Börsenturbulenzen im Zuge der US-Hypothekenmarktkrise
Wie sich die Krisen ähneln

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, erkannte schon der Philosoph und preußische Staatsmann Wilhelm von Humboldt. Und angesichts der aktuellen Unruhen an den Börsen lohnt ein Blick auf vergangene Turbulenzen, um Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen zu schließen.

DÜSSELDORF. Denn die Parallelen bei abrupten Kursstürzen sind frappierend: Sowohl das Ausmaß der Korrekturen als auch die Ursachen ähneln sich von Krise zu Krise. Da sind zunächst die inneren, nur scheinbar nebensächlichen Gegebenheiten. Wie in jeder vergangenen Börsenkrise stößt jetzt der Volatilitätsindex, kurz VDax, in Bereiche vor, wie es kennzeichnend für krisenhafte Entwicklungen an den Finanzmärkten war.

Der VDax ist gewissermaßen das „Angstbarometer“ für Anleger und misst ebenso wie der Vix in den USA die von Anlegern erwarteten Kursbewegungen. Derzeitige Werte von knapp 30 implizieren auf das Jahr hochgerechnet, dass Anleger von Schwankungen des Dax um 30 Prozent ausgehen. „Die Turbulenzen an den Börsen werden noch eine Weile andauern“, prophezeit der Harvard-Ökonomieprofessor Greg Mankiw.

Ein Blick auf die fundamentalen Rahmenbedingungen, die Krisenverursacher, verdeutlicht die Parallelen zur Vergangenheit. Währungsturbulenzen, Kreditprobleme, Schieflagen bei Hedge-Fonds, das Entstehen von Blasen in verschiedenen Märkten und vor allem das damit verbundene, rasant schwindende Vertrauen kehren am häufigsten wieder. Dazu die aktuelle Bilanz: In den USA platzt derzeit die Immobilienblase, Hedge-Fonds kämpfen weltweit mit Schieflagen, und Banken leihen sich gegenseitig kein Geld, weil sie sich untereinander nicht vertrauen.

Was heißt all das für die Zukunft? Dazu haben die Analysten der DZ-Bank verschiedene Finanzmarktkrisen analysiert. Demnach dauerte es durchschnittlich 55 Tage, ehe nach Beginn des Kursabschwungs der Tiefpunkt erreicht war. Auf heute übertragen würde das bedeuten, wir sähen Anfang September den Boden.

Natürlich besagen solche Statistiken nicht viel und bieten allenfalls ein Stück Orientierung. Doch es drängen sich noch mehr Vergleiche auf. In verschiedenen Krisen verloren die Börsen stets umso stärker, je höher die Aktien gemessen am Unternehmensgewinn bewertet waren. Mit einem derzeitigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp zwölf – Anleger bezahlen die Dax-Werte durchschnittlich mit dem zwölffachen Jahresgewinn – liegt der Dax bereits deutlich unter seinem historischen Durchschnitt von knapp 15. Bei der LTCM-Krise fiel das KGV von 25 auf 16. Als vor fast 20 Jahren die Börsen bebten, sackte die Bewertung von 19 auf elf.

Aus dieser – letzteren– Betrachtung ergäbe sich aktuell ein weiteres Kursrisiko bis in den Bereich von 6 800 Punkten. Damit würde der Dax seit seinem Hoch, das er im Juli mit 8 151 Punkten erreichte, 16 Prozent verlieren. Das wiederum ist ziemlich genau der Durchschnittsverlust aus vergangenen Börsenkrisen.

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