Börsenweisheit

Denn sie wissen (nicht), was sie tun

Sie kaufen Produkte, die sie nicht verstehen. Sie investieren in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle sie nicht durchschauen. Und sie verlieren Geld. Dabei müssten Anleger sich nur an einen Rat von Warren Buffett halten.
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James Dean und Natalie Wood im Film „... denn sie wissen nicht, was sie tun“. Quelle: dpa

James Dean und Natalie Wood im Film „... denn sie wissen nicht, was sie tun“.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEigentlich sollte es völlig selbstverständlich sein, dass Anleger nur in Dinge investieren, die sie auch verstehen. Egal, ob in einzelne Unternehmen oder mehr oder weniger komplexe Finanzprodukte – der gesunde Menschenverstand sollte ihnen sagen, dass sie ihre Geldanlage begreifen müssen. Doch spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers steht fest: Viele Anleger kaufen Produkte, die sie eben nicht durchschauen und deren Risiken sie nicht kennen.

Doch das gilt bei weitem nicht nur für Finanzprodukte, egal ob kompliziertere Zertifikate oder einfachere Fonds beziehungsweise börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) und Anleihen. Es gilt auch für Aktien, wie der weltbekannte Investor Warren Buffett weiß. „Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst“, ist eine der goldenen Regeln des Börsengurus. Er empfiehlt Anlegern, sich unter den guten Unternehmen die besten herauszusuchen. „Konzentrieren Sie Ihre Investments auf herausragende Unternehmen, die von einem starken Management geleitet werden“, so der Superinvestor.

Oberstes Gebot ist und bleibt aber, dass Investoren das Geschäftsmodell kennen und nachvollziehen können. Als Zielobjekt kommen für Buffett nur Firmen mit einem stabilen Geschäftsmodell und einer relativ leicht zu prognostizierenden Umsatz- und Gewinnentwicklung infrage. Software-, Computer- und Telekom-Unternehmen, die daran scheitern können, dass ihre Führung eine Innovation verpasst oder auf die falsche Technologie setzt, haben ihn eigentlich nie interessiert. Die Firmen, in die Buffett investiert hat, kennt jeder, ihre Produkte auch: Coca-Cola, American Express, Washington Post – um nur einige zu nennen.

„Grundsätzlich sollten Anleger verstehen, welche Chancen und Risiken sie sich mit einem Wertpapier einkaufen“, sagt Christoph Leichtweiß, Geschäftsführer der auf Kapitalmarktthemen spezialisierten Ypos Consulting. Anleger sollten für jede Position in ihrem Depot eine einfache Frage beantworten können: Warum kaufe oder halte ich das Wertpapier? „Da der kurzfristige Kursverlauf einem Münzwurf ähnelt, ist daher das Verständnis für die Folgen einer möglichen Kursbewegung bedeutender als dessen Ursache“, ergänzt er.

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17 Kommentare zu "Börsenweisheit: Denn sie wissen (nicht), was sie tun"

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  • Mit Ihrer Empfehlung verliert der Kleinanleger massiv an Kaufkraft, denn wir werden noch lange mit negativen Realzinsen leben müssen. Die ideale Form des Mittel- und Langfristsparens für den Kleinanleger ist ein möglichst global investierender Fonds (auch auf die Kosten achten!), weil ein Kleinanleger mangels Masse mit Einzelaktien keine Risikostreuung hinbekommt. Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Man muß sich mit den Dingen auseinandersetzen beschäftigen und zu allererst mit seinen eigenen Zielen. Und zweitens braucht man Disziplin.

  • @Lao: Sie reden Unsinn. Bei einem ETF halten sie ebenso eine Dividende. Das Risiko bei wenigen Einzelaktien als geringer einzustufen und die Strategie nur wenige Male im Jahr "nachzuschauen" ist falsch und grob fahrlaessig. Die Arrgoganz zu glauben, dass man bei schwerwiegenden Ereignissen in Markt / Unternehmen oder Gesellschaft rechtzeitig eingreifen koenne ist weit verbreitet und fuehr in allen Faellen langfristig zu Verlusten. Selbst die besten Unternehmen in den besten Wachstumsmaeaerkten koennen zu herben Verlusten fuehren, weil sie eines nie koennen: die Zukunft vorhersagen (Bsp. Nokia oder Lehmann). Kein Mensch (auch sie nicht), hatte das vorhergesehen.

