Börsenjahr

Schuldenkrise macht Aktien attraktiv

2010 war das Jahr der Schuldenkrise. Im kommenden Jahr wird es an den Märkten turbulent weitergehen. Welche Anlagestrategien für das kommende Jahr empfehlenswert sind und wovon Invenstoren lieber die Finger lassen sollten.
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Platz vor der Frankfurter Börse: Bekommen es die Anleger mit dem Bullen oder dem Bären zu tun? Quelle: ap

Platz vor der Frankfurter Börse: Bekommen es die Anleger mit dem Bullen oder dem Bären zu tun?

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FRANKFURT. Für Michael Rottmann ist die Anlagestrategie für das kommende Jahr klar: "Alles außer Staatsanleihen", sagt der Leiter der Zins- und Währungsstrategie der Unicredit. Selbst von den als sicherer geltenden Bundesanleihen rät Rottmann ab. "Bundesanleihen haben zuletzt viel von ihrem Nimbus als sicherem Hafen verloren, weil nicht klar ist, welche Kosten die Kernländer im Euro-Raum für die Unterstützung der Euro-Randländer tragen müssen", sagt Rottmann. Angesichts der niedrigen Renditen von derzeit knapp drei Prozent für zehnjährige Bundesanleihen sei ohnehin nicht mehr viel zu holen.

Riskante Staatsanleihen

Die Anleihen der Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal und auch Spanien bringen zwar hohe Renditen - zwölf Prozent für zehnjährige griechische und fast fünfeinhalb Prozent für spanische Staatsanleihen. Für die meisten Strategen sind diese Papiere aber viel zu unsicher. Schließlich ist noch nicht klar, ob die Staaten die Investoren am Ende nicht doch zur Kasse bitten und Zinszahlungen oder gar Rückzahlungsbeträge kürzen werden.

Die Zinspapiere der meist nur gering verschuldeten Schwellenländer stellen eine Ausnahme dar. Doch in alle anderen Staatsanleihen ist das Vertrauen der Anleger erschüttert. Und daran wird sich so schnell nichts ändern. "Die Schuldenkrise dürfte auch bis weit in das nächste Jahr und darüber hinaus einen starken Einfluss auf die Märkte haben", sagt Richard Urwin vom Vermögensverwalter Blackrock: "In gewisser Hinsicht könnte sich 2011 wie eine Wiederholung des letzten Jahres anfühlen."

In diesem Jahr zeichnete sich bereits ab, dass viele Anleger lieber auf Unternehmen setzen, die sie für solide halten, statt ihr Geld einem hochverschuldeten Staat zu leihen. "Die Marktteilnehmer werden sich langsam der Tatsache bewusst, dass Investitionen in gut geführte Unternehmen das eigentlich nachhaltig sichere Investment sind - und eben nicht Staatsanleihen", sagt Daniel Zindstein, Portfoliomanager bei German Capital Management.

Zwar fällt es großen Investoren wie Versicherungen, Stiftungen und Pensionsfonds schwer, ihre Aktienquote auf die Schnelle zu erhöhen. Experten gehen aber davon aus, dass ihnen langfristig keine andere Wahl bleibt, wenn sie nicht auf Rendite verzichten wollen.

Die Kapitalmarktexperten der LGT Bank stellen sich die Frage, ob es in Zukunft überhaupt noch risikolose Geldanlagen gebe: Vor allem institutionelle Anleger müssten sich immer mehr auch nach alternativen Investmentmöglichkeiten umsehen. Sie würden gezwungenermassen wieder vermehrt in Aktien - zum Beispiel Papiere mit hohen Dividendenrenditen -, oder Schwellenländer-Aktien, Rohstoffe und Hedge-Fonds investieren.

