Börsenrally Den Bullen reiten

Die Spannung an der Börse wächst: Der Dax setzt zum Sprung auf die 8.000-Punkte-Marke an. Soll man jetzt noch einsteigen oder ist das Beste schon vorbei? Welche Aktien sich noch lohnen.
6 Kommentare
Die Skulptur des Bullen vor der Frankfurter Börse. Quelle: ap

Die Skulptur des Bullen vor der Frankfurter Börse.

(Foto: ap)

DüsseldorfDie Nervosität wächst mit jedem Tag, an dem der Dax sich weiter der Marke von 8.000 Punkten nähert. Zumindest bei vorsichtigen Anlegern wie Jürgen Dickemann. „An der 8.000er-Klippe ist der Dax in den letzten zehn Jahren zweimal gescheitert und danach massiv eingebrochen“, warnt er. Der Investor managt zwei Spezialfonds für reiche Kunden einer Privatbank. Die lassen ihm freie Hand; er kann Aktien, Anleihen, Bargeld, Derivate mischen. Verluste macht Dickemann selten, und wenn, dann kleine. Das soll so bleiben. Zuletzt habe er daher kaum Aktien gekauft, sagt er. Dem bekennenden Antizykliker missfällt, dass im Moment „scheinbar alle für Aktien sind“. Die Erfahrung lehre: Wenn es erst mal so weit ist, dann ist das Beste an der Börse oft schon vorbei.

In der Tat schwindet bei vielen Anlegern derzeit das Unbehagen gegenüber der Börse rapide, die Risikobereitschaft steigt, und Aktien sind wieder gefragt. Seit dem Krisentief im März 2009 hat der Dax rund 115 Prozent zugelegt, stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit fünf Jahren.

Zum einen treibt die Erleichterung über ausgebliebene Katastrophen die Kurse: Seit die Europäische Zentralbank im Juni ankündigte, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen, ist die Euro-Krise im Bewusstsein der Börsianer vorerst entschärft. Die Renditen der Krisenländer-Anleihen sind gesunken, die Gefahr von Staatspleiten ist damit – vorerst – gebannt.

Aber kann pure Erleichterung für nachhaltige Kurssteigerungen sorgen? Stabiler scheint der zweite Faktor, der die Börsen befeuert: der Mangel an Alternativen. „Viele Aktien solider Konzerne mit stabilen Gewinnen sind zwar historisch gesehen auch nicht mehr ganz billig, im Vergleich zu Anleihen und Immobilien aber immer noch attraktiv. Sie bringen Dividendenrenditen von drei bis vier Prozent“, sagt Peter Reichel, Chef der Vermögensverwaltung bei Berenberg, „das ist das Doppelte der Umlaufrendite von Unternehmensanleihen mittlerer Laufzeit und drei Mal so viel wie zehnjährige deutsche Staatsanleihen.“

Folge: Immer mehr wohlhabende Privat- und große institutionelle Anleger kehren an die Börse zurück. Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau, der Zehntausende von Depots analysiert, beobachtet, „dass mit der Fortdauer des Zinstiefs und Anlagenotstands die Anti-Aktien-Front weiter bröckelt“. Viele Anleger seien nach Rendite regelrecht „ausgehungert“, so Beck. Das betreffe wohlhabende Privatleute genauso wie die Manager von Versicherungen, Pensionsgeldern und Stiftungen.

Vergangene Woche erzählte der Manager einer Lebensversicherung stolz, dass er seine Aktienquote 2012 „fast verdoppelt“ habe – von 1,6 auf 2,8 Prozent. Immerhin.

Viele wollen noch unbedingt aufspringen

Die Aktienrally aus Mangel an Alternativen könne „noch eine ganze Weile anhalten“, meint sogar der notorisch pessimistische Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer von PSM in München. „Viele institutionelle Anleger stehen Gewehr bei Fuß, sie warten auf einen Rücksetzer, um etwas günstiger reinzukommen, wollen aber die nächste Dividenden-Saison im April und Mai unbedingt mitmachen.“ Sollte der Rücksetzer ausbleiben, würden sie nervös.

