Börse Moskau auf Jahreshoch – Moody’s erwägt Rating-Hochstufung
Ausländische Investoren geben russischen Werten neuen Schwung

Die russische Börse setzt zu einem neuen Höhenflug an. Am Freitag erreichte der Moskauer RTS-Index mit 749,06 Punkten ein neues Jahreshoch und liegt damit in der Nähe des Allzeithochs von 781,55 Zählern am 12. April 2004.

MOSKAU. Auch die Terroranschläge von London hatte der RTS mit einem Minus von 0,4 Prozent weggesteckt und den Aufwärtstrend bereits zum Wochenende fortgesetzt. Analysten erwarten, dass der Aufschwung an Moskaus Märkten anhält. „Investoren vertrauen Russland wieder“, titelte bereits das russische Wirtschaftsblatt „Wedomosti“.

Die Investmentbank United Financial Group (UFG) rechnet mit „weiteren stetigen Zuwächsen in den Sommermonaten“ bis hin zu einem RTS-Jahresendstand von 805 Punkten – das wäre Rekord. Auch Alexej Dolgich vom Brokerhaus Troika Dialog spricht dem RTS deutlich mehr Potenzial zu und begründet dies mit dem „reichlich bei russischen und ausländischen Anlegern vorhandenem Geld“. Vor allem westliche Fonds erhöhten derzeit ihre Russland-Engagements, beobachtete auch Alexej Batschurin von der Investmentbank Renaissance Capital. „Die Bären, die nichts Gutes für Russland erwartet haben, haben sich schwer geirrt und müssen jetzt mit Zukäufen aufholen“, meint Alexej Sacharow von der Uralsib-Bank.

Ohnehin müssen in den Schwellenländern engagierte Investoren, die den MSCI-Leitindex nachbilden wollen, ihr Russland-Portfolio aufstocken. Denn Mitte Mai wurde der Russland-Anteil darin von 3,79 auf 4,34 Prozent erhöht, und zwar durch die Aufnahme der Aktien des Moskauer Mischkonzerns AFK Sistema, der Mobilfunker MTS und Vimpel-Com, des Stahlkochers Mechel und des Nahrungsmittelproduzenten Wimm-Bill-Dann. Russische Aktien entwickelten sich im bisherigen Jahresverlauf überdurchschnittlich (siehe Grafik). Die Osteuropa-Experten der österreichischen Raiffeisen Capital Management erwarten zudem, dass „die Rahmenbedingungen in Anbetracht der nach wie vor festen Rohstoffnotierungen weiter günstig“ seien.

Allerdings findet der derzeitige Börsenaufschwung vor dem Hintergrund durchwachsener Wirtschaftsdaten statt: Während die Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 7,1 Prozent im Vorjahr in den ersten fünf Monaten 2005 auf 5,4 Prozent zurückging, legten ausländische Direktinvestitionen auf ein neues Rekordhoch zu. Mit 9,3 Mrd. Dollar tätigten ausländische Unternehmen im ersten Halbjahr so viele Investitionen wie noch nie in Russland – während sich russische Firmen aufgrund der anhaltenden Verunsicherung über das weitere Wirtschaftsklima im Riesenreich weiter mit Investments zurückhielten.

Dies hält die Ratingagentur Moody’s nicht davon ab, Russland eine weitere Erhöhung seiner Kreditwürdigkeit in Aussicht zu stellen. „Wir geben dem Markt das Signal einer positiven Tendenz zur Rating-Erhöhung“, sagt Jonathan Shiffer, Chefanalyst von Moody’s für Russland. Alle drei führenden Ratingagenturen haben dem Land in diesem Jahr erstmals den so genannten Investment-Grade zuerkannt, ab dem internationale institutionelle Anleger wie Versicherer und Pensionsfonds in Papiere der so bewerteten Staaten investieren dürfen.

Aktien-Anleger können nach Ansicht von UFG vor allem mit Engagements bei Russlands führendem Ölkonzern, Lukoil, dem Edelmetall- und Nickel-Produzenten Norilsk Nickel, der staatlich beherrschten Sberbank, sowie den Telekomkonzernen MTS, Vimpel-Com und Rostelecom profitieren. Kurschancen bieten den UFG-Experten zufolge dabei vor allem das inzwischen wieder sinkende Russland-Risiko und die weiter anhaltend starke Binnennachfrage. Die hohen Rohstoffpreise seien ja ohnehin positiv für Staatshaushalt und Konzerne.

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Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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