Börsenweisheit
Die Hausse nährt die Hausse

Der Dax nimmt Kurs auf sein Allzeithoch und auf die Marke von 10.000 Punkten. Dass sie fällt, ist nur eine Frage der Zeit, schließlich heißt eine alte Börsenregel: Die Hausse nährt die Hausse. Doch wann endet sie?
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DüsseldorfWie gebannt schauen vor allem Privatanleger dieser Tage auf die Anzeigentafel an der Frankfurter Börse. Bis auf 9.784 Punkte ist der Deutsche Aktienindex am Dienstag im Handelsverlauf gestiegen. Viel fehlt nicht mehr, dann hat der Dax sein Allzeithoch geknackt: Mitte Januar notierte der deutsche Standardwerte-Index bei 9.794 Punkten. Fällt diese Marke, rückt auch die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten in greifbare Nähe. Doch wie lange läuft die Rally noch?

Eine alte Börsenweisheit besagt: Die Hausse nährt die Hausse. Übersetzt heißt das nichts anderes, als  dass die gute Stimmung an der Börse ansteckend ist – und die Kurse weiter steigen. „Kurz- oder mittelfristig ist die Psychologie an der Börse das Ausschlaggebende, bevor sich die Fundamentaldaten wieder durchsetzen. Immer wieder“, sagt Max Otte, Fondsmanager und Bestsellerautor. Es ist empirisch belegt, dass Rekordstände bei Aktien oder anderen Anlageklassen große Anziehungskraft auf neue Investoren haben.

Vermögensverwalter Markus Zschaber sieht das allerdings kritisch, denn diese Anleger treffen ihre Entscheidungen ausschließlich aufgrund der vergangenen Wertentwicklung. „Dabei sollte man sich vor allem die zukünftigen Entwicklungschancen fokussieren“, sagt er. „Eine ‚blinde‘ Kaufentscheidung allein aufgrund neuer Rekordstände kann dann zu einer Überbewertung oder auch Blase führen, die zwangsläufig irgendwann korrigiert wird – durch einen Preisverfall.“ Wesentlich wichtiger seien die fundamentalen Bewertungen, die konjunkturelle Lage und nicht zuletzt die Politik der Notenbanken. Sie fluteten die Märkte in den vergangenen Jahren mit Liquidität, um die Schuldenkrise einzudämmen. Der Abschied von dieser Politik des billigen Geldes ist bereits eingeleitet, die Marktteilnehmer beobachten die Notenbanker mit Argusaugen. Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine sorgen immer wieder für Nervosität.

Pessimisten unkten schon bei den Rückschlägen in den vergangenen Monaten, die Party sei vorbei, die große Korrektur stehe unmittelbar bevor. Doch bisher blieb sie aus. Zugegeben, dem Dax ging zuletzt eher die Puste aus. Seit Monaten pendelt er seitwärts, wenn auch in einer recht großen Spannbreite von fast 800 Punkten. Trotz alle zwischenzeitlichen Einbußen hat der Standardwerteindex aber immer wieder an seinem Rekordhoch gekratzt – wie auch jetzt wieder.

Es sind besonders die Privatanleger, die von Höchstständen angelockt werden. Es ist oft beobachtetes Phänomen: Sie verpassen den vorangegangenen Anstieg und investieren erst, wenn die Märkte schon sehr gut gelaufen sind. Die aktuelle Rally dauert nun schon mehr als fünf Jahre, die Privatanleger sind aber – wie von Banken und Fondshäuser immer wieder zu hören ist, nicht dabei. Der Rekord könnte sie nun anlocken. Die Historie zeigt allerdings, dass die durchschnittliche Länge einer positiven Marktentwicklung nur rund dreieinhalb beträgt. „Das bedeutet aber nicht, dass eine solche Phase nicht deutlich länger andauern kann“, ergänzt Zschaber.

Nach seinen Tiefständen in der Schuldenkrise erholte sich der Dax nach und nach – und mit ihm viele andere Weltbörsen. Wer vor fünf Jahren einstieg, kann sich heute über eine Kursverdoppelung des Dax freuen. Im vergangenen Jahr knackte er sogar seinen damaligen Rekord und kletterte dann von Hoch zu Hoch. „Rekordstände bedeuten nicht zwangsläufig, dass nach jedem neuen Rekord eine stärkere Konsolidierungsphase eintreten muss“, sagt Zschaber. Allerdings würden sich Märkte niemals linear bewegen, starke Kursanstiege müssten immer abgearbeitet werden, um Überhitzungen vorzubeugen – schon allein aus charttechnischer Sichtweise. „Leichte Korrekturen gehören zum Marktgeschehen dazu und fördern die innere Stabilität der Hausse“, ergänzt der Kölner Vermögensverwalter.

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  • Sie glauben, dass die Themen die Sie als isoliert beschreiben nix miteinander zu tun haben?
    Der Schein trügt!
    Ohne sich einen Überblick über die Zusammenhänge von Eigenkapital ud Kapitalbereitstellung sowie den Problemen der Welt zu machen kommen wir nicht weiter. Es sei, Sie wollen ein gaanz anderes System!?

    Leider weiß ich, dass die Probleme die Sie (richtigerweise) beschreiben ohne eine funktionierende Wirtschaft bei der Geld verdient wird und dieses Geld dann für neue Dinge wieder eingesetzt wird nicht zu lösen.
    Also meine Bitte: Kanalisieren wir die Mittel anders, ok, aber lassen wie die Hände weg von einem super funktionierenden system, bei dem Innovationen belohnt und Versagen betraft wird.
    Hinsichtlich Bankenhyps... usw. bin ich natürlich der Meinung: Die Bestrafung muss man dann aber auch zulassen und nicht die Falschen vor Schaden schützen.

  • Lieber in Aktien investiert sein, die steigen wenigstens immer weiter als am Ende nichts mehr zu haben.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/05/14/sparguthaben-droht-entwertung-ezb-bereitet-inflation-vor/

  • Die ganze scheinbar positive Entwicklung an der deutschen Börse ist doch nur Effekt-Heischerei. In Wahrheit brauchen wir uns alle nicht über 10.000 DAX-Punkte zu freuen; warum auch?! Für wen ist denn das gut (außer für Spekulanten)?! Es gibt Wichtigeres auf dieser Welt als Grinsrüben (auch nicht denen auf dem HB), die das Paradies auf Erden verheißen, zu folgen. Beispielsweise die grundlegenden Probleme unserer Existenz auf dieser Erde zu lösen (Wasser, Energie, eine saubere Umwelt, intakte ökologische und soziale Systeme). Davon sind wir noch meilenweit entfernt!

    Die ganze Entwicklung an den Börsen wird, vergleichbar mit den Immobilienmärkten, nur künstlich aufrecht erhalten. Die Wahrheit sieht ganz anders aus; fragen Sie einmal Sachkundige auf diesen Gebieten.

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