Börsencrash
Erinnerungen an 1987

Völlig überraschend brach am Abend des 19. Oktober 1987 ein gewaltiger Börsencrash über den amerikanischen Aktienmarkt herein, das so genannte „Montagsmassaker“. Schnell macht das Wort vom „Schwarzen Montag“ die Runde, und Erinnerungen an den „Schwarzen Freitag“ und die folgende Weltwirtschaftskrise werden aufgewärmt – Ursachen und Gründe der Krise.

DÜSSELDORF. Damals gab es in den Abendnachrichten des Fernsehens kaum Wirtschaftsmeldungen. Damals servierten die Sender vorwiegend politische Themen. Damals koexistierte noch die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken im Gleichgewicht des Schreckens mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Damals, vor genau 20 Jahren, studierte ich in Washington – und wunderte mich, nach einem langen Tag an der Uni, dass die Hauptabendnachrichten mit einem Wirtschaftsthema begannen. Und was für einem!

Der Moderator der CBS Evening News, Dan Rather, berichtet an diesem Montagabend, dem 19. Oktober 1987, über einen gewaltigen Börsencrash, der scheinbar völlig überraschend über den amerikanischen Aktienmarkt hereinbrach. Kurz darauf schwenkt die Kamera auf das Parkett der New Yorker Börse. Händler mit weit aufgerissenen Augen und zerzaustem Haar sprechen von einem „Montagsmassaker“. Der CBS-Reporter an der Wall Street fängt bizarre Stimmen ein, wie die einer Analystin, die einer Theaterbesucherin gleich ein „faszinierendes Blutbad“ rezensiert.

Schnitt. Präsident Ronald Reagan erscheint auf dem Bildschirm wie ein Vater, der sein Kind über den Verlust eines Knudelteddys hinwegtröstet: Die amerikanische Wirtschaft sei stark und intakt, lautet seine Botschaft. Will sagen: Bald ist wieder Geld für ein neues Kuscheltier da. Und so endet auch die Berichterstattung über den 87er-Crash mit einem Passanten, der in die Kamera sagt, er halte nichts von Panikverkäufen und kaufe jetzt. Das letzte Wort hat ein Broker, der dem erstaunten Publikum verkündet, der Markt sei ein Zoo. So gelingt der Brückenschlag zur Sondersendung am späteren Abend. Die beginnt „Anchorman“ Dan Rather augenzwinkernd mit der Erklärung, was ein Bulle und was ein Bär ist – an der Börse versteht sich.

War was passiert? Im wirklichen Leben und in der wirklichen Wirtschaft war der Crash doch nur wenig zu spüren. Was war passiert?

Der Dow-Jones-Index sackte binnen weniger Handelsstunden um 22,6 Prozent ab. Das war und ist der bislang größte Tagesverlust. Das ist so, als stürzte er am heutigen Tag um rund 3 100 auf 10 800 Punkte, oder als verlöre der Deutsche Aktienindex (Dax) – den es damals noch nicht gab – vom derzeitigen Niveau schlagartig 1 800 Punkte. Die 30 größten US-Industriewerte waren am 19. Oktober 87 auf einen Schlag 500 Milliarden Dollar weniger wert.

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