Börsenausblick auf 2018 Der Sinn und Unsinn von Prognosen

Chefanlagestrategen haben gerade viel zu tun: Im Dezember gilt es, Prognosen für 2018 zu erstellen. Baisse oder Hausse? Welcher Markt birgt Chancen, welcher Risiken? Doch was bringen Anlegern diese Ausblicke?
Update: 15.12.2017 - 20:25 Uhr Kommentieren
Experten tun sich schwer mit punktgenauen Dax-Prognosen. Quelle: dpa
Kristallkugel

Experten tun sich schwer mit punktgenauen Dax-Prognosen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn den Postfächern von Finanzjournalisten geht es momentan zu wie bei einer Auktion: Wer bietet mehr? Dax 13.000, 14.000 oder gar 15.000 Punkte? Daumen rauf, Daumen runter. Es ist die Zeit der Prognosen. Schließlich wollen Anleger wissen, was sie im kommenden Jahr an der Börse erwartet. Das Problem: Niemand hat eine Kristallkugel. Und: Die meisten Prognosen waren in den vergangenen Jahren wenig treffsicher.

Geht die Rally weiter oder nicht? Pendeln die Märkte eher seitwärts oder droht eine heftigere Korrektur? Vielleicht sogar ein Crash? Wo steht der Dax Ende 2018? Fragen, auf die Anleger nur zu gerne Antworten hätten. Und die liefern ihnen die Analysten in diesen Tagen – natürlich mit vielen Konjunktiven versehen. Denn wissen kann niemand, was uns in den kommenden zwölf Monaten an den Märkten blüht. Trotzdem stellen sich die Anlagestrategen auch in diesem Jahr wieder dem Wettbewerb um den besten, weil zutreffendsten, Ausblick.

Mitunter können diese Ausblicke auch irreführend sein. „Anleger sollten sich von den alljährlichen Prognosen nicht täuschen lassen: Wer versucht, aus den Prognosen etwas für seine Anlagestrategie abzuleiten, wird Schiffbruch erleiden“, sagt Lutz Neumann, Leiter Vermögensberatung bei der Sutor Bank. „Hätten sich Anleger an den Dax-Prognosen für 2017 orientiert und wären dem Aktienmarkt mit größerer Skepsis als nötig begegnet, hätte dies ihre Rendite deutlich geschmälert.“ Von 30 der Sutor Bank vorliegenden Dax-Prognosen für 2017 hätten 29 bei maximal 12.000 Punkten gelegen – also rund 1.000 Punkte unterhalb des aktuellen Stands. Ein Bankhaus wagte sich mit seiner Prognose von 12.300 Punkten am weitesten nach vorne. Die niedrigste Prognose lag bei 10.400 Punkten. Damit haben die Prognosen eine Spanne von nahezu 2.000 Punkten.

Eine Auswertung der Sutor Bank, die die Prognosen mit der tatsächlichen Dax-Entwicklung über 20 Jahre vergleicht, zeigt: Erst der jährliche Durchschnitt aller Dax-Prognosen von 8,2 Prozent liegt annähernd in Reichweite der durchschnittlichen jährlichen Entwicklung der vergangenen 20 Jahre von 5,76 Prozent. „Dass langfristig die durchschnittlichen Dax-Prognosen mit der tatsächlichen Dax-Entwicklung ungefähr vergleichbar sind, reicht nicht zur Ehrenrettung der Prognostiker, sondern ist allenfalls eine unterhaltsame Fußnote“, so Neumann. Die Unterschiede zwischen den jährlichen Prognosen und der tatsächlichen Index-Entwicklung sind zum Teil immens: In den vergangenen 20 Jahren lag die Differenz allein in 13 Jahren – 2017 mitgerechnet – bei  mehr als zehn Prozentpunkten.

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