„Viele waren schon 2012 nicht dabei, als der Dax kräftig zulegte, jetzt wollen sie unbedingt noch aufspringen“, sagt Hendrik Leber vom Fondsanbieter Acatis.

Droht da schon die nächste Blase? „Die Euro-Krise ist nur besänftigt, nicht behoben; ein Rückschlag ist daher jederzeit möglich“, sagt Reiner Sachs, Vorstand Shareholder Value AG. Doch auch er bleibt optimistisch: Durchaus denkbar sei zum Beispiel, „dass die Weltwirtschaft und damit die Unternehmensgewinne 2013 positiv überraschen und die vorausgelaufenen Kurse einholen“, so Sachs. Auch das wäre nicht das erste Mal, meint der Fondsmanager, „ex ante sind Haussen nie erkennbar“.

Auch 1980, 1994 und 2003 entstanden langjährige Haussen aus damaliger Sicht quasi aus dem Nichts. Im Nachhinein stellte sich aber stets heraus, dass die Börse die sich abzeichnende Erholung der Umsätze und Gewinne der Unternehmen nur vorweggenommen hatte.

So könnte es auch diesmal laufen. Immer mehr deutet darauf hin, dass China seine Wachstumsdelle von 2012 überwindet und wieder zur Lokomotive der Weltwirtschaft werden könnte. „Auch die USA könnten positiv überraschen“, meint Sachs. Am Dienstag etwa meldete der zuvor verlustreiche Aluminiumkonzern Alcoa überraschend für das letzte Quartal schon wieder Gewinne.

Die Rally könnte weiterlaufen. Selbst vorsichtige Anleger wie Schäfer und Dickemann meinen, dass „ein paar gute Aktien in jedes Portfolio gehören“. Einem Anleger, der noch gar nicht investiert sei, würde Dickemann „jederzeit, auch heute, zu rund einem Viertel Aktienanteil am Gesamtportfolio raten, je nach Alter und Risikoneigung“. Für eher vorsichtige Anleger böten sich breit streuende Fonds an, meint Anlage-Verhaltensforscher Beck, „in die man häppchenweise, aber regelmäßig investiert, am besten über einen Sparplan“.

So entschärften die Anleger die schwierige Frage nach dem richtigen Timing: Wer regelmäßig investiert, etwa jeden Monat für ein paar Hundert Euro, kauft mal teuer, mal eher günstig. Immerhin umgeht er den verbreiteten Impuls, immer erst zu kaufen, wenn die Kurse schon seit einer Weile gestiegen sind. Genau das tun normalerweise 90 Prozent der Anleger, so Beck. „Das an sich verständliche Zögern und Zaudern kostet die meisten ihre Rendite.“

Besser: konstant investieren, unabhängig von der aktuellen Nachrichtenlage. Für den ersten Schritt sei es nie zu spät, meint Reichel: „Das Diskriminieren einer ganzen Anlageklasse ist immer falsch; man braucht zu jeder Zeit eine Mischung aus Bargeld, Gold, Anleihen und eben auch Aktien.“

Welche Aktien langfristig stabil sind

Wer schon viele Aktien im Depot halte, sollte aber nicht ausgerechnet jetzt, nach mehr als 100 Prozent plus im Dax vom letzten Krisentief aus, auf breiter Front aufstocken. „Lieber auf einen Rücksetzer warten und dann an schwachen Börsentagen in mehreren Schritten Qualitätsaktien nachkaufen“, rät Reichel.

Wer große europäische Standardaktien im Paket kauft, kann das Risiko verringern, mit einzelnen Aktien falsch zu liegen. Günstiger als aktiv gemanagte Fonds sind börsennotierte Index-Fonds, sogenannte ETFs. Der ETF Euro Stoxx 50 baut durch direkte Investments in die 50 größten Aktien aus Euro-Land den Verlauf des Index exakt nach.

In den vergangenen drei Monaten kletterte der Fonds so um 17 Prozent, genau wie der Index. Das zu tun geben alle ETF-Anbieter vor, doch nicht alle schaffen es. Die Dividenden der im Index enthaltenen Aktien werden ausgeschüttet; das bringt vier Prozent Jahresrendite obendrauf.

