Börse Japan
Analysten sehen Nikkei-Anstieg skeptisch

Vor nicht einmal einer Woche schien der japanische Nikkei-Index auf dem besten Weg in Richtung neuer Tiefstände. Doch seither hat der Index fast 1 000 Punkte zugelegt. Ein Grund hierfür sind Kursverluste der Landeswährung Yen. Dabei sind diese eigentlich Ausdruck negativer Entwicklungen. Experten geben sich daher skeptisch und warnen vor einer plötzlichen Trendwende.

TOKIO. An der Börse Tokio steigen die Aktien wieder - und zwar recht kräftig. Grund ist die jüngste Bewegung der Devisenkurse. Mit 128 Yen pro Euro bewegt sich Japans Währung wieder in vertrauten Regionen, nachdem sie Ende vergangenen Jahres dramatisch aufgewertet hatte. Ein niedrigerer Yen bedeutet weniger Belastungen für die Industrie und damit weniger hohe Verluste, so die Logik des Marktes. Anfang Mai legen Japans Firmen ihre Jahresbilanzen vor.

In Tokio gewann der Leitindex heute Nikkei 3,2 Prozent. Er steht jetzt bei 7 949 Punkten, nachdem er vergangene Woche schon nach unten auf die 6 000 Punkte zu zielen schien. Nachdem der Trend jetzt gedreht hat, erwarten Analysten, dass er noch einige Tage anhält. "Diese Aufwärtsbewegung könnte sich bis Anfang April fortsetzen", sagte Fujio Ando von Chibagin Asset Management der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Einen nachhaltigen Anstieg halten Experten jedoch für unrealistisch. "Die Rally wird eher vom zeitweiligen Ausbleiben schlechter Nachrichten getrieben als von wirklich guten Nachrichten", sagt Anthony Grech von IG Index. Ökonomen von Chuo Mitsui Asset Manageent warnen, dass in so einem Umfeld jederzeit Gewinnmitnahmen beginnen können. Fundamental habe sich erstmal nichts geändert - mit Optimismus sollten die Anleger vorsichtig sein, so der Tenor.

Denn über den Umweg des schwächeren Yen haben ausgerechnet Hiobsbotschaften den Aktienkursen seit vergangenem Donnerstag auf die Sprünge geholfen. Anfang März war deutlich geworden, dass Japan in vollem Umfang mit in der Krise gefangen ist. Der Export brach so heftig ein wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Ökonomen erwarten nun, dass Japans Wirtschaft in diesem Jahr mehr als vier Prozent schrumpft.

Der Yen verlor mit diesen Nachrichten seine Aura als sicherer Hafen, nachdem die Volkswirtschaften der EU und der USA bereits am Boden lagen. Zugleich drückten die schlechten Nachrichten den Nikkei auf extreme Tiefstände - das derzeit sichtbare Plus ist im Wesentlichen eine technische Erholung von dieser Bewegung. Wie der Dax hat der Nikkei seit vergangenem Sommer rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Unter dem Strich fällt das Minus sogar noch einige Punkte höher aus als im deutschen Leitindex.

Erklärungen der Währungshändler zufolge haben die Investoren den Yen nicht wirklich für einen sicheren, sondern lediglich einen sichereren Hafen gehalten haben. Dabei verließen sie sich darauf, dass andere Marktteilnehmer den gleichen Reflexen folgen und in bestimmten Konstellationen zugreifen. Vergangene Woche hat sich nun die Richtung gedreht, und die Investoren lösen ihre Yen-Positionen auf, mit denen sie seit Beginn der Krise auf den Japaneffekt gesetzt haben.

Im langfristigen Ausblick erwartet Seiichiro Iwasawa von Nomura Securities eine echte Erholung des japanischen Aktienmarkts erst im zweiten Halbjahr dieses Jahres. Für diese Zeit erwartet der Ökonom eine erste Wirkung der Konjunkturprogramme in Japan, den USA und der EU. Mit einer leichten Normalisierung der Verhältnisse in der Weltwirtschaft dürfte zudem auch der Yen weiter nachgeben.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%