Börse Seoul
Südkorea schaltet einen Gang zurück

Der starke Won und hohe Ölpreise belasten die Stimmung an der Börse in Seoul ebenso wie Skandale um fehlende Unternehmenskontrolle. Doch langfristig orientierten Anleger bietet Südkorea durchaus noch Chancen.

TOKIO. Im vergangenen Jahr war der südkoreanische Aktienindex Kospi der Star unter den ohnehin rasant gestiegenen Börsenbarometern. Ganz anders ist jedoch das Bild im ersten Quartal dieses Jahres, in dem er mit 1,4 Prozent sogar leicht verlor. Der starke Won und hohe Ölpreise belasten die Stimmung an der Börse in Seoul ebenso wie Skandale um fehlende Unternehmenskontrolle. Erst vor wenigen Tagen wurde der Chef des größten Autobauers des Landes, Hyundai Motors, wegen Unterschlagung und Veruntreuung angeklagt. Hat der Anlegerliebling Südkorea seinen Glanz verloren?

Während die Strategen für die kommenden Monate kaum optimistisch sind, bietet Südkorea dem langfristig orientierten Anleger ihrer Meinung nach durchaus noch Chancen. Die Eigenkapitalrentabilität der Unternehmen sei gestiegen, langfristiges Wachstum in Sicht. Beliebt sind derzeit vor allem Inlandswerte wie Banken oder Baufirmen. Exportwerte dagegen sind derzeit weniger gefragt.

Stratege Hirokazu Yuihama vom Forschungsinstitut Daiwa erwartet bis zum Herbst keinen Zuwachs beim Kospi. „Die Bewertungen sind bereits sehr hoch“, meint er. Derzeit steht das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Kospi-Werte bei rund zwölf. Bei Bewertungen über 10 tendiere Südkoreas Aktienmarkt zu Korrekturphasen, sagt Yuihama. Nach dem Rekordstand von 1 464 Punkten ist der Kospi in den vergangenen Wochen bereits deutlich auf kurzzeitig unter 1 400 Punkte abgesackt. Bei 1 400 Punkten sieht Yuihama den Index auch Ende des dritten Quartals und präferiert deshalb andere asiatische Märkte.

Zwar prognostiziert die südkoreanische Regierung, dass die Wirtschaft, getragen von einer Erholung des Binnenkonsums, nach knapp vier Prozent 2005 in diesem Jahr um real fünf Prozent wachsen soll. Doch diese Erwartungen hatten die Kursrally des vergangenen Jahres bereits getragen. Jetzt nehmen die Anleger eher wahr, dass unter anderem wegen des starken Won-Kurses zum Dollar das Wachstum der Unternehmensgewinne sinkt. Daiwa-Stratege Yuihama rechnet damit, dass der Dollar von derzeit 935 Won durchaus unter 900 Won fallen dürfte. Vor der Finanzkrise 1997/98 habe die südkoreanische Währung noch höher notiert, erinnert er.

Für dieses Jahr rechnet Therence Lim, Aktienstratege bei Goldman Sachs in Seoul, mit weniger als fünf Prozent Zuwachs bei den Unternehmensgewinnen. Das laufende zweite Quartal sei jedoch der Tiefpunkt. Danach sollte es wieder aufwärts gehen. Zum Ende des Jahres, wenn die Investoren auf die Firmengewinne 2007 schauen, sieht Lim den Kospi jedoch „deutlich über 1 500 Punkten“. Das wären sieben Prozent über dem jetzigen Stand.

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