Börsenjahr
Der Mythos vom „Januar-Effekt“ verblasst

Jahrzehntelang war die Entwicklung im Januar maßgeblich für den Erfolg eines Börsenjahres. Inzwischen macht ein mieser Start keinen mehr nervös, auch wenn die Laune vieler Börsianer in den letzten Wochen gelitten haben dürfte. Viel wichtiger ist ihnen die Frage, wann der erste Zinsschritt von der US-Notenbank kommt.
  • 2

FRANKFURT. "Wir gehen davon aus, dass globale Aktien Ende 2010 rund 15 Prozent über ihrem derzeitigem Niveau notieren werden, wobei mit höheren Kursen vor allem in der ersten Jahreshälfte zu rechnen ist", zeigen sich zum Beispiel die Experten der ING unbeeindruckt.

Gleich mehrere Faktoren kamen zu Jahresbeginn zusammen, die Fondsmanager, Anlageberater und Privatanleger gleichermaßen optimistisch ins Jahr starten ließen. Zum einen hatte der Dax in den letzten Tagen des Jahres 2009 noch die Hürde von 6 000 Punkten übersprungen und mit 5 957 Punkten nur marginal darunter geschlossen. Einem weiteren Aufschwung standen so alle Türen offen. Zumal mit dem Januar einer der traditionell besten Monate des Jahres anstand. Da sind die Investoren wieder risikobereit, lautet die weit verbreitete Theorie, da bieten sich wieder viele neue Chancen, und da beginnt gerade unter den institutionellen Anlegern aufs Neue der Wettstreit, wer den Vergleichsindex schlägt.

Schon das dritte Jahr in Folge startet der Dax mit einem Minus

Wie wenig von dieser Theorie in der Praxis wahr wurde, beweist der Dax, der mit einem Minus von knapp fünf Prozent ins Jahr gestartet ist. Im Vorjahr waren es 10 Prozent und 2008 gar 15 Prozent. Dass ein misslungenerAuftakt im Schnitt nur eine bescheidene Jahresrendite von im Schnitt 1,7 Prozent bringt, wie es noch vor rund fünf Jahren eine Studie der WestLB zeigte, stellen die Entwicklungen der vergangenen Jahre komplett in Frage. 2008 brachte nach dem verdorbenen Auftakt ein Minus von fast 40 Prozent für den Dax, im Jahr darauf folgte nach ebenfalls deutlichen Verlusten zum Start noch ein Plus von 24 Prozent.

Bange ist den Börsianern deswegen diesmal nicht. Das belegen die Zahlen von US-Unternehmen, die bislang ihre Bilanzen vorgelegt haben. "Das Verhältnis von positiven zu negativen Überraschungen liegt etwa bei vier zu ein", sagt Ralf Zimmermann vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Kernproblem ist seiner Ansicht nach im Moment für die Märkte, dass die Unternehmen nicht in gleichem Maße ihre Prognosen für das laufende Jahr nach oben schrauben: "Das ist der klare Unterschied gegenüber dem zweiten und dritten Quartal 2009, als die Erwartungen deutlich erhöht wurden."

Ein ähnliches Bild könnte diese Woche zeigen, wenn die Berichtsaison in Deutschland allmählich in Gang kommt. "Es ist unwahrscheinlich, dass sich dieser Trend in den kommenden Wochen ändert", sagt Lars Kreckel von BNP Paribas. In der Praxis heißt das, dass überraschend hohe Gewinne Börsianer wohl nur gähnen lassen, während enttäuschende Zahlen oder Prognosen abgestraft werden.

Seite 1:

Der Mythos vom „Januar-Effekt“ verblasst

Seite 2:

Kommentare zu " Börsenjahr: Der Mythos vom „Januar-Effekt“ verblasst"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dann können wir als neue Gesetzmäßigkeit die "Januardelle" mal ins Programm aufnehmen! Die sogenannte "Jahresendrally" findet mittlerweile ja auch in der ersten Januarwoche statt. Einige Entwicklungen lassen sich also prima voraus sagen. Und für den Rest gilt: Keine Regel ohne Ausnahme!
    @Siggi40: So schnell wird das ganze billige Geld nicht vom Markt verschwinden! Wir werden noch einige Zeit damit geflutet.

  • „Viel wichtiger ist ihnen die Frage, wann der erste Zinsschritt von der US-Notenbank kommt“

    2009 wurden die börsen durch unendliche und fast zinslose Kredite der Zentralbanken geflutet.
    Allein im Juni verteilte die EZb 442 Mrd. Euro, die Fed sogar 1,5 bio. Dollar, damit Kredite an die Realwirtschaft ausgegeben werden. Doch fast das gesamte Steuergeld wurde postwendendend an den börsen und im Eigenhandel gleich wieder verzockt.

    Die Tender der Zentralbanken müssen 2010 sukzessive zurückbezahlt werden. Welche Auswirkungen dies auf die börsen hat, kann sich doch jeder selbst ausmalen.
    Die börse ist zum absoluten Zockermarkt verkommen. Von der Entwicklung und den Erwartungen der Realwirtschaft, dem Ursprungsgedanke der börse, sind wir weiter entfernt als der Mond.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%