Als laufende Gebühren zieht der Fonds nur 0,16 Prozent pro Jahr vom Kurs ab. Die Spanne zwischen Kauf und Verkauf (Spread) ist mit weniger als 0,1 Prozent günstig. Der Fonds ist seit mehr als zehn Jahren auf dem Markt und zählt mit einem Volumen von 3,8 Milliarden Euro zu den Großen der Branche.

Nur wenige aktiv gemanagte Fonds schlagen den Vergleichsindex, sie kosten dafür etwas mehr als ein ETF, der einfach den Index nachbildet. Zu den derzeit besten zählt der Comgest Growth Europe. Er investiert in Papiere aus ganz Europa, meidet aber stark schwankende Werte.

Zu den langfristig kaufenswerten Einzelaktien gehört BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern dürfte überproportional von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren. BASF ist stark in China und hat in den vergangenen Jahren große Teile seiner weltweiten Verbundproduktion in Asien aufgebaut, um nahe an der entstehenden Nachfrage zu produzieren.

Damit ist BASF der Prototyp des soliden westlichen Konzerns mit den Vorteilen hiesiger Bilanzierung und hohem Schwellenländeranteil am Umsatz. „Dieser Typ Aktie dürfte weiter profitieren, denn damit können sich Anleger indirekt am weiterhin überproportional steigenden Wachstum der Schwellenländer beteiligen, ohne sich dort direkt ins Abenteuer stürzen zu müssen“, sagt Sachs.

Welche Aktien von den Schwellenländern profitieren

Der schwedisch-schweizerische Industriekonzern ABB ist weltweit stark im Geschäft mit dem Ausbau der Stromnetze und dem Trimmen von Industrieanlagen zu mehr Energieeffizienz. In der ersten Hälfte 2012 litt die Aktie stark unter der nachlassenden Dynamik der Weltkonjunktur. Langfristig sollte der Trend zur Energieverknappung und -teuerung aber anhalten. Elektrische Energie steigt von allen Energieformen weltweit seit Jahren am stärksten im Preis. ABB konnte zuletzt zahlreiche Aufträge aus Asien an Land ziehen. Zudem will sich das Management von der unrentablen Fotovoltaik trennen.

Die besten Aktien der Welt

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
FSE

-0,20 -0,12%
0,00€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
VW
1 von 30

Volkswagen

Die VW-Aktie ähnelte die vergangenen Wochen dem VW-Käfer: Sie lief und lief und lief. Insbesondere die sinkende Nachfrage in Europa macht VW kaum zu schaffen, da der Konzern sehr international und vor allem China gut aufgestellt ist. Branchenkenner Marc-René Tonn von M.M.Warburg glaubt daran, dass VW zum weltgrößten Autobauer aufsteigen könnte.

Insgesamt raten zehn Analysten zum Kauf der Aktie, fünf schlagen vor sie zu halten und kein Analyst rät zum Verkauf (Quelle: Bloomberg)*.

*Internationale Analysten haben die für Anleger 30 weltweit attraktivsten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens zehn Milliarden Euro bestimmt.

DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005552004
Börse
FSE

+0,22 +0,59%
0,00€
Chart von DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Post
2 von 30

Deutsche Post

Unter die Räder kam die Aktie durch das eingeleitete Verfahren des Kartellamtes. Der gelbe Riese soll Daumpingpreise angeboten haben. Trotzdem bleibt die Aktie einen Kauf wert. Grund sei laut Analysen der Commerzbank die gute Stellung in Asien, wo die Tochter DHL ihr Marktführerschaft gegenüber UPS, Fedex und TNT ausbaut. Falls die Bundesregierung demnächst ihre Veto-Macht verliert, wird die Aktie für Großinvestoren interessant. Das könnte die Aktie in die Höhe treiben.

Unter den Analysten ist die Aktie beliebt: 25 empfehlen zum Kauf, neun sie zu halten und nur ein Analyst rät zum Verkauf.

ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008404005
Börse
FSE

0,00 0,00%
+191,74€
Chart von ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Allianz
3 von 30

Allianz

Solidität hilft der Allianz auch in schwerem Fahrwasser Profite zu erzielen. Trotz des Niedrigzinsumfelds und den Unsicherheiten rund um Staatsanleihen korrigierte der Versicherer seine Prognose für das laufende Jahr von 7,9 auf neun Milliarden Euro. Als vorteilhaft erweist sich die Zusammenarbeit mit der US-Tochter Pimco. Gewiss sind bei einem Einstieg in die Allianz Risiken vorhanden, doch die Analysten von JP Morgan empfehlen nichtsdestotrotz eine Übergewichtung von Allianz-Aktien, da die breite Aufstellung den Versicherer gut vor Finanzmarktschocks schütze.

Unter den Analysten herrscht weitgehend Einigkeit: 31 empfehlen den Kauf der Aktie, neun raten sie zu halten und lediglich drei verkaufen Allianzpapiere.

CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005439004
Börse
FSE

-1,30 -0,57%
0,00€
Chart von CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Continental
4 von 30

Continental

Tot gesagte leben länger. So könnte man das Motto der Conitnental-Aktie zusammenfassen. Nach 2003 schaffte es die Aktie zum zweiten Mal in den Dax zurückzukehren. Bisher einmalig in der Geschichte des Dax. Zu verdanken hat Continental das dem lukrativen Reifengeschäft und dem Trend der modernen beziehungsweise ökologiebewussten Fahrzeugelektronik. Für 2013 plant Conti stärker als der Markt zu wachsen. Davon könnten vor allem die Anleger profitieren, denn der Autozulieferer plant 15 bis 30 Prozent des Nettoergebnisses auszuschütten.

Die Anlageexperten empfehlen klar zum Kauf des Dax-Wiederkehrers: 20 von ihnen raten zu der Investition, während nur zwei verkaufen würden. Neun Analysten nehmen eine neutrale Position ein und bewerten das Papier mit "halten".

LINDE AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006483001
Börse
FSE

+0,75 +0,43%
+174,55€
Chart von LINDE AG INHABER-AKTIEN O.N.
Linde
5 von 30

Linde

Der Industriegase-Hersteller hat einen fähigen Mann auf dem Posten des Vorstandschefs: Wolfgang Reitzle hat seit seinem Amtsantritt 2003 den Börsenwert Lindes verneunfacht. Derzeit liegt er bei 24 Milliarden Euro – und er könnte noch weiter steigen. Denn im kommenden Jahr will Reitzle die Kosten um bis zu 900 Millionen Euro drücken. Außerdem konnte sich der Konzern durch intelligente Akquisationen unabhängiger von konjunkturellen Zyklen machen.

26 Börsenexperten empfehlen den Kauf der Aktie, immerhin 15 sie zu halten, nur zwei raten Linde-Papiere abzustoßen.

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
FSE

+0,28 +0,32%
0,00€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
BASF
6 von 30

BASF

In den letzten 20 Jahren veränderte BASF sein Firmengesicht. Vor allem das Spezialchemiegeschäft und die starke Vertretung in China erlauben dem Konzern glänzende Prognose auszustellen. Allerdings wird sich zeigen müssen, ob die Ausgaben für Forschung und Entwicklung mittelfristig die erhofften Ziele erfüllen werden.

Nur zwei Analysten raten vom Kauf der BASF-Aktie ab, 15 würden sie halten und 26 raten zur Investition.

ADIDAS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1EWWW0
Börse
FSE

+1,60 +0,89%
+181,35€
Chart von ADIDAS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Adidas
7 von 30

Adidas

2012 war ein Jahr voller sportlicher Ereignisse. Die Fußballeuropameisterschaft in Polen und der Ukraine und die Olympiade in London waren die größten. Von solchen Großveranstaltungen kann natürlich ein Sportartikelhersteller wie Adidas profitieren. Im letzten Jahr nahm der Konzern 13,3 Milliarden Euro ein, in den nächsten drei Jahren sollen sie auf 17 Milliarden Euro steigen. Sorgen bereitet einzig die US-Tochter Reebok, die nicht wirklich rund läuft. Sollte der Sanierungskurs allerdings in nächster Zeit erste Früchte tragen, winken den Herzogenaurachern weitere Profite.

