Börse London
Britische Fonds lieben Langweiler-Aktien

Anders als die britische Wirtschaft hat es den Londoner Aktienmarkt in der Krise weniger hart getroffen als andere Börsenplätze. Experten führen das auf den höheren Anteil defensiver Werte zurück. Pharma, Lebensmittel und Telekom, dazu Versorger - so lauten auch die Favoriten der britischen Profi-Anleger für das kommende Jahr.

LONDON. Großbritannien ist nicht Europa - das lernt jeder Neuankömmling auf der Insel in den ersten Wochen. Der Kanal ist psychologisch breiter als geografisch. Auch der Londoner Aktienmarkt lässt sich nicht unter "europäische Aktien" einordnen, und dafür gibt es handfeste Gründe: Die Unternehmen im FTSE-100-Index sind weniger zyklisch und internationaler als die in Paris oder Frankfurt. Entsprechend reagiert der Index auch anders auf Finanzkrise und Rezession.

Unterm Strich ist der FTSE-100-Index im bisherigen Jahresverlauf um 33 Prozent eingebrochen, der Deutsche Aktienindex hingegen um 41 Prozent. Dafür hatten britische Blue Chips aber auch 2007 nur um vier Prozent, die deutschen aber um 22 Prozent zugelegt. Wie es 2009 weitergeht, ist noch schwerer vorauszusagen als üblich. Dass die britische Wirtschaft stärker schrumpfen wird als die der anderen großen Industriestaaten, darin sind sich die Ökonomen inzwischen einig. Minus zwei Prozent sagen etwa die Volkswirte des Fondsmanagers Threadneedle voraus, minus 2,3 Prozent Barclays Capital.

Doch das muss nicht heißen, dass die britischen Aktien ebenfalls schlechter laufen als die kontinentaleuropäischen. "Der Londoner Aktienmarkt hat keine sehr starke Verbindung zur britischen Wirtschaft, denn die großen Unternehmen erwirtschaften den Löwenanteil ihrer Umsätze im Ausland", sagt Robert Parkes, Aktienstratege bei HSBC. Außerdem habe der britische Aktienmarkt deutlich weniger zyklische Industriewerte als die Börsen der Eurozone, sagt Christopher White, Direktor für europäische Aktien bei Threadneedle. Das spreche dafür, dass die Performance der Aktien weniger von der Euro-Zone abweichen werde als die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. "London ist per se ein recht defensiver Markt."

Defensiv, das ist das Stichwort für die Anlagestrategien großer britischer Fonds für das kommende Jahr. "Langweilig ist gut", sagt White. Er setzt derzeit auf große Unternehmen mit niedriger Verschuldung, ordentlichen Dividenden und gutem Cash-flow. Unter den Branchen bevorzugt er Pharma, Lebensmittelhandel und Telekommunikation. Vodafone, Cadbury, Unilever, Glaxo und Tesco nennt er als Beispiele.

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