Börse
Profis warnen vor Risiken

Die internationalen Fondsmanager erwarten auch nach vier Jahren Börsenhausse gute Geschäfte. Ein wichtiger Grund dafür ist der Trend zur privaten Altersvorsorge. Einige Segmente der Kapitalmärkte halten sie allerdings für überhitzt.

MONTE CARLO. Dies war den Tenor auf dem wichtigsten europäischen Branchentreff, dem Fund Forum in Monte Carlo mit 1 700 Teilnehmern. Eine Handelsblatt-Umfrage unter den Leitern anwesender Investmentgesellschaften belegt, dass die Produktanbieter die Situation an den Märkten zurückhaltend bis vorsichtig einschätzen und Risikopotenziale wittern.

„Die Zinsen könnten stärker steigen als allgemein erwartet“, sagt beispielsweise Martin Gilbert, Chef der britischen Aberdeen Asset Management. „Ein Marktrückschlag würde uns immer schaden“, äußert sich ganz ähnlich Charlie Porter, Leiter der britischen Thames River Capital. Richard Wohanka von Fortis Investments weist zusätzlich auf eine Belastung der Ertragslage hin: „Bei einem Börsenrückschlag kann Anlegervertrauen zerstört werden, so dass Kapital abfließt und damit auch die Einnahmen der Branche sinken.“

Viele der anwesenden Firmenchefs beschäftigt auch der Aufschwung an anderen Märkten jenseits der Aktienbörsen. „Der Immobilienpreisboom in fast jeder großen Stadt rund um den Globus ist unübersehbar“, sagt Roger Yates von Henderson Global Investors. Aberdeen-Chef Gilbert blickt außerdem auf spezielle Anleihemarktsegmente, insbesondere auf den boomenden Markt für Pakete spezieller Kreditportfolios, den so genannten CDOs. Als treibende Kraft hinter den Aufschwüngen an praktisch allen Märkten für Vermögensanlagen sehen die Branchenvertreter die lockere Geldpolitik der Notenbanken während der vergangenen Jahre.

Mit einer kritischen Situation rechnet Dominique Carrel-Billiard von Axa Investment Managers dann, „wenn diese Liquidität austrocknet“. Eine solche Veränderung würde nach Ansicht des Axa-Mannes andere und große Probleme, etwa in Zusammenhang mit den Hebelengagements von Investoren, nach sich ziehen. Laut Einschätzung von Yates könnte hier auch die Hedge-Fonds-Branche eine Rolle spielen. „Viele Manager wissen hier gar nicht, was sie tun“, meint er. Das berge Risiken. Ein anderer Branchenvertreter erinnert an das Beispiel eines ehemaligen Footballspielers in den USA, der kürzlich seinen eigenen Hedge-Fonds gründete. Über die von den Kapitalmärkten ausgehenden Risikopotenziale blicken manche Manager zusätzlich auf exogene Einflüsse. „Die Situation im Nahen Osten wird momentan an den Märkten komplett ignoriert“, meint Gilbert.

Grundsätzlich blicken die Vermögensverwalter jedoch zuversichtlich nach vorne. Das belegen die Aussagen der Firmenleiter in Handelsblatt-Gesprächen. Als wichtigen Trend nennt beispielsweise Porter von Thames River die erwarteten Investments der Baby-Boomer-Generation. Er erwartet eine „goldene Ära für das Einsammeln von Kapital in unserer Branche“. Ein wesentlicher Faktor wird die künftige Notwendigkeit der Altersvorsorge. „Dies ist ein riesiges Wachstumssegment, wenn auch nur für große Gesellschaften“, sagt Stephan Kunze, Europa-Chef der DWS, mit Blick auf den immensen Verwaltungsaufwand solcher Vorsorgelösungen.

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