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Börse misstraut Konjunkturaufschwung

Trotz sprudelnder Firmengewinne setzt sich die Seitwärtsbewegung nach Meinung von Experten noch einige Zeit fort. Immerhin: Die jüngste Erholung an der deutschen Börse hat die Kurse auf das Niveau zu Jahresbeginn geführt. Doch die quälende und seit Januar währende Seitwärtsbewegung scheint damit in die nächste Runde zu gehen.

HB DÜSSELDORF. Denn Investoren sind immer noch verunsichert, in welche Richtung sich die Konjunktur entwickelt. Studien belegen, dass nach einer kräftigen Aktienrally wie im Jahre 2003 ein langes Auf-der-Stelle-Treten keinesfalls ungewöhnlich ist. Ähnlich wie 1984 und 1994 lassen die Börse auch 2004 sprudelnde Unternehmensgewinne kalt. Untersuchungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und von M.M. Warburg zeigen aber auch, dass nach einer Seitwärtsbewegung eine zweite Börsenrally folgt – wenn die Konjunktur nachhaltig anspringt. Doch das ist derzeit nicht zu erkennen, wie gestern der schwache ZEW-Indikator für Europa und sinkende US-Einzelhandelsumsätze belegten.

In den drei vergangenen Quartalen legten die Firmengewinne im amerikanischen S&P-500-Index jeweils über 20 % zu. In Europa sind die Steigerungsraten auf Grund der niedrigen Ausgangssituation nach dem schlechten Vorjahr sogar noch höher. Kräftig steigende Gewinne und stagnierende Kurse lassen Aktien immer billiger werden. Abzulesen ist das an den sinkenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV), die in Deutschland das niedrigste Niveau seit 1994 erreicht haben. In den USA wurde immerhin die Überbewertung seit Ende der neunziger Jahre neutralisiert.

Fundamentaldaten und Börsenkurse laufen keineswegs zum ersten Mal auseinander. „Die Kursentwicklung im bisherigen Jahresverlauf erinnert mehr und mehr an das Jahr 1994“, sagt Carsten Klude von M.M. Warburg. Tatsächlich waren nach der Börsenerholung 1993 die Erwartungen für das Folgejahr ähnlich hoch geschraubt wie Ende 2003. Was damals folgte, war ein 15-monatiger Seitwärtstrend. Neue Hochs gab es erst 1996. Vergleichbar war die Situation auch 1984: Die Börsen fielen leicht, obwohl die Firmengewinne kräftig wuchsen.

Den Phasen in den achtziger und neunziger Jahren gemeinsam ist nach Studien der LBBW die lange Übergangssituation: von der zunächst liquiditätsgetriebenen Hausse, die den Konjunkturaufschwung vorwegnimmt, zu einer nachhaltigen und von stabilem Gewinnwachstum getragenen Aufwärtsbewegung. Dass die ausgeprägte Konsolidierung ausgerechnet mit dem kräftigen Gewinnwachstum der Unternehmen zusammenfällt, setzt keineswegs Börsenregeln außer Kraft, sondern bestätigt sie. Wie 1984 und 1994 ging auch 2004 der Aufschwung von den USA aus. Nach den wirtschaftlichen Tiefpunkten 1982, 1991 und 2001/02 stand dort die Konjunktur jeweils in den „Dreierjahren“ wieder unter Dampf. Europa folgte jeweils ein Jahr später. Alle drei Aufschwünge nahmen die Börsen mit markanten Kursanstiegen vorweg. Die anschließenden Korrekturen währten jeweils rund ein Jahr.

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