Börsenweisheit
Die Flut hebt alle Boote – auch die „Ollen“

Steigt die Aktienrally, dann werden meist auch Aktien von schwachen Unternehmen mit nach oben gezogen und ihr Wert steigt kräftig. Dummerweise ist das nicht ganz unproblematisch für die Anleger.
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DüsseldorfDen Naturgewalten kann sich niemand entziehen. Beispielsweise dem regelmäßigen Wechsel der Gezeiten. Ebbe und Flut folgen ebenso zuverlässig aufeinander wie Hausse und Baisse an der Börse. Der Vergleich hinkt? Nein. „Die Flut hebt alle Boote, auch die mit Löchern im Rumpf“, lautet eine alte Börsenweisheit.

Klingt ein wenig sonderbar, doch Experten können diesem Bild Einiges abgewinnen. „Richtig ist, dass mit der Flut auch die vermeintlich vergessenen Schiffe erst wieder in die richtige Lage versetzt werden und anschließend vom Wasser gehoben werden“, sagt Jean Guido Servais. „Manchmal steigen diese schon als verloren geglaubten Schiffe höher als mancher Schwertanker, der konsequent und ruhig über die Weltmeere schwimmt.“ Ein ähnliches Phänomen zeigt sich an der Börse, ist der Leiter Marketings von JP Morgan Asset Management überzeugt. „Gerade in den euphorischen Marktphasen, gewinnen verloren geglaubte Unternehmen an Aufmerksamkeit, sie können dann oft deutlich stärker steigen als der eine oder andere solide Anteilschein.“

Simon Klein ist deutlich skeptischer. Der Chef von Lyxor, der ETF-Tochter der Société Générale, glaubt, dass die Börsenweisheit heute nicht mehr uneingeschränkt gilt. „In früheren Rallys zeigte sich tatsächlich, dass alle Aktien stiegen, auch solche, die einzeln betrachtet weniger Potenzial hatten“, sagt er. „Allerdings reagieren die Märkte mittlerweile sensibler und vor allem schneller auf Veränderungen oder Negativschlagzeilen einzelner Unternehmen.“Der Markt preise solche Informationen sofort ein – und damit bleiben Boote mit Löchern im Rumpf dann auch olle Kähne.

Das sieht Fondsmanager Christoph Bruns ähnlich: „Tatsächlich hebt die Flut mit ein paar Ausnahmen alle Boote“, sagt der Anlageexperte der Fondsboutique Loys. „Jeder Anleger weiß, dass es in einer Hausse einfacher ist, Kursgewinne zu erzielen als in einer Baisse.“ Es schwimme sich eben leichter mit der Strömung als gegen sie. Anleger sollten allerdings beachten, dass die Flut zwar für nahezu alle Aktien die Richtung vorgibt, nicht aber die Steiggeschwindigkeit. „Zwar können auch abgetakelte Jollen in der Flut besser aussehen, allein die Schnellboote legen um ein Vielfaches zu“, sagt er.

Auch Servais mahnt denn auch zur Vorsicht: „Die eine Flut bringt das Schiff vielleicht kurzfristig wieder auf Touren, aber die zermürbende Bestandsprobe kommt mit den Gezeiten und insofern schneller, als sich das der Renditejäger wünscht“, sagt er. Mit der Zeit können auch Glanzunternehmen zu sogenannten „ollen Kähnen“ werden. Anders herum bieten problembehaftete Unternehmen, die wieder in die Spur kommen, ein enormes Kurspotential. Dann sind die Kursgewinne berechtigt, sagt auch Servais.

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  • Telekom,Thyssen,Metro,Autos trotz Prognose Kürzung...alles ausser K+S,der Kahn hat schon zuviele Löcher

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