Börsenweisheit

„Der Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend“

Wenn Aktien oder ganze Märkte abstürzen, geht das an die Nerven der Anleger. Doch oft folgt auf den Einbruch die Erholung. Warum die Börse ein Paternoster ist, manche Aktien aber auf ewig Kellerkinder bleiben.
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Händler in Frankfurt. Quelle: dpa

Händler in Frankfurt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Aktionäre der Deutschen Telekom sind Kummer gewöhnt. Vor allem wer bereits seit dem Börsengang dabei ist, sitzt auf hohen Verlusten. Zu 14,57 Euro wurden die Aktien am 18. November 1996 erstmals zugeteilt, wer beim zweiten oder dritten Börsengang dabei war, zahlte sogar 39,50 beziehungsweise 66,50 Euro pro Aktie. Was erst wie eine lukrative Investition aussah –die T-Aktie kletterte schließlich am 6. März 2000 bis auf 104,90 Euro – entpuppte sich ziemlich schnell als großes Verlustgeschäft. Denn wer die Aktien auch heute noch im Depot hat, konnte sich zwar Jahr für Jahr über eine üppige Dividende freuen, von den Kursgewinnen ist aber nichts mehr übrig. Im Gegenteil:  Seit Jahren dümpelt die Aktie nun schon unter zehn Euro rum.

Ist die Aktie im Keller angekommen? Denn dann könnte Hoffnung für die leidgeprüften Aktionäre bestehen. Zumindest wenn man einer alten Börsenweisheit glaubt. Die lautet: „Die Börse ist wie ein Paternoster. Es ist ungefährlich durch den Keller zu fahren, man muss nur die Nerven behalten.“

Eine Regel, die nicht unumstritten ist. Max Otte allerdings ist überzeugt, dass es diese Börsenweisheit auf den Punkt trifft. „Es lässt sich zwar bei vielen Wertpapieren feststellen, ob sie gemessen an den Fundamentaldaten billig oder teuer sind, aber das sagt nichts über die Kursbewegungen der nächsten Zeit aus“, sagt der Buchautor und Fondsmanager. Billige Unternehmen könnten nach dem Kauf zunächst weiterfallen. „Insofern ist es absolut essentiell, die Nerven zu behalten und durch Tiefs durchzutauchen. Wenn Sie das Bild vom Paternoster vor Augen haben, kann das wirklich an die Nerven gehen.“

Otte gibt allerdings auch zu bedenken, dass die Weisheit nicht für jede Aktie gleichermaßen gilt. „Es gibt auch grotesk überteuerte Werte oder Werte in schnelllebigen Branchen – beides traf für die Telekomwerte um 2000 zu“, sagt er. „Hier kann man nicht einfach in ein oder zwei Jahren durch den Keller fahren – oft dauern die Korrekturen ein Jahrzehnt oder länger, oder die Geschäftsgrundlage erodiert völlig.“

Von ihrem Kurssturz haben sich viele Telekomwerte bis heute nicht erholt, wie eben auch die Deutsche Telekom. Bei den wenigsten wäre es ein guter Rat gewesen, der Börsenweisheit vom Paternoster zu folgen. „Ich würde also das Zitat gerne einschränken“, sagt Otte. „Es gilt bei sicheren Unternehmen in berechenbaren Branchen, die nicht völlig überteuert eingekauft wurden.“

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8 Kommentare zu "Börsenweisheit: „Der Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend“"

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  • Aus dieses Trends eine erfolreiche Aktienstrategie herzuleiten ist unmoeglich. Aus den groessten Trends der Menschheit konnten Sie keinen mueden Euro machen, waeren sie in den falschen Unternehmen dieser Branche investiert: "Automobil", "Flugzeug" und "IT".

    Selbst wenn sie auf die ganze Branche oder ganze Laender setzten, koennen ihnen Rezessionen von 30 Jahren und mehr (hatten wir) einen Strich durch die Rechnung machen.

    Nochmal: Trends erkennen und daraus Geld machen sind zwei paar Stiefel.

  • Das stimmt nur fürs Detail, nicht für die große Linie. Megatrends sind z.B. die Demographie: Länder mit wachsender Bevölkerung sind attraktiver als solche mit schrumpfender, die Urbanisierung (Landflucht), wachsen-der Rohstoffverbrauch, steigende Energienachfrage, etc.