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6 Kommentare zu "Börsenjahr: Schuldenkrise macht Aktien attraktiv"

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  • Firmen wie die Deutsche Post, Siemens oder General Electric wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in 50 Jahren noch geben. Der Kurse werden ggf. fallen, aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Ob der Euro 2011 übersteht ist fraglich. Wenn viele Deutsche ihr Geld in Aktien umtauschen, dann schaffen sie den Euro praktisch ab (ob die Politiker wollen oder nicht - der Euro ist dann Geschichte). Und auch hier gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

  • Jetzt noch in Aktien zu investieren, ist widersinnig nach den eigenen Worten der Autoren: Allein die gegenwärtig expansive Notenbankpolitik verhindert die überfällige Kontraktion. Die bewertungen orientieren sie ebenso an der überreichlichen Liquidität wie auch dem daraus folgenden Anlagenotstand. So enstehen Tautologien. Da jederzeit und eher als später die Zügel zur Rückführung der Geldschwemme angezogen werden (müssen), wird der bevorstehende Entzug zu Abstürzen an den Aktienmärkten führen müssen. Deren bewertungen werden sich der geringeren Liquidität anpassen - 20% Abschlag kommen dabei schnell zusammen.

  • ich habe den Eindruck, dass unsere Politiker ihren Schwur:"den Wohlstand des deutschen Volkes mehren" schlicht vergessen haben oder (wahrscheinlicher) absichtlich nicht einhalten. Denn sie sind fleißig dabei, den Wohlstand des deutschen Volkes auf die gesamte EUdSSR aufzuteilen!

  • Komisch dass das Hb immer schreibt wie toll Aktien sind und Gold jede Woche eine neue blase ist. Das das schöne Geld das die Zentralbanken in die Märkte pumpen in Aktien und Anleihen fließt schein das Hb noch nicht verstanden zu haben. Dass die blase platzt wie 2008/2009 ist sicher. Spätestens wenn der Erste Statt pleite ist...USA, Gb, PiGS.....

    Das handelsblatt hat langsam das Niveau der bildzeitung....leider

  • Die Anlagestrategien sind so interessant wie kalter Kaffee....
    Meine Strategie - physisches Silber und Gold ist bisher glänzend gelaufen !!!!
    Und der korrupte Staat kommt auch nicht so leicht drann.
    Mal von der Sicherheit gegen den bald kollabierenden Dollar, Euro etc.... mal ganz abgesehen...

  • The Trend is your Friend

    Der Dubai-Sandkasten implodierte, weil sich investoren mit minimalem Eigenmittelanteil in immobilien einkaufen konnten. (5%)

    Eine Wechselwirkung durch NiCHTVERMiETEN der Objekte hielt das Angebot gering, worauf steigende Mieten steigende Kaufpreise induzierten.

    Überangebot, ein stockender Kreditfluss und damit steigende Zinsen ließen das Perpetuum Mobile letztendlich kollabieren.

    Die chinesische immo-blase schickt sich gerade an, der von Dubai zu folgen.

    Einzelne der großen US-Geldhäuser halten Rohstoff-Positionen in Höhe von 1000 Mrd. USD und beherrschen so 70-80% des Derivativmarktes. (ETF - ExchangeTradedFunds)

    Die big Player investieren nicht einfach ins blaue hinein, sondern sehen aufgrund des HEDGiNG-Order-Flows der Wirtschaft wohin die Reise geht.

    Fluggesellschaften hedgen ihren Treibstoffverbrauch immer weiter in die Zukunft - zumindest solange ihre Umsätze steigen.

    beginnen die Umsätze zu sinken, reduzieren sie auch ihre aufgebauten Sicherungs-Positionen und machen so doppelt Druck auf die Preise.

    Die brokerhäuser sehen das am Order-Flow und verstärken den Turnaround.

    Je länger Uptrends bestehen, desto mehr Angebot kommt auf den Markt - auch dies trägt dazu bei, dass die bäume nicht in den Himmel wachsen.

    Die Propaganda-Maschinerie versucht immer penetranter durch einseitige interpretationen die hohen Preise zu stützen, bis Limit-Downs (Handelsaussetzung ab -5%) die Handelstage bestimmen.

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