Börsenprognosen
Keine Angst vor dem Angstbarometer

Je größer die Angst an den Börsen, umso heftiger die Kursausschläge. Zurzeit ist es eher still: Der V-Dax, der erwartete Dax-Schwankungen widerspiegelt, ist niedrig. Das macht vielen Marktkommentatoren erst recht Sorge.
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DüsseldorfEs scheint wie ein Widerspruch: Derzeit erwarten Anlegerprofis, dass die Kurse an den Börsen künftig nur gering schwanken. Doch gerade deswegen warnen jetzt Analysten: Vorsicht, wenn die Erwartungen an einen ruhigen Börsenverlauf so hoch sind, dann könnte bald ein Unheil losbrechen.

Sie sehen es wie eine Ruhe vor dem Sturm. Wenn keiner mehr mit einem Einbruch der Kurse rechnet, dann ist die Gefahr besonders groß. „Die Sorglosigkeit der Anleger ist bedenklich“, verkündeten Analysten der BayernLB schon im März. Auch jetzt sind solche Kommentare wieder zu lesen, auch im Handelsblatt. Haben die Warner recht?

Gemessen wird die Schwankungsbreite in Deutschland gerne anhand des Volatilitäts-Index, dem sogenannten V-Dax. Dieser dümpelt ziemlich niedrig bei 15 Punkten und weniger herum. Der Index misst die erwartete Schwankungsbreite für die kommenden 30 Tage anhand der auf den Leitindex gehandelten Optionen. Er heißt deshalb auch „Angstbarometer“.

Erwarten die Börsianer ein heftiges Rauf und Runter, dann können sie locker auf hohe oder niedrige Stände des Dax wetten und mit relativ guter Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass ihre Wette innerhalb der Laufzeit ihrer Option aufgeht. Irgendwann wird der Dax bei dem Auf und Ab schon die erwartete Marke erreichen. Bei hohen Schwankungsbreiten werden diese Wett-Papiere deshalb auch ziemlich teuer, der V-Dax geht nach oben.

Rechnen die Börsenteilnehmer dagegen eher mit minimalen Kursschwankungen, sind die Chancen, dass ihr Papier in den kommenden Wochen deutlich wertvoller wird, eher niedrig, die Optionen sind billig, der V-Dax ist im Keller. 

Wenn man sich anschaut, wie sich Dax und V-Dax über Jahre bewegt haben, ergibt sich ein frappierendes Bild: Sobald der Leitindex abstürzte, schoss der V-Dax nach oben. Zuvor war er eher niedrig geblieben. Und umgekehrt. Wenn es mit den Börsen lange aufwärts geht, sackt der V-Dax immer weiter ab.

Seite 1:

Keine Angst vor dem Angstbarometer

Seite 2:

Der V-Dax und die Kursentwicklung der Aktienmärkte

Kommentare zu " Börsenprognosen: Keine Angst vor dem Angstbarometer"

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  • Sehr geehrte Frau Hussla,

    tieffliegende Schwalben gelten als Vorbote für herannahenden Regen. Hier haben wir ein Beispiel für einen vorauseilenden Indikator ("leading indicator). Der tiefe Flug eilt voraus und zeigt an, dass später Regen folgen wird. Solche vorauseilenden Indikatoren sind für den Anleger ein wertvolles Hilfsmittel.

    Was aber ist, wenn zuerst der Regen kommt und der Tiefflug der Schwalben folgt zeitverzögert erst später? Dann haben wir ein Beispiel für einen hinterherhinkenden Indikator ("lagging indicator). Er hat keinen prognostischen Wert, sondern zeigt nur die vergangene Entwicklung an. Diese Betrachtung bringt dem Anleger keinen Vorteil.

    Wenn Sie die Kurven Ihres Schaubildes näher betrachten, wird deutlich, dass der VDAX dem DAX hinterherhinkt.

  • ---@ Herr Lothar Bitschnau

    Und die Medien liefern allzuoft die nützlichen Nachrichten dazu.
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    Ich darf sie beruhigen, wir liefern (Daytrader) zwar den Märkten oft erst die nötige Liquidität, damit sie laufen können. aber eins sollten sie wissen, die "Medien" sind dabei unbedingt zu meiden. Wehe dem Trader, der auf die Medien achtet, der macht nur Verluste.

    Wir haben andere Info-Quellen, denn wir können es uns nicht leiten, dass wir uns so brutal belügen lassen. HB & Co ist immer für einen Brüller gut und neue Witze liest man in der Wirtschaftsnachrichten.

  • HB:
    "Erwarten die Börsianer ein heftiges Rauf und Runter, dann können sie locker auf hohe oder niedrige Stände des Dax wetten ..."
    Die Rede ist von Börsianer, hier Spieler die Wetten abschließen.
    Das sind nicht die Häuptlinge, die Unternehmenseigentümer, die Aktionäre die sich am jeweiligen Unternehmen beteiligt haben.
    Diese "Wettkämpfer" sind Menschen oder Institutionen die einander das Geld abjagen und
    die Volatibilität erst produzieren. Beispielsweise Leerverkäufer die Aktien verkaufen die sie nicht haben, damit Kurse runter jagen um unten zu kaufen, auf Null stellen und damit auf Kosten anderer Gewinne machen.
    Und die Medien liefern allzuoft die nützlichen Nachrichten dazu.

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