Börsen im Aufwind
Charttechniker erwarten weiteren Dax-Anstieg

Der Aufwärtstrend an den Börsen scheint ungebrochen. Doch weil nahezu alle wichtigen Indizes rund 20 Prozent über dem Handelsdurchschnitt der vergangenen 200 Tage notieren, sind kleine Korrekturen jedoch unausweichlich. Charttechniker raten den Anlegern, die Kursdellen zum Einstieg zu nutzen.
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DÜSSELDORF. Stolze 62 Prozent hat der Dax seit seinem Tief im März zugelegt. Doch damit ist nach Ansicht technisch orientierter Analysten der Höhenflug an den Börsen noch nicht beendet. Optimistisch stimmt Experten, wie robust sich die Börsen zuletzt präsentierten und miserable Quartalszahlen vom weltgrößten Mischkonzern General Electric abschüttelten. "Der Markt schlägt alle Steilvorlagen für eine Korrektur aus", sagt Wieland Staud vom gleichnamigen Researchinstitut.

Wiederholt prallte der Dax knapp oberhalb von 5 700 Punkten ab, ehe er sich in den Sturzflug in Richtung 5 400 Punkte begab. Mit einem Mal schien die Zeit der großen Korrektur gekommen, zumal der gefürchtete Börsenmonat September noch nicht zu Ende war. Analysten hatten vor solch einem Szenario gewarnt und dafür sogar die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers ins Feld geführt. Ein Jahr nach der Pleite hatten sich die Börsen wieder in den Kursbereich vorgearbeitet, auf den sie unmittelbar nach der Lehman-Pleite in einem ersten Rutsch gefallen waren, ehe es in einem finalen Ausverkauf noch einmal 2 000 Punkte tiefer ging.

Eigentlich konnte man annehmen, dass sich viele Anleger an diese Einstandskurse während der turbulenten und umsatzstarken Lehman-Tage erinnerten und deshalb jetzt kaum bereit sein dürften, auf diesem Niveau weiter zuzukaufen. Deshalb galt die "Lehman-Zone" bei Charttechnikern als schwer zu nehmender Widerstand. Doch ausgerechnet nach der abrupten, zwei Wochen andauernden Korrektur bis Ende September sprangen die Börsen auf neue Jahreshochs und schlugen so alle Bedenken in den Wind. "Wieder einmal bestätigt sich die simpelste Chartregel: The trend is your friend", sagt Staud.

Technisch orientierte Analysten - sie leiten ihre Prognose aus vergangenen Charts ab - schreiben Börsentrends gewöhnlich so lange in die Zukunft fort, bis die Märkte Umkehrsignale senden. Wer nach dieser Regel vorgeht, verpasst zwar den idealen Ein- und Ausstieg. Andererseits vermeidet man aber, Gewinne zu früh zu versilbern und Verluste ausufern zu lassen. Gemäß dieser Trendfolgeregel sieht auch Michael Riesner von der Schweizer Großbank UBS die Börsen noch weiter steigen. Er warnt aber auf Sicht weniger Wochen vor einem "Luxusproblem": Der Aufwärtstrend verläuft derzeit derart markant, dass eine scharfe Korrektur fast unumgänglich erscheint. Abzulesen ist die enorme Aufwärtsdynamik an dem Abstand der Börsen zur 200-Tage-Linie: Der Dax und beinahe alle anderen wichtigen Indizes notieren aktuell 20 Prozent über dem Handelsdurchschnitt der vergangenen 200 Tage.

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