Börse Tokio
Nikkei-Anstieg beunruhigt Analysen

Mehr als 1 000 Punkte hat der japanische Nikkei-Index in den vergangenen zwei Wochen gewonnen. Analysten geht das viel zu schnell. Sie erwarten weitere Belastungen für die japanischen Wirtschaft und den Aktienmarkt in Tokio. Diese drohen sowohl von Seiten der Banken als auch vom Devisenmarkt.

TOKIO. Experten raten angesichts der jüngsten Rally an Japans Aktienmarkt zur Vorsicht. Die Aktien in Japan erholten sich heute um 3,4 Prozent auf den höchsten Stand seit zwei Monaten. Der Leitindex Nikkei steht jetzt bei 8 215 Punkten. Vor zwei Wochen war der Index noch kurzzeitig unter 7 000 Punkte gefallen. Seither hat er fast alle internationalen Indizes abgehängt. Gegenüber dem US-Leitindex Dow Jones hat der Nikkei dabei rund 500 Punkte gut gemacht.

Doch angesichts der wackligen Lage der Wirtschaft ist jederzeit ein Rückschlag zu befürchten – auch kurzfristig, weil die Gefahr von Gewinnmitnahmen täglich wächst. So waren es zu Wochenbeginn erneut vor allem Bankaktien, die den Index hochtrieben. Nach Börsenschluss gab jedoch Marktführer Mitsubishi UFJ bekannt, 1 000 Mitarbeiter zu entlassen und 50 Filialen schließen zu müssen.

Eine wichtige Ursache für die Verbesserung am Montag war zudem der Glaube an die Wirksamkeit neuer, noch teurerer Konjunkturpakete rund um den Globus und einer Politik des lockeren Geldes durch die Zentralbanken. Doch das ist auch Sicht der Analysten keine nachhaltige Grundlage für einen Kursanstieg. „Ein kleiner Fehltritt durch eine Regierung kann die Instabilität der Finanzmärkte zurückbringen“, meinen die Experten von Nomura Securities. Sie erwarten weiterhin viel Ängstlichkeit in den Anlageentscheidungen – und entsprechend hektische Kursbewegungen.

Auch andere Analysten sehen die Kursanstiege noch skeptisch. „Die Stärke des japanischen Aktienmarkts geht unserer Meinung nach hauptsächlich auf eine Neuausrichtung der Portfolios von Pensionsfonds zurück“, schreiben Analysten der Credit Suisse. Die Rally könne sich möglicherweise noch bis Monatsende hinziehen. Danach sei der Ausblick jedoch ungewiss. Bis Jahresende sieht die Credit Suisse den Nikkei zwischen 6 300 und 8 000 Punkten – also auf jeden Fall niedriger als derzeit.

Dabei steht der Leitindex der 225 wichtigsten japanischen Werte auch nach dem Anstieg immer noch nicht sonderlich hoch. Er hat sich in den vergangenen Handelstagen gerade erst aus einem extremen Tief herausgekämpft. Im Januar stand der Nikkei jedoch noch bei 9 239 Punkten. Einer der Gründe für die anschließende Talfahrt war der Anstieg des japanischen Yen, der den Exporteuren das Geschäft verdirbt. Aber auch hier gab es eine Gegenbewegung: Gestern fiel Nippons Devise auf ein Zwischentief bei 131 Yen pro Euro.

Der nächste Aufwärtsschub für den Nikkei steht Experten zufolge aber bevor: Gegen Ende des Geschäftsjahres am 31. März werden viele Firmen Mittel aus ihren Auslandstöchtern nach Japan überweisen, um zum Stichtag besser auszusehen, sagt Toru Umemoto von Barclays Capital. Dazu müssen sie Yen kaufen. Die Unternehmen werden dadurch dessen Preis hochtreiben, ob sie wollen oder nicht. Und darauf reagiert im Allgemeinen auch der Nikkei wieder mit einem Rückgang.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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