Börsenweisheit
Denn sie wissen (nicht), was sie tun

Sie kaufen Produkte, die sie nicht verstehen. Sie investieren in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle sie nicht durchschauen. Und sie verlieren Geld. Dabei müssten Anleger sich nur an einen Rat von Warren Buffett halten.
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DüsseldorfEigentlich sollte es völlig selbstverständlich sein, dass Anleger nur in Dinge investieren, die sie auch verstehen. Egal, ob in einzelne Unternehmen oder mehr oder weniger komplexe Finanzprodukte – der gesunde Menschenverstand sollte ihnen sagen, dass sie ihre Geldanlage begreifen müssen. Doch spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers steht fest: Viele Anleger kaufen Produkte, die sie eben nicht durchschauen und deren Risiken sie nicht kennen.

Doch das gilt bei weitem nicht nur für Finanzprodukte, egal ob kompliziertere Zertifikate oder einfachere Fonds beziehungsweise börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) und Anleihen. Es gilt auch für Aktien, wie der weltbekannte Investor Warren Buffett weiß. „Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst“, ist eine der goldenen Regeln des Börsengurus. Er empfiehlt Anlegern, sich unter den guten Unternehmen die besten herauszusuchen. „Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden“, so der Superinvestor.

Oberstes Gebot ist und bleibt aber, dass Investoren das Geschäftsmodell kennen und nachvollziehen können. Als Zielobjekt kommen für Buffett nur Firmen mit einem stabilen Geschäftsmodell und einer relativ leicht zu prognostizierenden Umsatz- und Gewinnentwicklung infrage. Software-, Computer- und Telekom-Unternehmen, die daran scheitern können, dass ihre Führung eine Innovation verpasst oder auf die falsche Technologie setzt, haben ihn eigentlich nie interessiert. Die Firmen, in die Buffett investiert hat, kennt jeder, ihre Produkte auch: Coca-Cola, American Express, Washington Post – um nur einige zu nennen.

„Grundsätzlich sollten Anleger verstehen, welche Chancen und Risiken sie sich mit einem Wertpapier einkaufen“, sagt Christoph Leichtweiß, Geschäftsführer der auf Kapitalmarktthemen spezialisierten Ypos Consulting. Anleger sollten für jede Position in ihrem Depot eine einfache Frage beantworten können: Warum kaufe oder halte ich das Wertpapier? „Da der kurzfristige Kursverlauf einem Münzwurf ähnelt, ist daher das Verständnis für die Folgen einer möglichen Kursbewegung bedeutender als dessen Ursache“, ergänzt er.

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  • Mit Ihrer Empfehlung verliert der Kleinanleger massiv an Kaufkraft, denn wir werden noch lange mit negativen Realzinsen leben müssen. Die ideale Form des Mittel- und Langfristsparens für den Kleinanleger ist ein möglichst global investierender Fonds (auch auf die Kosten achten!), weil ein Kleinanleger mangels Masse mit Einzelaktien keine Risikostreuung hinbekommt. Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Man muß sich mit den Dingen auseinandersetzen beschäftigen und zu allererst mit seinen eigenen Zielen. Und zweitens braucht man Disziplin.

  • @Lao: Sie reden Unsinn. Bei einem ETF halten sie ebenso eine Dividende. Das Risiko bei wenigen Einzelaktien als geringer einzustufen und die Strategie nur wenige Male im Jahr "nachzuschauen" ist falsch und grob fahrlaessig. Die Arrgoganz zu glauben, dass man bei schwerwiegenden Ereignissen in Markt / Unternehmen oder Gesellschaft rechtzeitig eingreifen koenne ist weit verbreitet und fuehr in allen Faellen langfristig zu Verlusten. Selbst die besten Unternehmen in den besten Wachstumsmaeaerkten koennen zu herben Verlusten fuehren, weil sie eines nie koennen: die Zukunft vorhersagen (Bsp. Nokia oder Lehmann). Kein Mensch (auch sie nicht), hatte das vorhergesehen.

    Es gibt an der Boerse nur eine Wahrheit: Es gibt Verlustjahre und Gewinnjahre in jedem (breiten) Markt und das gilt seit der Mensch handelt. Es war noch nie moeglich und wird auch nie moeglich sein eine Treffenquote ueber 50% fuer "positiv" und "negativ" abzugeben und jeder der sagt, er koenne dies, luegt oder getruegt sich selbst. Deshalb kann man nur verschiedene selten korrelierende Maerkte mit festen Anteilen abbilden und jaehrlich re-balancieren. Alles andere ist Glueckspiel.

  • Deckt sich auch mit meiner Meinung, wenn ich einen meiner Mutter, von der BA empfohlenen Fond, der außer Spesen fast nichts "erwirtschaftet", mit meinem selbstverwalteten Aktiendepot vergleiche, habe ich noch mehr Spaß mit meinen AKTIEN! Interesse, Information und eventuell Ausdauer wären von Vorteil, vielleicht auch etwas Geld, welches nicht gleich morgen verfügbar sein muss.
    morsi

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