Versorgern; sie haben die Aktien gerade erst auf „übergewichten“ nach oben gestuft und stattdessen Titel aus den Bereichen Öl und Gas von „übergewichten“ auf „untergewichten“ abstürzen lassen. Die Experten setzen darauf, dass sich die Versorgertitel in den vergangenen Jahren stets mit steigenden Energiepreisen nach oben entwickelt haben. Da sie langfristig weiterhin von diesem Szenario ausgehen, müssten davon auch die zuletzt stark leidenden Versorger wie Eon und RWE profitieren.

Als heißeste Wette gelten indes die Bankwerte. „Es wird keine Erholung am Aktienmarkt ohne Kursgewinne im Finanzsektor geben“, sagt Klaus Holschuh, Bereichsleiter Volkswirtschaft und Research bei der DZ Bank. Immerhin ist der Sektor für rund 20 Prozent der gesamten weltweiten Marktkapitalisierung verantwortlich und damit für die Börsen so bedeutsam wie kein anderer Bereich.

Etliche Banken sehen deswegen zwar noch keine generelle Erholung in der von Subprime-Krise und Rezessionsängsten geplagten Branche, setzen aber wie beispielsweise ABN Amro allein aus taktischen Gründen auf sie. Sogar die zuletzt stark leidenden britischen Bankaktien stehen inzwischen wieder auf den Kauflisten. Die Analysten von Dresdner Kleinwort haben sich zu Wochenbeginn die Branche vorgenommen und mit HBOS, HSBC, Lloyds TSB und Standard Chartered vier Kaufgelegenheiten herausgepickt.

Umgekehrt suchen zurzeit auch viele Strategen nach überkauften und überbewerteten Titeln, bei denen sie mit fallenden Kursen rechnen. Aktienstratege Ronan Carr von Morgan Stanley empfiehlt seinen Kunden deshalb bei so namhaften Titeln wie dem Automobilzulieferer Continental, der österreichischen Erste Bank und dem italienischen Versorger Enel „short“ zu gehen, also per Option auf fallende Kurse zu setzen. „Die Short-Strategie erweist sich seit dem zweiten Halbjahr 2007 als deutlich profitabler. Dafür ist jetzt die beste Zeit seit dem letzten Bärenmarkt im Jahr 2003“, sagt Carr.

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