  • So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Bei denn US-Indizes und bei Deutschland geht die Rechnung mit der Verganenheit auf er, bei der drittgroessten Volkswirtschaft (Japan) stimmt sie nicht. Verluste, egal wann gekauft und wie lange gehalten.
    Was bringt also das Nachgekartel von gut gelaufenen Indizes wenn es Bereiche und Laender gibt, die gar nicht gelaufen sind und man nicht weiss wo es brummen wird ?

    Wird die USA weiter wachsen ? Wer ja sagt kann also in die Zukunft blicken!? Die Geschichte der Menschheit zeigt, dass sich Grossmaechte abwechseln und ganze Voelker untergehen koennen. Griechenland war mal Grossmacht, Mongolien auch. Die USA waren mal nicht mehr als Waelder und Indianer. Japan hat sich vom Hinterweldland zur Grossmacht gemausert und hat dann (vieles) wieder verloren.

    Auf welches Land setzt man also ? Oder soll man auf alle setzten in dem Vertrauen, dass die ganze Welt weiter waechst ?

    Schon vergessen: Wir hatten auch schon mal 30 Jahre Rezession. Ganz schoen lange warten wenn man in Rente geht, nicht wahr ?

    Fakt ist: Vorhersagen auf Basis von vergangenen Daten ist wie Lottozahlen tippen, die noch nicht dran waren. Selbstbetrug und Nichtbeachtung von der einzigen Wahrheit, die immer gilt. Kein Mensch weiss was morgen kommt.

  • Solange die Menschen nicht wissen, wie das Geld und die Wurst gemacht werden, können sie ruhiger schlafen.

    Würde der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein Geld selber aus der Luft schöpfen, und dieses ungerechtfertigte Monopol nicht den Privatbanken überlassen, bräuchten wir alle KEINE STEUERN zu bezahlen.

    Das Verschweigen dieser Tatsache ist der wirkliche Steuerbetrug. Unser Geldsystem ist darauf ausgerichtet, die Menschen zugunsten der Eliten zu versklaven. Mit dem ESM wurde dieses Versklavungssystem von der BRD auf EU Ebene gehoben.

    Der Euro ist das Instrument dazu.

    Die Politiker fürchten den Zusammenbruch des jetzigen Geldsystems wie der Teufel das Weihwasser. Aus gutem Grund. Ist nämlich erst mal das Geldschöpfungsmonopol von den Privatbanken zum Staat gewandert, bräuchten wir alle keine Steuern mehr zu bezahlen.

    Diese Umstellung auf ein anderes Geldsystem wäre für die Menschheit so enorm wichtig, bedeutet es doch eine Abkehr von Willkürherrschaft, Machtmissbrauch und sinnloser Kriege.
    Wir könnten dann nämlich mit unserem Geld eine wirklich lebenswerte Welt erschaffen.

    Über diese Tatsache traut sich niemand sprechen, schon gar nicht, wenn er ein von Banken abhängiger Politiker ist.

  • Die Dividendenrendite von Telefonica ist nicht 11,6%, sondern Null. Nach einem Jahr Nullrunde soll es voraussichtlich eine halbierte Dividende geben.

  • Chapeau; sehr guter Beitrag. Obwohl der Eistiegskurs für mittel- bis langfristig Anleger nicht entscheidend ist, erwischt es viele dennoch den "richtigen" Einstiegskurs zu suchen.Nachdem sie die Quartile, die Bilanz und die Konkurrenz und den Index überprüft haben, werden sie durch unterschiedliche Kommentare so langsam, dass sie den Einstiegskurs ganz "verpassen".

  • Langfristig sind wir alle mausetot. Und gerade im Bereich der Telekommunikation werden die Dinosaurier langfristig nicht überleben.

  • „Der Einstiegszeitpunkt ist nicht entscheidend“

    Wie wahr ..., allerdings nur bei Produkten die eine Zukunft haben. Deshalb stehen fundamentale Daten, bei Langfristanleger, über die Chartanalyse.

    Chartanalysten sehen in Telekomwerten Einstiegsmöglichkeiten. Fundamentalisten fehlt Zukunftsphantasie. Zweistellige Wachstumschanchen sind selbst in Wachstumsmärkten nicht sicher.

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