Börse und EZB
Endet der Bullenmarkt in seinem achten Jahr?

EZB-Präsident Mario Draghi sorgt für anhaltend gute Stimmung an den europäischen Aktienmärkten. Warum Anleger trotzdem mit teilweise heftigen Rücksetzern rechnen müssen.
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DüsseldorfDie Bullen sind los. Angetrieben einmal mehr von Super-Mario. Kein Wunder, gilt es doch unter Börsianern als ausgemachte Sache, dass EZB-Präsident Mario Draghi die Geldschleusen weiter öffnet - Stichwort „Quantitative Easing 2“. Nur wie weit, das erfahren Investoren erst am Donnerstag. An der Börse wurde die noch lockere Geldpolitik der Notenbanker bereits gefeiert. Die Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. 

Doch wie geht es weiter? Nimmt die Jahresendrally zum Ende der Woche Fahrt auf? Oder handeln Börsianer getreu der alten Börsenweisheit „Buy the Rumor, sell the Fact“, also kaufen bei Gerüchten, verkaufen bei Fakten? „Im Anschluss an die EZB-Sitzung könnte es nach den starken Kursgewinnen im Dax seit Mitte September zunächst zu Gewinnmitnahmen kommen“, sagt Andreas Hürkamp, Aktienstratege der Commerzbank. „Wir würden aber in den kommenden Monaten solche Dax-Rücksetzer von drei bis fünf Prozent regelmäßig nutzen, um Positionen in exportstarken Dax-Werten auszubauen.“

Grundsätzlich sind die meisten Anlageexperten optimistisch, dass die europäischen Aktienmärkte von der neuerlichen Geldflut profitieren werden. „Die Hoffnung auf noch mehr billiges Geld sollte die Märkte beflügeln“, sagt beispielsweise Oliver Postler, Chefanlagestratege der Hypo-Vereinsbank Private Banking. Das glaubt auch Ulrich Stephan, oberster Anlageexperte der Deutschen Bank: „Da sich die europäische Währungsunion immer noch in einem zyklischen Aufschwung befindet und die Prognosen für 2016 gut sind, sollte es Unternehmen möglich sein, die Gewinne zu steigern.“

Das dürfe in Kombination mit dem positiven Kreditimpuls, der Euro bedingten Wettbewerbsfähigkeit und auch den mangelnden Alternativen mit auskömmlichen Renditen, die Aktienkurse weiter treiben. Allerdings sollten Anleger für 2016 keine zweistellige Kursentwicklung erwarten.

Eine Folge der EZB-Politik ist der schwache Euro. „Auch wenn die EZB dies öffentlich nicht zugeben würde, gehe ich davon aus, dass ein schwacher Euro ein erklärtes Ziel der Währungshüter in Frankfurt ist“, sagt Dominic Rossi, Globaler Chief Investment Officer für Aktien bei Fidelity International. „Eher unwahrscheinlich ist daher ein kräftiger Wiederanstieg des Euro, der eine Gefahr für die Konjunkturerholung darstellen würde.“ 

Kommentare zu " Börse und EZB: Endet der Bullenmarkt in seinem achten Jahr?"

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  • An Juan Garcias:
    Die Alternative ist die Rettung des Euro. Dazu müssen alle überschuldeten Staaten die Eurozone verlassen. Euro-Staaten müssen pleitegehen können. Andernfalls wird der Euro langfristig keinen Bestand haben.

  • Lockheed Martin gefällt mir sehr gut. Habe neben den regelmäßigen Dividenden hohe Kursgewinne verbucht. Denke Rüstung geht immer, besonders in Krisenzeiten. Wenn sich dann noch die Geschichte mit dem Fusionsreaktor nur ansatzweise bewahrheitet, kennt der Kurs kein Limit!

  • Falls sich jemand wundert, warum das Kassa-DAX TH heute (bis jetzt noch immer) bei 11430,38 um 09:03:46 liegt, obwohl der FDAX zu diesem Zeitpunkt bei 11389,5 gehandelt wurde, liegt das daran, dass die Linde in die sog. verlängerte Xetra-Volatilitätsunterbrechung nach der Eröffnungs-Auktion um 9:00 ging. Und die Regularien der Deutschen Börse seit einigen Jahren ab spätestens 9:03:00 den 1. Kassakurs berechnen.

    Wenn dann noch nicht alle 30 Indexwerte eröffnet haben, nimmt die Deutsche Börse zur Berechnung des Index den letzten verfügbaren Kurs vom Vortag, also den aus der Schluss-Auktion um 17:30. Und da war der Linde-Kurse eben ein bissl höher .....

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