Börsenpsychologie
„Kaufen bei 12.000 Punkten? Ja, warum nicht“

Viele Anleger haben derzeit Höhenangst. Aktien kaufen nahe Rekordständen? Oder lieber eine Korrektur abwarten? Anleger können viele Fehler machen. Warum sie so häufig falsch liegen und was jetzt richtig wäre.
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DüsseldorfVor gut einem Monat, als das deutsche Börsenbarometer nach einer mehrwöchigen Rally die 11.000 Punkte erklomm, haben viele Anleger noch gelacht, wenn Experten die 12.000 in Aussicht gestellt haben. So ein Unsinn! Solche Prognosen konnten sie nicht ernstnehmen. Doch die Realität sieht nun anders aus. Der Leitindex notiert bei rund 12000 Zählern - und bringt diejenigen Anleger, die nicht davon profitieren haben, in Schwierigkeiten. Was sollen sie jetzt machen? Einsteigen oder eine Korrektur abwarten?

Joachim Goldberg fällt die Antwort auf diese Frage leicht: „Es ist oft besser, direkt einzusteigen“, sagt der Experte für Börsenpsychologie. Seiner langjährigen Erfahrung nach ist es schwer, Korrekturen vorauszusagen und entsprechend zu handeln. Schließlich warten jetzt viele Anleger nach dem rasanten Kursanstieg auf niedrige Notierungen, um wieder einzusteigen. Ein Plan, der oft nicht aufgeht. „Kaufen bei 12.000 Punkten? Ja, warum nicht“, ruft Goldberg den Zauderern zu.

Für den ehemaligen Devisenhändler ist die aktuelle Skepsis, die die neuen Rekordstände begleitet, ein weiteres Indiz, dass der Aufwärtstrend auch am deutschen Aktienmarkt noch nicht beendet ist. „Denn hinter dieser Skepsis stecken Engagements, die schon seit Längerem auf fallende Kurse setzen“, meint er.

Der studierte Bankfachwirt beschäftigt sich intensiv mit der sogenannten Behavorial Finance, der verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse. Sein Fazit: Finanzmärkte können nicht immer effizient sein und Anleger sind nur begrenzt rational.

Das sieht Crash-Prophet und Bestseller-Autor Max Otte auch so. „Die Wahrnehmungen – nicht nur von Privatanlegern – sind durch eine Vielzahl von Vorurteilen geprägt“, sagt er. Er nennt beispielsweise den Home Bias, also die Heimatverliebtheit der Investoren. Sie bevorzugen heimische Werte gegenüber ausländischen.

Wie extrem diese Verbundenheit ist, zeigt eine Auswertung der DAB Bank. Die Münchner haben sich vor einiger Zeit den Aktienanteil ihrer Kunden genauer angeschaut. Das Ergebnis ist mehr als eindeutig: 66 Prozent des investierten Geldes steckt in deutschen Aktien.

Auch der sogenannte Availability Bias verzerrt laut Otte die Wahrnehmung. Damit ist eine stärkere Nutzung von vorhanden Informationen gemeint, unabhängig davon, ob diese relevant sind oder nicht.

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Was sich Anleger einbilden

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  • Lobenswert, dass Sie Behavioral Finance in Ihr Repertoire aufnehmen und die gängigsten Biases erklären. Sie sollten jedoch auch die Quellen dazu richtigstellen, und zwar kein gewisser Herr Goldberg oder die üblichen Standards Herren Otte und Müller, sondern Nobelpreisträger Daniel Kahneman, der sämtliche dieser Biases verständlich verschriftlicht hat.

  • Was Ralph schreibt, ist fast richtig, bis auf den Punkt Vermögensverwaltung. Hier liegen die Einstiegssummen bei weitem nicht bei 1 Mio. Gute Verwaltungen fangen auch schon bei deutlich niedrigeren Summen an. Am wichtigsten ist hier aber, nicht zu einer Bank zu gehen, sondern immer zu einem unabhängigen Vermögensverwalter. Verkaufspolitik von oben hat in der Vermögensverwaltung nichts verloren.

  • Viel wichtiger als den "besten" Einstiegszeitpunkt zu treffen ist es, den besten Ausstiegszeitpunkt zu treffen.
    Je weiter der in der Zuklunft liegt, desto besser.
    Die 5-10 % Rendite pro Jahr bei einer Langfristanlage ist in unterschiedlichen UNtersuchungen bestätigt. Der Langfristkursverlauf von s+p oder Dow sprechen da für sich.

    Selbst wenn man jetzt "falsch" eingestiegen ist und z.B. 20 % Kursverlust im Depot stehen hat sollte das bei 5-10 % im Jahr kein Probelm sein wenn der Anlagehorizont stimmt.

    Übrigens: So wie heute mal eine Dow-Entwicklung von 200 Punkten keine Schlagzeile mehr wert ist, wären 200 Punkte noch vor 20 Jahren eine Sensation gewesen. Eine logarithmische Sichtweise hilft also den Blick zu klären. Heute eine 1000 Punkte Bewegung könnten in xy Jahren absolut gesehen eine Tagesschwankung sein!
    Ich weiß: Kaum vorstellbar.... leider beim Blick auf Langfristcharts eine Tatsache.

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