    Es gibt an der Boerse nur eine Wahrheit: Es gibt Verlustjahre und Gewinnjahre in jedem (breiten) Markt und das gilt seit der Mensch handelt. Es war noch nie moeglich und wird auch nie moeglich sein eine Treffenquote ueber 50% fuer "positiv" und "negativ" abzugeben und jeder der sagt, er koenne dies, luegt oder getruegt sich selbst. Deshalb kann man nur verschiedene selten korrelierende Maerkte mit festen Anteilen abbilden und jaehrlich re-balancieren. Alles andere ist Glueckspiel.

  • Deckt sich auch mit meiner Meinung, wenn ich einen meiner Mutter, von der BA empfohlenen Fond, der außer Spesen fast nichts "erwirtschaftet", mit meinem selbstverwalteten Aktiendepot vergleiche, habe ich noch mehr Spaß mit meinen AKTIEN! Interesse, Information und eventuell Ausdauer wären von Vorteil, vielleicht auch etwas Geld, welches nicht gleich morgen verfügbar sein muss.
    morsi

  • O-Ton Polizei
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    Acht vermummte und vermutlich dem linksextremen Lager zuzuordnende Angreifer hätten während einer Rede Luckes die Bühne gestürmt und diesen zu Boden gestoßen, sagte eine Polizeisprecherin der dpa in Hannover. Die Gründe für den Angriff seien noch unklar.
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    Unklar?

    Selten so gelacht.

    Die Gründe für die Auftritte der linken Schlägertrupps sind immer die gleichen:

    Der Versuch, Andersdenkende zu terrorisieren.

    Und solange der Staat auf dem linken Auge blind ist, und sich beamtete Systemverbrecher sogar mit Schikanen und Willkürmaßnahmen an dem Terror gegen Andersdenkende beteiligen, wird sich daran auch nicht viel ändern.

  • Grundsätzlich bin ich erstmal dankbar für einen Artikel dieser Art, wo doch selbst die Depot-Rubrik der HB-Redakteure schon übersäht ist mit Zertifikaten jeglicher Art.

    Was mir etwas zu kurz kommt, ist die Betrachtung der jeweiligen Motivation oder nennen wir es Zielsetzung des Anlegers/Investors.

    Möchte ich als Privatanleger wirklich eine Benchmark (den "Markt") schlagen? Ich persönlich möchte mein Kapital möglichst erhalten, eine regelmäßige Dividende bzw. Zinsen kassieren und sogar vermehren, insofern das innerhalb meiner Risikotoleranz möglich ist (was es ist). Was zählt ist also, was unterm Strich dabei rauskommt.

    Also fällt doch das Hauptargument für ETFs/Fonds dieses Artikels schonmal weg.

    Wenn ich dazu noch 5-10 Einzelaktien auswähle, von denen ich überzeugt bin & die ich langfristig/für immer kaufe und liegen lasse (außer wenn sich etwas drastisch an der Unternehmenssituation verändert wie z.B. Deep Water bei BP o.ä.), dann ist mein Aufwand doch sehr überschaubar. Im übrigen kann ich dann die ganzen Geräusche am Markt ignorieren (FED-Tapering ja/nein, wann etc.) und es reicht ja dann, wenn ich 2 bis max. 4mal im Jahr in mein Depot gucke.

    Klar, das ist dann somit das "Schlimmste" für die Bank/den Online-Broker, wenn ich nur einmal Gebühren produziere und deshalb muss das HB ja eine Lanze für seine Anzeigenkunden brechen. Das verstehe ich.

    Trotzdem schliesse ich mich einigen Vorkommentatoren an. Es lebe die Einzelaktienanlage. Freies Investment für freie Bürger.

  • Und vielleicht sollte man noch hinzufuegen, dass muendige Buerger eines Landes am Produktivkapital ihres Landes beteiligt sein sollten und auch ihr Stimmrecht aktiv ausueben sollten oder sich von einer vertrauenswuerdigen Person oder Institution vertreten lassen sollten. Ganz besonders bei Managegment Boni. Unrealistich? Mitnichten!

  • Ich habe Webers Buch gelesen und fand viele Gedanken des Buches sehr richtig, aber seine Empfehlungen für ETFs und für Stopp-Marken teile ich absolut nicht. Für mich gilt: ausschließlich Aktien. Keine Fonds, keine Versicherungen, keine Zertifikate, kein Gold, keine Anleihen. Anleihen zumindest nicht in der heutigen Zeit. Diversifikation strebe ich an, aber keine perfekte. Eine Übergewichtung deutscher Unternehmen ist auch nichts schlimmes.

