Börsenlage: Strategen raten zum Pokern

Börsenlage
Strategen raten zum Pokern

Die Szene erinnert derzeit an eine Poker-Runde. Drinbleiben und den Gewinn erhöhen oder rechtzeitig aussteigen, um ein unnötig hohes Risiko zu vermeiden? So stellt sich die Börsenlage derzeit für viele Aktionäre dar. Experten raten jedoch nur ganz vorsichtigen Anlegern, schon jetzt die Segel zu streichen.

FRANKFURT. Hintergrund ist, dass für die großen Banken und Vermögensverwalter in diesem Jahr "das Endspiel" läuft, wie es William De Vijlder, Chef-Anlagestratege bei Fortis Investment, ausdrückt. Das soll heißen, dass die Aktienhausse ausläuft. In dem Vier-Phasen-Modell, das einst von den Analysten der US-Großbank Citigroup erfunden worden ist, befinden sich die Märkte derzeit in Phase drei, schätzen die Experten. Hier steigen Aktien noch, während Unternehmensanleihen schon fallen. In Phase vier fallen dann beide Anlageklassen. Kernfrage ist: Wie lange hält Phase drei noch an und wann ist der Übergang in Phase vier? Schließlich lässt sich erfahrungsgemäß in der Endphase einer Aktienhausse - die aktuelle läuft bereits seit fünf Jahren und damit außerordentlich lange - häufig am meisten verdienen. Im Gegenzug dazu sind die Verluste in der anschließend aufziehenden Baisse-Phase oft höher als in der Endphase der Hausse.

Diesem Spagat begegnet Klaus Hagedorn, Chefstratege beim Bankhaus Metzler, mit einem Schwerpunkt auf Wachstumsaktien. "Sie weisen in einem Umfeld mit nachlassender Wachstumsdynamik der Unternehmensgewinne eine überdurchschnittliche Wertentwicklung auf", sagt er. Unter Wachstumswerten ("Growth") verstehen Börsianer im Gegensatz zu Substanzwerten ("Value") Aktien, denen sie umfangreiche Gewinnsteigerungen zutrauen. Deshalb werden sie in der Regel höher bewertet und gelten als spekulativ. Auf Branchenseite gehören hierzu Rohstoff, Pharma-, Automobil- und Technologiewerte.

Zweifel, dass das Wachstum in Europa schon in diesem Jahr deutlich zurückgehen dürfte und gerade deswegen Wachstumstitel besonders leiden könnten, hat auch Alfred Roelli, Chef-Stratege beim feinen Genfer Bankhaus Pictet nicht: "Das Wachstum hier geht weiter, selbst wenn es sich in den Vereinigten Staaten abschwächen sollte", sagt er.

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