Börsenweisheit
Die goldene Regel der Kapitalanlage

„Nicht alle Eier in einen Korb legen“ lautet eine preisgekrönte Börsenweisheit. Das Risiko breit zu streuen, ist die wohl wichtigste Regel der Geldanlage. Doch wie breit ist breit genug gestreut?
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DüsseldorfWer sein Vermögen nur in eine Anlageklasse wie etwa Aktien investiert, geht ein enormes Risiko ein. Schließlich ist die Entwicklung des Portfolios dann auch nur von dieser Assetklasse abhängig. Stürzen die Aktienbörsen empfindlich ab, rauscht auch der Depotwert in die Tiefe. Wer breiter investiert, kann den Absturz einzelner Anlageklassen, die dann nicht mehr so viel Gewicht haben, besser abfedern. Risikostreuung oder auch Diversifikation nennt man das. „Nicht alle Eier in eine Korb legen“, lautet deshalb auch eine bekannte Börsenweisheit. „Hier haben wir die goldene Regel der Kapitalanlage“, sagt Christoph Bruns von der Fondsboutique Loys. „Keine Weisheit ist so wahr und erwiesen wie diese.“  

Und preisgekrönt noch dazu. Harry Markowitz bekam für seine moderne Portfoliotheorie den Nobelpreis. Bereits in den 50er-Jahren wies der Wirtschaftswissenschaftler nach, dass eine breite Streuung auf mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Gold oder Immobilien das Risiko im Depot senkt. „Anleger sind also gut beraten, wenn sie auf verschiedene Anlageklassen setzen und auch innerhalb dieser ihr Risiko auf unterschiedliche Werte verteilen“, sagt Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity.

Der Grundgedanke: Jede Anlageklasse reagiert unterschiedlich auf Entwicklungen am Finanzmarkt. Wenn eine Anlageform in Turbulenzen gerät, entwickeln sich andere möglicherweise sogar positiv oder sind nicht gar nicht betroffen. Dieser Zusammenhang wird beim Vergleich Aktien- und Rentenmärkte besonders deutlich. Allerdings waren in der jüngsten Finanzkrise fast alle Anlageklassen von starken Verlusten betroffen. Aktien und Anleihen stürzten vor allem in Zuge der europäischen Schuldenkrise mehr oder weniger gleichzeitig ab. „Vielleicht werden wir künftig eine Modifikation dieser Portfoliotheorie erleben“, sagt Simon Klein, Chef des ETF-Anbieters Lyxor. „Aber vom Grundsatz her hat die Regel ihre Gültigkeit nicht verloren.“ 

Auch der Fidelity-Experte räumt ein, dass die verschiedenen Anlageklassen heute in ihrer Wertentwicklung stärker voneinander abhängig sind als noch vor einigen Jahrzehnten. „Auf lange Sicht aber gelingt über eine Streuung des Geldes auf verschiedene Anlageklassen weiterhin eine Streuung des Risikos“, so Feiden. „Zu einem breit gestreuten Portfolio gehören Aktien als Renditemotor genauso wie Unternehmensanleihen und Tagesgeldkonten als Sicherheitsanker.“

Für langfristig orientierte Anleger bleibe der Grundsatz bestehen, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. „Wie viel Gewicht die einzelnen Körbe haben, hängt von der Anlage, vom Alter und vom Risikotyp des Sparers ab“, so Feiden. Grundsätzlich sollten jüngere Sparer etwas chancenorientierter investieren und damit etwas mehr Risiko in ihrem Portfolio haben als ältere. Der Aktienanteil sollte also bei einem 30-Jährigen höher sein als bei einem 60-Jährigen. Schließlich hat der 30-Jährige noch mehr Zeit, kurzfristige Marktschwankungen auszusitzen.

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Mit der Streuung kann man es auch übertreiben

Kommentare zu " Börsenweisheit: Die goldene Regel der Kapitalanlage"

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  • Die vermeintlich "goldene Regel" stimmt für die, die an Unterbeschäftigung leiden und auf ihren gesunden Schlaf pfeiffen. Möchte nicht wissen, wie viele sich dieses Wochenende die Haare raufen ob der fetten Verluste in ihrem Depot? Selbst wenn der Idealfall einträgte, daß die eine "Anlage" den Wertverlust der anderen abfedern kann, oder mit zeitverlustigen Absicherungen der Status im Niedergang gehalten wird, ist die breite Steuung bestenfalls ein Nullsummenspiel.

    Meine goldene Regel lautet: warte auf die richtige Karte. Ziehe sie, steig aus - und fahr in Urlaub.

    Das Spiel ist nicht jedermann gegeben. Die meisten leiden an Selbstüberschätzung. Das endet immer böse. Durch eigene Schuld.

    Erholungspause ...

  • Leider stimmt diese "goldene Regel" nicht mehr - man kann seit einigen Jahren beobachten wie sich Aktien, Renten und Edelmetalle mehr und mehr im Gleichklang bewegen. Auf www.globalvaluescout.de" wurde gestern ein sehr guter Artikel zu dieser sogenannten Korrelationsblase veröffentlicht.

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