Börse Südafrika
Aufschwung ohne Strom

Südafrikas Börse profitiert von der schwachen Landeswährung und ignoriert den Energiemangel im Land.

JOHANNESBURG. Selbst die fortgesetzten Stromengpässe am Kap und die deshalb scharf nach unten korrigierten Wachstumsprognosen können der Johannesburger Börse (JSE) scheinbar etwas anhaben. Sie gehört auch in diesem Jahr zu den Spitzenreitern unter den Schwellenländern. Dank der anhaltend hohen Rohstoffpreise und der schwachen Lokalwährung Rand konnte die JSE in den letzten fünf Wochen fast 20 Prozent zulegen und bewegt sich auf ihr Allzeithoch von 31 720 Punkten zu, dass sie im Oktober letzten Jahres erreichte. Allerdings kam es auch an der JSE am Freitag in Einklang mit der schwachen Entwicklung an den anderen Weltmärkten zu einem Rückschlag.

Der schwache Rand, der seit Jahresbeginn zum Dollar über zehn Prozent und zum Euro fast ein Drittel einbüßte, hat die Erlöse vieler Exporteure vom Kap spürbar gesteigert, weil deren Ausfuhren zumeist in Dollar berechnet werden. Ausländischen Investoren hat das die Freude an den in Rand ausgedrückten Kursgewinnen deutlich getrübt. Entsprechend hoch sind die Abflüsse.

Mit dem zeitweiligen Anstieg des Platinpreises auf das Rekordhoch von 2 300 Dollar am Dienstag kletterte der Platinindex zur Wochenmitte zunächst auf neue Höchststände. Allerdings kam es auch hier mit dem Rückfall des Preises auf 2 100 Dollar am Freitag zu einer Korrektur nach unten. Im Gegensatz dazu konnte der Goldsektor wegen des schwächeren Rands zum Wochenende fast zwei Prozent zulegen. Zudem erhielten die von den Stromengpässen besonders hart gebeutelten Goldminen eine leicht erhöhte Stromzuteilung durch den staatlichen Energiekonzern Eskom.

Fast alle Schwergewichte im Minensektor konnten in der letzten Woche stärker zulegen: So stiegen die Minenfirmen Anglo American und BHP Billiton, aber auch die Platinförderer Anglo Platinum und Implats, die rund 36 Prozent des Gesamtwerts der Top 40-Unternehmen am Kap ausmachen, zur Wochenmitte im Schnitt um fünf Prozent und zogen den Gesamtmarkt in die Höhe.

"Man hat den Eindruck, dass alle auf den fahrenden Zug aufspringen wollen" sagte ein Händler. Doch Vorsicht ist geboten. "Gegenwärtig kümmern sich die Anleger weder um die extremen Ausschläge der Börse noch um die Produktionsprobleme der Gold- und Platinminen oder den akuten Strommangel" sagte der Analyst. Das Gastland der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft 2010 leidet seit Anfang 2007 unter einer chronischen Energiekrise, die zu landesweiten Strom-Abschaltungen geführt und der Wirtschaft bereits Milliardenverluste beschert hat. Auch in den Gold- und Platinberwerken kam es deshalb im Januar zu einem abrupten und totalen Produktionsstopp. Die meisten Goldfirmen rechnen wie Gold Fields nun damit, dass ihre Produktion im ersten Quartal um bis zu 25 Prozent fallen wird.

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