Insgesamt 26 Experten würde die Adidas-Aktie kaufen, vier raten zum Verkauf, elf bewerten das Papier mit "halten".

Ein weiterer Trend, der anhalten dürfte und lukrative Investments verspricht, ist der steigende Energiebedarf der Schwellenländer. Zwar litt 2012 der Ölpreis, vor allem unter den neuen Fördertechniken in den USA, die dort zu einer veritablen Öl- und Gasschwemme führen. Sollte die bis vor Kurzem allgemein erwartete weltweite Konjunkturdelle 2013 aber ausbleiben und China wieder schneller wachsen, würde das auch den Ölpreis wieder antreiben. Wenn der Ölpreis 2013 steigt, sollte Royal Dutch/Shell dank seiner günstigen Bewertung überproportional zulegen.

Ende 2011 besaß Shell gesicherte Öl- und Gasreserven von 14 Milliarden Barrel (14 Milliarden mal 159 Liter) – 20 Prozent mehr als der US-Wettbewerber Chevron, der an der Börse genauso teuer ist. Bei einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und fünf Prozent Dividendenrendite hält sich das Risiko in Grenzen.

Hans-Otto Trümper vom Düsseldorfer Vermögensverwalter GS&P sieht bei Agraraktien Potenzial. Die hätten im vergangenen Jahr gelitten, obwohl die langfristige Story – mehr Menschen, die mehr hochwertige Nahrung konsumieren – intakt sei. Chancen bietet der Düngemittelproduzent Yara. Anders als Wettbewerber K+S ist Yara nicht vom Kalidünger abhängig, auf den Landwirte notfalls einige Jahre verzichten können. Im vergangenen Jahr geriet K+S unter Druck, weil Bauern weniger Kali orderten und China den Preis drückte.

Welche Aktien überraschen könnten

Yara hingegen verdient Geld vor allem mit Stickstoffdünger, der jedes Jahr aufs Feld gebracht werden muss. Zudem gelang den Norwegern im Dezember ein lukrativer Zukauf: Yara übernahm für 750 Millionen Dollar das brasilianische Düngemittelgeschäft des US-Agrarkonzerns Bunge. Den Deal finanzierte Yara aus dem freien Cash-Flow.

Wer etwas mehr riskieren möchte, kann auf bisher nicht von der Hausse erfasste Nachzügler setzen. Fraglos haben solche Aktienkäufe ein hohes Risiko, denn die Titel hinken nicht ohne Grund den Werten mit soliden Gewinnen, Bilanzen und Dividenden hinterher. „Dafür hätten sie einen Hebel, sollten sich die mittelfristig positiven Annahmen zur US- und China-Konjunktur bewahrheiten und der Risikoappetit der Anleger weiter steigen“, so Schäfer.

Die Supermarktkette Carrefour leidet wie fast alle französischen Aktien darunter, dass Investoren derzeit einen Bogen um das wachstumsschwache und verschuldete Land machen. Carrefour erzeugt jedoch mehr als 60 Prozent seiner Umsätze außerhalb Frankreichs und ist stark in Schwellenländern. Nach einem jahrelangen Ausverkauf an der Börse signalisiert der Kursverlauf eine Trendwende. Hintergrund könnte ein Strategiewechsel sein; das Management verabschiedet sich derzeit aus Ländern, in denen Carrefour nicht Marktführer ist, verkaufte zum Beispiel das Indonesien- und Malaysia-Geschäft; das soll der notorisch schwachen Gewinnmarge auf die Sprünge helfen. Gelingt dies, was durchaus realistisch ist, würde sich auch das derzeit relativ hohe KGV von rund 14 schnell verbessern.