    Warum ich gegen Aktienfonds bin? Die Fonds-Manager handeln nicht so, wie ich es machen würde: Aktien guter Unternhemen kaufen und am besten niemals verkaufen. Stattdessen betreiben sie Window-Dressing, um für Neukunden attraktiv zu sein. Ein Fonds-Manager kann auch nicht einfach so eine Baisse aussitzen so wie ich es tue, denn dann würde sein Telefon heiß laufen mit den Anrufen zorniger Investoren. Dass ich gegen Stopp-Marken bin, versteht sich von selbst, denn diese Stopps befördern Kursabstürze, die sie zu verhindern versuchen. Stoppmarkensetzer sitzen einer selbsterfüllenden Prophezeiung auf, genauso wie die Charttechniker.

    Ich wähle gut aus und bin hoffentlich ein Leben lang dabei. Ich habe auch K+S und durfte die 40 % Absturz innerhalb weniger Tage miterleben. Ich habe die Situation genug und nachgekauft.

  • Einspruch, Widerspruch, Rebellion, denn es geht doch nichts über die Investition in Einzelaktien. Gäbe es diese Form der Geldanlage nicht, müsste man sie glatt erfinden.

  • Es gibt soviele sogenannte Börsenweisheiten, wie es Händler an den Börsen gibt. Eine lautet z.B.: Je geringer das Risiko, desto geringer die Rendite. Es gibt nicht die eierlegende Wollmilchsau als Anlageform. Man muss immer diversifizieren und zwar nach progressiven Stufen. Hat man viel Barkapital zu Verfügung, dann sollte man dies auf mehrere Säulen verteilen. In Betracht kommen: Barreserve Tagesgeld ca. 3-5 Nettogehälter, Aktien (Fonds, Einzeltitel; 70%), Immobilie (selbstgenutzt) und Gold (10% bei ca. 500 €/Unze).

    Aktien sind bekanntlich Sachwerte, wie alle anderen o.g. Anlagenformen auch. Man ist am Vermögen eines Unternehmens beteiligt. Beim Stockpicking sind mehrere Faktoren zu beachten: die Aktie muss billig sein, d.h. KGV und KBV müssen günstig bewertet sein und zwar als Status Quo und auch in die Zukunft gerichtet. Wer eine Aktie mit einem KGV von 30 oder höher kauft, geht eben ein sehr hohes Risiko ein. Selbst Apple hat bei einem Kurs von 600 € noch ein KGV von 15 gehabt. Andererseits darf man sich auch wieder nicht zu sehr von einem KGV abschrecken lassen, weil sich dieses bei einem gewinnbringenden Geschäftsmodell sehr schnell ändern kann. Dann zählt auch das KBV, d.h. der bilanzielle Wert des Unternehmens im Verhältnis zu den aktuellen und kurzfristigen Börsennotierungen. Liegt ein KBV bei 1 bekommt man die Aktie des Unternehmens exakt zum Wert, der in der Bilanz ausgewiesen wird. Liegt der Wert z.B. bei 0,5 erhält man einen Aktie für die Hälfte des Buchwertes. Solche Werte können wohl begründet sein und als Risikoabschlag gesehen werden. Da an der Börse jedoch auch spekuliert wird, können Spekulanten einzelne Titel auch zu tief fallen lassen und die Aktien sind zu stark unterbewertet. Dann kann man diese "billig" kaufen und auf die Erholung setzen. Da ich kein Spekulant bin, würde ich nur in Unternehmen investieren, die ein verständliches, solides und bewährtes Geschäftsmodell besitzen, aber gleichzeitig in der Lage sind sich weiterzuentwickeln!

  • Im Grunde ist das eine Empfehlung ganz die finger von Wertpapiern zu lassen, denn letztlich ist es noch viel schwerer einen Fonds zu durchschauen als eine einzelne Aktie.
    Fondsmanager sind nicht immer dem Anlager verpflichtet, auch hier sind Interessenkonflikte nie ausgeschlossen.
    Fazit: Kleinanleger lasst die -finger davon, es sei denn ihr habt genug Zeit und Ahnung um Bilanzen zu studieren.
    Die einzige alternative ist das Vertrauen in eine kundige Person. Doch wie sehr man sich da täuschen kann, hat die Finanzbranche bewiesen.

    H.

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