Börsenweisheit
Der Herr, der Hund und der Anleger

Die Börsenkurse passen oft nicht zur wirtschaftlichen Realität. André Kostolany sagte einst: „Das Verhältnis von Wirtschaft zur Börse ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund.“ Ein treffendes Bild.
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Manchmal spielt die Börse verrückt. Schwache Quartalszahlen scheinen einfach so zu verpuffen. Anstatt dass der Aktienkurs sinkt, wenn eine Firma Millionen oder gar Milliarden verbrennt, greifen Börsianer munter zu. Der Kurs steigt und mit ihm der Wert des Unternehmens.

Auch kommt es vor, dass erfolgreiche Firmen mit soliden Bilanzen an der Börse ein Schattendasein fristen. Ihr Aktienkurs kommt nicht vom Fleck, obwohl die Geschäfte blendend laufen. Fair ist das nicht, fair ist dann auch der Preis nicht, der für das Unternehmen am Kapitalmarkt gezahlt wird.

Auch bei Konjunkturdaten ist das Phänomen oft zu beobachten. Der Konjunkturmotor stottert, aber die Börsenkurse laufen heiß. Oder anders herum: Die Wirtschaft läuft blendend, aber die Börse setzt zur Korrektur nach unten an. Verkehrte Welt? Mitnichten.

„Der Aktienmarkt entwickelt sich in der Tat zeitversetzt prozyklisch“, sagt Andreas Feiden, Leiter Privatanlegergeschäft der Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment. „Dadurch ist ein Vor- und Zurücklaufen von fünf bis zehn Prozent Kurswert vollkommen normal.“

An der Börse wird die Zukunft gehandelt, allenfalls noch die Gegenwart. Die Vergangenheit zählt kaum. Prognosen sind mehr wert als bereits Erreichtes. Hinzu kommt eine gehörige Portion Emotionen, die die Börsen beherrscht und zu scheinbar unlogischen Kursausschlägen und Bewertungen führen kann.

Nicht umsonst lautet eine alte Börsenweisheit: „Das Verhältnis von Wirtschaft zur Börse ist wie das eines Mannes auf einem Spaziergang mit seinem Hund. Der Mann geht stetig voran, der Hund rennt vor und zurück.“ Diese weisen Worte stammen von Börsenaltmeister André Kostolany.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Der Herr, der Hund und der Anleger"

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  • wir sind im Moment schon in der Distributionsphase angekommen. D. h. der Hund ist schon weit vorgelaufen...

  • Ein sehr schöner Artikel, danke dafür.
    Das bringt die gesamte Börse und das Geschehen auf den Punkt.
    Was ist der Unterschied zwischen Wert und Bewertung einer Firma.
    Leider ist das den meisten Anlegern oft nicht klar und das Misstrauen gegenüber der Börse wird durch die tägölich /wechselnden)Schlagworte wie "Börse knickt ein", Hochfrequenzhandel, Eurokrise.... usw. bestimmt. Langfristig lässt sich dadurch der Normalbürger eine gute Rendite entgehen, da das Misstrauen gegenüber Aktien bzw. den Kapitalmärkten insgesamt überwiegt.
    In USA sind über 50 % der Leute in Aktien investiert und da gehört ein Gespräch über dei Börse zum guten Ton. In Deutschland sinds unter 10 % und man muss sich im Bekanntenkreis fast schämen wenn man Aktien hält.
    Bitte weiter Artikel dieser Qualität.

  • Tipps von einem Fidelity-Fondsverkäufer sind genauso objektiv wie die Empfehlung des Staubsaugervertreters mir unbedingt einen neuen Staubsauger anzuschaffen oder des Autoverkäufers, dass es sinnvoll ist auf das neue Modell umzusteigen.

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