Zu den heißesten Spekulationen im Dax gehören ThyssenKrupp. Eine Stabilisierung der Konjunktur käme dem zyklischen Stahlkocher natürlich zugute. Entscheidend ist aber, ob ThyssenKrupp seine Kapitallücken schließen kann, die von den Stahlwerken in Brasilien und den USA gerissen wurden. Wenn Thyssen das mithilfe von Beteiligungsverkäufen gelingt und die Konjunktur nicht wieder wegbricht, wird der Konzern überleben. Nun meldete der Konkurrent Arcelor-Mittal Interesse an den amerikanischen Stahlwerken an. Zunächst hieß es, die Inder wollten 3,5 Milliarden Dollar lockermachen. Ein konkretes Angebot liegt offenbar nur für das Werk in Alabama vor - über 1,5 Milliarden Dollar.

Gelingt Thyssen die Finanzwende, wäre das purer Zunder für die Aktie: Angesichts von gerade mal zehn Milliarden Euro Börsenwert bei möglichen 40 Milliarden Jahresumsatz ist das Potenzial enorm.

Startseite

Mehr zu: Börsenrally - So reiten Sie den Bullen

6 Kommentare zu "Börsenrally: So reiten Sie den Bullen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da habe ich doch heute Morgen meinen Augen nicht getraut ;-). Kennt da einer meine Tradingstrategie!? Ne ganz ohne Flax. Als Daytrader habe ich mehrere selbstentwickelte Strategien. Und am den Kindern einen Namen zu geben habe ich Sie wie folgt genannt:

    1. Den Bullen reiten (kurz: Bullennreiter)
    2. Den Bären töten (kurz: Bärentöter)
    3. Schlafende Hunde wecken (kurz: Schläfer)

    Na wenn da nicht einer geguttenbergt hat ;-))....

  • Gar nichts.Ich gebe Ihnen Recht.Die Börse ist ein Schneeballsystem-"der letzte Blöde" zahlt,das war so, das ist so und wird immer so sein.Nur "Unbedarfte" glauben, jeder könne an der Börse, mit jeder Aktie gleich welcher Art,über Nacht und ohne eigene Anstrengung reich und (berühmt?) werden.

  • Hahahaha, schon wieder ein Werbungsartikel für "Wettscheine" die bald wertlos sind.
    FINGER WEG ! Die suchen jetzt verzweifelt dumme neue Mitspieler für ihr Schneeballsystem, weil sie genau wissen, das die Tage gezähtl sind, wenn nicht bald noch mehr mitspielen ! Und was bringen hohe Dividendenrenditen, wenn die Kurse um 30% fallen.

  • Zitat: "Für eher vorsichtige Anleger böten sich breit streuende Fonds an"

    Wenn Sie das tun, dann machen Sie bitte einen großen Bogen um ausländische, thesaurierende Fonds bzw. ETFs. Bei diesen werden die thesaurierten Erträge doppelt besteuert, was sie erst beim Verkauf merken.

    Viele Anleger stellen beim Verkauf frustriert fest, dass die Kursgewinne beim Verkauf fast vollständig wieder abgezogen wurden. Die Zurückerstattung der zuviel gezahlten Steuern über das Finanzamt ist mühsam und erfolgt zudem zeitverzögert.

    Inwzischen werden viele Fonds/ETFs in Luxemburg aufgelegt. Sie erkennen Sie daran, dass die ISIN mit "LU" beginnt. Ich rate daher dringend von diesen Fonds/ETFs ab.

    Ausschüttende Fonds/ETFs sind aber unkritisch, egal wo sie aufgelegt wurden.

  • Hat Markus Frick den Artikel unter Pseudonym verfasst?


    ---
    Ich bleib' bei meinen Griechenland-Anleihen, haha. Die hat der Gabor Steingart damals aufs Wärmste empfohlen.

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/handelsblatt-aktion-wir-kaufen-griechische-staatsanleihen/3426508.html

  • LaoTse sagt:
    einen Bullen reiten können heißt meist einen ganz bestimmten Bullen reiten.
    Deswegen kann man nicht jeden Bullen reiten, solange man nicht begriffen hat, dass jeder Bulle seinen Reiter anders reitet.

    KungFuTse sagt: Currywurst ohne Curry ist wie Bulle ohne Sonnenbrille.

    Man sieht: Rodeo ist nicht Bullenreiten, und Gleitcreme taugt nicht zur Hautcreme.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%